Die Klubs der DFL haben für einen Erhalt der 50+1-Regel gestimmt
Die Klubs der DFL haben für einen Erhalt der 50+1-Regel gestimmt © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann

Trotz des Votums der Klubs für 50+1 sieht Ivo Hrstic, Chefredakteur Digital bei SPORT1, das Ende der Regelung kommen. Die Bundesliga muss aufwachen und eine gerechtere Lösung finden.

von Ivo Hrstic

Die vieldiskutierte 50+1-Regel bleibt - vorerst.

Nur 18 der 34 anwesenden Klubs stimmten für den Erhalt der umstrittenen Regelung. Die angestoßene Grundsatzdiskussion und bröckelnde Mehrheit pro 50+1 sind für mich klare Indizien dafür, dass dieses Relikt aus vergangenen Zeiten bald fallen wird.

Die Bundesliga hat mit dieser Entscheidung Zeit gewonnen, mehr nicht. Ich halte die aktuelle Diskussion dennoch für notwendig, gerade im Hinblick auf die Bedürfnisse und Sorgen der Fans. Eine aktive Auseinandersetzung und offene Kommunikation sorgen für wichtige Transparenz im Zeitalter einer rasant wachsenden Kommerzialisierung des Fußballs.

Dennoch: So richtig glücklich wirkten auf mich weder Liga-Boss Christian Seifert noch DFL-Präsident Reinhard Rauball auf der abschließenden Pressekonferenz. Die Mienen der DFL-Bosse jedenfalls zeigten mehr Sorgen statt Erleichterung.

Die nach wie vor ungeklärte Rechtslage ist ein Problem, zudem wird intern sehr ernst die abnehmende internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga diskutiert - und das ist gut so! Ich bin froh darüber, dass endlich auch Bundestrainer Joachim Löw, DFB-Manager Oliver Bierhoff oder auch Ex-Nationalspieler wie Jürgen Klinsmann die notwendige Qualitätsdiskussion im deutschen Vereinsfußball eröffnen.

Der deutsche Fußball ist gut, die Bundesliga ist es nicht mehr. Dafür sprechen ein Abo-Meister FC Bayern München, erbärmliche Europacup-Auftritte und die mutlose bis langweilige Spielweise vieler Bundesligisten im Liga-Betrieb.

Die Bundesliga muss anpacken, schnell und konsequent nach Lösungen suchen , um nicht noch weiter international den Anschluss zu verlieren. Dabei dürfen eben auch neue Rahmenbedingungen und Systeme kein Tabu mehr sein - so wie etwa eine reformierte 50+1-Regelung.

Ich halte einen kontrollierten und streng reglementierten Einstieg von Investoren in den deutschen Profi-Fußball für einen längst überfälligen Schritt, gerade weil 50+1 in dieser Form ausgesprochen ungerecht ist.

Ein ausgehöhltes und verwässertes Regelwerk, das Ausnahmen wie in Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, Leipzig und Hamburg zulässt, fühlt sich für mich falsch an. In dieser Form muss 50+1 weg - Gerechtigkeit und Chancengleichheit sehen anders aus!

Investoren sind kein Allheilmittel für eine kränkelnde Bundesliga, das muss auch den Befürwortern einer Öffnung bewusst sein. Die Bundesliga hat noch viel mehr Probleme als fehlendes Kapital - nämlich das Personal.

Mit viel Geld lassen sich eben auch viele Fehler machen. Investoren wie HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne und Hasan Ismaik bei 1860 München sind die besten Beispiele dafür.