Sandro Wagner bejubelt seinen ersten Bundesliga-Treffer für den FC Bayern
Sandro Wagner bejubelt seinen ersten Bundesliga-Treffer für den FC Bayern © Getty Images

München - Ausgerechnet gegen Ex-Klub Hoffenheim erzielt Sandro Wagner sein erstes Bundesligator für den FC Bayern. Zuvor wundert er sich auf der Bank über die Münchner Coolness.

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Als Sandro Wagner den Bann gebrochen hatte, verzog er beim Jubeln ein wenig das Gesicht.

"Die Ballberührung war im Bereich des Unterleibs, da möchte ich nicht näher drauf eingehen. Kann sein, dass das beste Stück auch dabei war… jedenfalls sehr angenehm", meinte der Torschütze von Spitzenreiter FC Bayern zum 5:2-Endstand gegen die TSG Hoffenheim ironisch.

Dem 13-Millionen-Neuzugang waren die Schmerzen letztlich egal, viel wichtiger war ihm sein erster Bundesligatreffer überhaupt für die Münchner, für die er schon 2007 seine ersten vier Profieinsätze im Oberhaus bestritten hatte.

Jubel kein Affront gegen Hoffenheim

"Es war toll, endlich zu Hause für meinen Verein das erste Tor zu machen. Das ist meine Heimat, früher stand ich selbst in der Kurve. Das war das Besondere für mich und nicht, dass es gegen meinen Ex-Klub ging", erklärte der ehemalige Hoffenheimer.

Was die Freude der Teamkollegen nicht schmälerte. "Eine Supergeschichte, dass er genau gegen seinen Ex-Verein sein erstes Tor für uns schießt", meinte Thomas Müller. "Man hat ihm angesehen, dass es ihn riesig gefreut hat. Deswegen war das ein gelungener Schlussakt."

So erzielte Sandro Wagner (l.) sein erstes Tor für den FC Bayern
So erzielte Sandro Wagner (l.) sein erstes Tor für den FC Bayern © Getty Images

Und Sven Ulreich ergänzte: "Sandro ist ein Supertyp und ein wichtiger Spieler für uns. Für mich ist er mit der beste deutsche Stoßstürmer. Das ist natürlich super, wenn man noch so einen Mann von der Bank bringen kann. Ich glaube, das Tor tut ihm gut, und wir werden noch viel Freude an ihm haben."

Dennoch hielt Wagner ungeachtet seiner lustigen Sprüche den Ball flach. "Ich bin Realist", sagte er. "Ich habe ein Tor gemacht, das nicht so schwer war, und nur ein paar Minuten gespielt."

Gruß an Konkurrent Gomez 

Nach elf Minuten in Leverkusen und 13 gegen Bremen durfte der Nationalspieler diesmal gerade mal sechs Minuten mitspielen.

"Die Stellenausschreibung war ja klar. Ich kann auch lesen. Von daher ist das völlig in Ordnung. Der Trainer hat mir aber gesagt, dass ich demnächst auch meine Einsätze von Beginn an bekommen werde", erklärte Wagner und schickte einen Gruß an seinen WM-Rivalen Mario Gomez:

"Ich habe jetzt drei Kurzeinsätze gemacht und es ist natürlich gut für das Selbstvertrauen eines Stürmers, wenn man dann trifft – und der Konkurrent nicht trifft."

Den Großteil des unterhaltsamen Spiels hatte Wagner jedoch von der Ersatzbank verfolgen müssen - und sich dabei gewundert, wie gelassen seine Sitznachbarn auf die katastrophale Anfangsphase reagierten.

Denn schon nach elf Minuten lag der Rekordmeister gegen das Team von Julian Nagelsmann nach Gegentreffern von Mark Uth (2.) und Bayern-Ausleihe Serge Gnabry (11.) mit 0:2 zurück.

"Da habe ich geschaut, ob jemand nervös ist und da war keiner nervös, weil alle sich dachten, das drehen wir schon", berichtete Wagner. "Das ist halt der FC Bayern. Die liegen 0:2 hinten und machen einfach weiter. Das ist einfach beeindruckend."

Frühester 0:2-Rückstand seit 41 Jahren

Obwohl es einen so frühen 0:2-Rückstand für den FCB zu Hause seit 41 Jahren nicht mehr gegeben hatte, als der MSV Duisburg im Januar 1977 schon nach neun Minuten dank eines Doppelpacks von Ronnie Worm mit zwei Toren führte - Endstand damals 2:2.

"Wir haben den Anfang total verschlafen", schimpfte Jerome Boateng. "Aber dann haben wir super geantwortet und am Ende sehr verdient gewonnen."

Schon zur Pause stand es 2:2 dank der Treffer von Robert Lewandowski (20. Minute, 18. Saisontor) und Boateng selbst (24., erstes Bundesligator seit November 2013).

"Zum Glück haben wir noch zwei Tore gemacht und dann in der Halbzeit die Probleme angesprochen. Danach war es ein sehr dominantes Spiel. Aus einem 0:2 ein 5:2 zu machen, ist schon sehr, sehr gut", anaylsierte Niklas Süle treffend.

Besonderes Spiel für Süle und Rudy 

Was auch an der starken Leistung des vor der Saison gemeinsam mit Sebastian Rudy aus Hoffenheim gewechselten Innenverteidigers lag. Im Gegensatz zu Wagner war es für beide ein besonderes Spiel, erklärten sie unisono. "Und zum Glück haben wir diesmal gewonnen", ergänzte Rudy.

Die Tore von Kingsley Coman (62.), Arturo Vidal (65.) und Wagner (89.) sorgten für den ersten Erfolg der Bayern nach zuvor zwei Niederlagen und einem Unentschieden, seit Nagelsmann Trainer in Hoffenheim ist – und obendrein für ein Spektakel. 

"Insgesamt bin ich zufrieden, obwohl ich am liebsten zu Null spiele", sah Jupp Heynckes auch angesichts der weiter souveränen Tabellenführung großzügig über die erneuten Probleme in der Defensive hinweg: "Es war ein großartiges Spiel für die Zuschauer."

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