München und Leipzig - Gegen Leipzig geht die Rotation von Bayern-Trainer Jupp Heynckes in die Hose. Die Niederlage kann für den FCB eine unangnehme Dauer-Baustelle ergeben.

von , , Niclas Löwendorf

Sandro Wagner spielte die Bedeutung der ersten Niederlage des Jahres herunter.

"Das war bitter, aber ist kein Beinbruch", betonte der Stürmer des FC Bayern nach dem 1:2 bei RB Leipzig.

In der Tat wird die Bayern diese Niederlage nicht den sechsten Meistertitel in Serie kosten - dennoch hat der Rekordmeister durch den Rückschlag im Hinblick auf die endgültige Titelentscheidung seine Trümpfe aus der Hand gegeben.

"Es ist wurscht, ob wir diese oder nächste Woche Meister werden. Das ist nicht groß in den Köpfen drin", bekräftigte Wagner, dessen vierter Bundesligatreffer für die Bayern nicht zum erhofften Dreier genügte. "Natürlich sind wir enttäuscht, aber ich weiß nicht, ob es jemanden groß stört, ob wir jetzt, diese oder nächste Woche Meister werden."

Schnellster Titel aller Zeiten futsch

Nach den Siegen der Konkurrenz aus Dortmund und Schalke war schon vor dem Anpfiff in Leipzig klar, dass es mit der Rekord-Meisterschaft am 18. März nichts wird. (Bundesliga-Tabelle)

Mit einem Sieg bei RB hätten die Münchner allerdings schon nach der Länderspielpause gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund mit einem weiteren Dreier aus eigener Kraft die letzten Zweifel beseitigen können - unabhängig vom Schalker Ergebnis gegen den SC Freiburg.

Jetzt muss der Rekordchampion darauf hoffen, dass die Königsblauen gegen den Sport-Club nicht gewinnen, damit es doch noch mit der zweiten März-Meisterschaft in der Liga-Historie klappt. Den Rekord aus der Saison 2013/14, als in Berlin schon am 25. März der Meistersekt entkorkt werden konnte, können die Bayern aber nicht mehr toppen.

Kein Rekord-Titel? Heynckes ist es egal

"Wenn unsere Konkurrenten gestern verloren hätten, dann wäre mir das auch gleichgültig gewesen. Ob wir heute Meister werden, nächste Woche oder in zwei Wochen - das ist immer ein Gedankenspiel der Medien", meinte Bayern-Trainer Jupp Heynckes.

Vielleicht fehlte aber auch gerade wegen der Ergebnisse der Konkurrenz der letzte Schuss Zusatzmotivation.

"Wir haben in den letzten Wochen immer wieder Gas gegeben, egal gegen welchen Gegner. Heute haben wir mal verloren, das passiert einfach", meinte Wagner lapidar.

Rotation geht in die Hose

Der Winterneuzugang erhielt von Heynckes den Vorzug vor Top-Torjäger Robert Lewandowski. Zudem rotierte Heynckes, der ohnehin auf die angeschlagenen Thiago und Arjen Robben, sowie die verletzten Corentin Tolisso und Kingsley Coman verzichten musste, in größerem Umfang als zu erwarten war.

Neben Lewandowski bekam auch Mittelfeldstabilisator Javi Martinez eine Pause. Auch Franck Ribery fehlte.

Gerade der erneute Bankplatz für Lewandowski, der bereits in Freiburg zunächst draußen saß, drängte sich mit Blick auf die bevorstehende Länderspielpause nicht unbedingt auf.

Mastermind Heynckes, der in den vergangenen Wochen die Rotationsmaschine routiniert beherrschte, verzettelte sich in Leipzig etwas.

Rudy kann Chance nicht nutzen

Sebastian Rudy, der zuletzt noch mehr Einsatzzeiten gefordert hatte, konnte einmal mehr nicht überzeugen, die fehlende Stabilität im Mittelfeld machte sich dann auch eine Reihe weiter hinten bemerkbar.

Niklas Süle, für gewöhnlich ein verlässlicher Vertreter für Mats Hummels oder Jerome Boateng in der Innenverteidigung, zeigte gegen die flinken Leipziger Schwächen, auch der Rest der Stamm-Viererkette mit Hummels, Joshua Kimmich und David Alaba wirkte nicht immer sattelfest.

Die Niederlage bei RB - letztlich eine Kombination aus eigenen Fehlern und der Stärke des Gegners.

Mit dem vermeidbaren Rückschlag hat sich Bayern für die heißen Wochen im April eine unnötige Baustelle eröffnet.

Harte Wochen mit Champions League drohen

Denn statt in den englischen Wochen zwischen Bundesliga und Champions League Stars schonen zu können, wird Heynckes nach der Länderspielpause gegen den in der Liga unter Peter Stöger immer noch ungeschlagenen BVB aller Voraussicht nach auf seine beste Elf zurückgreifen müssen.

Ein Sieg gegen Dortmund, das sich in der vergangenen Jahren in München immer als zäher Gegner erwies, ist aber auch so nicht garantiert. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Schon drei Tage später wartet das Champions-League-Duell mit dem FC Sevilla - das Aus von Manchester United dürfte Bayern Warnung genug sein, die Spanier nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Es folgen das bayerische Derby beim FC Augsburg, ebenfalls kein Selbstläufer, und am 11. April das entscheidende Rückspiel gegen Sevilla. Im schlechtesten Fall kann Bayern erst erneut drei Tage später am 14. April gegen Borussia Mönchengladbach die Meisterschaft eintüten - und müsste bis dahin fast immer die komplette erste Garde aufbieten.

Hilft die spätere Meisterschaft Bayern sogar?

Dass sich die endgültige Titelentscheidung so weit in den April verschieben könnte, kann aber auch positive Begleiterscheinungen mit sich bringen.

Schließlich würde es den Bayern helfen, die Spannung zu halten - ganz im Gegensatz zu den Jahren unter Pep Guardiola, als durch die frühen Liga-Titel und den verlorenen Rhythmus in den entscheidenden Champions-League-Spielen die letzten paar Prozent fehlten.

"Wenn man 17 oder 20 Punkte Vorsprung hat, ist es nicht so einfach, die Spannung hoch zu halten", räumte nun auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic ein. "Wir haben große Aufgaben vor uns. Wir müssen im Rhythmus bleiben und müssen versuchen, alle Spiele zu gewinnen und uns Selbstvertrauen in jedem Spiel holen. Nur so können wir die großen Spiele auch gewinnen."

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