Im Sommer wechselte Michael Gregoritsch nach Augsburg - und schlug direkt ein. Im Interview mit SPORT 1 spricht er über streikende Profis, den HSV und Trainer Manuel Baum.

von Sven Sartison

Michael Gregoritsch ist zwar schon ein paar Jahre in der Bundesliga unterwegs, ein alter Hase ist der Österreicher deshalb aber noch lange nicht. Trotzdem hat auch der 23-Jährige zur derzeitigen Debatte um die Allmacht der Spieler etwas zu sagen.

Als den viel zitierten Sittenverfall würde Gregoritsch das Theater um streikende Fußballer derzeit nicht bezeichnen. "Es gab jetzt ein paar Geschichten, bei denen sich Spieler frei gestreikt haben aber ich denke nicht, dass das jetzt die Regel wird", sagt er im Interview mit SPORT 1 (Das Interview sehen Sie in Bundesliga Aktuell ab 18.30 Uhr)

Eine Mitschuld an der aktuellen Entwicklung sieht er vielmehr in der Tatsache, dass mittlerweile "Dinge viel schneller an die Öffentlichkeit kommen. Man macht ein Foto, stellt es ins Internet und innerhalb von 15 Minuten ist es in der ganzen Welt wie zuletzt das Hallenkicken von Aubameyang."

Er selbst wechselte im vergangenen Sommer vom Hamburger SV zum FC Augsburg und es gibt so manchen Experten, der die Entscheidung des HSV bis heute nicht nachvollziehen kann. Gregoritsch selbst ordnet seine Zeit an der Elbe als "intensive Jahre" ein und schaut immer noch sehr interessiert auf seinen Ex-Verein.

Trennung vom HSV im Guten

Gregoritsch teilte das Schicksal vieler ehemaliger Hamburger, die ihr volles Potenzial bei den Rothosen nicht abrufen konnten. Deshalb wirkt es beinahe ironisch, dass der Offensivmann derzeit seine beste Saison im Oberhaus absolviert. Acht Tore in der Hinrunde sind nur zwei weniger als in seiner gesamten HSV-Zeit. Trotzdem schätzt er selbst die Situation so ein, dass "der HSV mir jetzt auch nicht nachweint, auch wenn wir uns im Guten getrennt haben." Auch deshalb wünsche er seinem Ex-Verein den Klassenerhalt.

Für ihn und seinen neuen Klub hat sich sein Wechsel auf jeden Fall gelohnt. „Für die Mittel, die wir haben, ist es fantastisch, dass wir auf dem 9. Platz stehen." Als Gründe für die bisher überzeugende Augsburger Saison sieht er insbesondere zwei Aspekte: Den mannschaftlichen Zusammenhalt, sowie die Mentalität auf dem Platz. "Wir hatten in der Hinrunde einen riesigen Kader und trotzdem gab es kein einziges Mal Stress oder ähnliches." Trotz einiger unzufriedener Spieler gab nie Krach innerhalb der Mannschaft, "weil einfach der Teamgeist so groß ist."

Baum der entscheidende Faktor

Der Erfolg beim FCA steht eng in Verbindung mit dem Namen Manuel Baum. Seit der Trainer den Klub vor gut einem Jahr übernommen hat, machte er aus dem Abstiegskandidaten einen gefestigten Bundesligisten. Zudem war er der entscheidende Faktor bei Gregoritsch' Wechsel. "Als ich mit Manuel Baum zusammen saß, war mir klar, das ist die einzige Möglichkeit für mich", beschreibt der Nationalspieler die Situation im vergangenen Frühjahr. "Ich bin sehr zufrieden, dass er unser Trainer ist. Besser kann man das hier nicht leiten."

Neben Baum sei zudem noch eine andere Personalie für Gregoritsch' Leistungsexplosion verantwortlich: Sturmpartner Alfred Finnbogason. Mit dem Isländer habe er sofort eine Verbindung gehabt. "Wir haben direkt zu Beginn vier Stunden nebeneinander im Bus gesessen auf dem Weg ins Trainingslager. Da lernt man sich natürlich gut kennen", beschreibt er seine Anfangszeit beim FCA.

Traum von Europa

Mittel- bis langfristig will der ehrgeizige Offensivspieler international spielen - am liebsten mit dem FCA. Vor zwei Jahren hatten die bayrischen Schwaben erstmals an der Europa League teilgenommen und waren unglücklich am FC Liverpool gescheitert. Für Gregoritsch war das der Moment, in dem Augsburg für ihn "richtig bekannt" wurde. Zunächst steht aber die Mission Klassenerhalt an und dafür wollen die Augsburger "gemeinsam als Mannschaft die Hinrunde bestätigen und nochmal 24 Punkte oder mehr holen."

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