Bayerns Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt verrät die brisanten Hintergründe zu seinem Zerwürfnis mit Ex-FCB-Trainer Pep Guardiola.

Für Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, seit 1977 Mannschaftsarzt des FC Bayern München, war die Zeit unter Pep Guardiola die mit Abstand schlimmste Zeit an der Säbener Straße.

"Ich war ihm zu groß. Ich hatte Rückhalt im Verein, Rückhalt bei der Mannschaft. Er kann es nicht ertragen, wenn einer gleichauf ist. Der muss dann gestutzt werden", verriet der Arzt in der Talksendung "Markus Lanz" im ZDF.

"Er hat gemeint, er kann mich zum Befehlsempfänger machen. Er hat jede Gelegenheit genutzt, mich zu düpieren."

Bereits in seinem aktuellen Buch äußerte sich der Bayern-Arzt ausführlich zu seinem schwierigen Verhältnis zum Katalanen.

Nun legte er nach: "Ich darf mir nicht anmaßen zu beurteilen, ob er ein guter Fußballtrainer ist. Ich glaube, ja. Aber, was ich ihm sehr schwer ankreide, ist, dass es ihm nicht um die Gesundung ging, sondern nur um Schmerzfreiheit. Das ging gegen meine Philosophie."

Müller-Wohlfahrt berichtet von Streit

Immer wieder habe es Unstimmigkeiten zwischen den beiden gegeben.

"Als Guardiola kam, habe ich geglaubt, wir werden ein zweites Barcelona. Ich war totaler Fan. Aber nach drei Tagen wusste ich, dass die Zusammenarbeit nicht klappt", führte Müller-Wohlfahrt weiter aus.

Der 75-Jährige sieht bei Guardiola ein grundsätzliches Problem: "Er überschätzt sich. Er meint, er weiß alles besser." Das sei jedoch eher als Zeichen von Unsicherheit zu verstehen.

In Müller-Wohlfahrts persönlichem Trainer-Ranking, seit er beim FCB tätig ist, sei Guardiola "weit abgeschlagen". Die vorderen Plätze belegten dagegen Dettmar Cramer, Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes.

Nach einer Niederlage in der Champions League gegen den FC Porto im April 2015 kam es endgültig zum Zerwürfnis zwischen den beiden Streithähnen: "Es gab eine sehr lautstarke Auseinandersetzung in der Kabine. Sowas hatte ich vorher noch nie erlebt. Das war nur gegen mich gerichtet. Da habe ich gewusst: Es macht keinen Spaß mehr. Ich muss meiner Ehre und meines Namens willen aufhören. Das kann ich mir nicht gefallen lassen."

"Uli schafft alles"

Danach habe Müller-Wohlfahrt die FCB-Verantwortlichen über seinen Rücktritt informiert. "Das war ein No Go. In der Kabine dürfen keine Streitigkeiten ausgelebt werden. Da sind so viele Emotionen, so viel Adrenalin drin. Das darf nicht passieren. Das entgleist immer", schilderte der Arzt seine Sicht der Dinge.

Allein Uli Hoeneß, der zu diesem Zeitpunkt eine Haftstrafe wegen eines Steuervergehens absaß, hätte die Gräben zuschütten können, glaubt Müller-Wohlfahrt: "Uli hätte das moderieren können. Uli schafft alles. Aber er war nicht da."

Erst Jupp Heynckes, der im November 2017 das Traineramt von Carlo Ancelotti übernahm, holte Müller-Wohlfahrt wieder zu den Bayern zurück. 

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