Stefan Schnoor (r.) seiht HSV-Trainer Gisdol zu Recht in der Kritik
Stefan Schnoor (r.) seiht HSV-Trainer Gisdol zu Recht in der Kritik © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago

Hamburg und München - Stefan Schnoor ist enttäuscht vom Hamburger SV. Der Ex-HSV-Profi nennt Gründe für die sportliche Talfahrt. Der Trainer gehört für ihn klar dazu.

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Beim Hamburger SV  schrillen nach der Niederlage gegen den FC Augsburg die Alarmglocken. Auch Stefan Schnoor hält vor dem Weg weisenden Kellerduell gegen Köln mit Kritik an seinem Ex-Klub nicht hinterm Berg.

"Jeder hat vom HSV etwas ganz anderes erwartet, dann ist man umso enttäuschter", sagte der langjährige Verteidiger SPORT1. "Nach vorne geht nichts und das nicht unbedingt gegen eine Übermannschaft der Bundesliga. Bei allem Respekt für den FC Augsburg. Das kann nicht der Anspruch des HSV sein."

Schnoor: Kein spielerisches Potenzial beim HSV

Der 46-Jährige glaubt das entscheidende Manko ausgemacht zu haben: "Die große Schwachstelle ist das Umschaltspiel. Den Ball schnell nach vorne bringen, das kannst du mit Mannschaften mit dem spielerischen Potenzial machen. Beim HSV ist das aber im Moment nicht gegeben."

Das Grundelend der Hanseaten sei zudem der Umstand, dass die jährliche Hoffnung auf Besserung regelmäßig enttäuscht werde. "Im Endeffekt ändert sich nichts", sagte Schnoor, der in 143 Bundesligaspielen für die Rothosen acht Treffer markierte.

"Du holst Spieler, die entwickeln sich nicht weiter, bleiben stehen, manche wollen weg. Die Außendarstellung ist kurios. Mal ist der Spieler unverkäuflich, mal soll er verkauft werden. Solange du solche Sachen nicht in eine Richtung bündelst, wird das schwierig."

Wenig Rückendeckung für formschwache Spieler

Dass formschwache Spieler bei den Hanseaten häufig nicht mehr aus ihrem Loch herausfinden, komme zudem nicht von Ungefähr. 

"Wenn ein Spieler nicht funktioniert, dann darf man ihn nicht gleich abschreiben. Man hat doch mittlerweile zwei oder drei Co-Trainer, einen Physiotherapeuten, Athletik- und Kontitionstrainer und was es nicht alles gibt", erinnert Schnoor. "Die müssen sich die Zeit nehmen und den Spieler fragen 'Was ist los? Warum ziehst du dir im Moment die Schuhe falsch herum an?' Das wird alles nicht gemacht beim HSV."

Das spreche sich herum und habe daher auch eine Wirkung auf potenzielle Spielereinkäufe: "Beim HSV wird man gleich in eine Schublade gesteckt und verkauft. Andere Spieler sehen das. Das macht das Ganze nicht attraktiver."

Dass auch Trainer Markus Gisdol nun langsam öffentlich angezählt wird, kann Schnoor nachvollziehen. "Die Diskussion um den Trainer wird zu Recht geführt", erklärte er. "Mich wundert, dass es noch so ruhig ist. Gisdol ist verantwortlich für das, was auf dem Rasen passiert." 

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