München - Manager Horst Heldt macht im CHECK24 Doppelpass klar: Die Proteste gegen Martin Kind bei Hannover 96 sind auch die Folge eigener Versäumnisse.

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Eine mitreißende Aufholjagd der eigenen Mannschaft - und trotzdem kaum Jubel bei den Fans.

Der Stimmungs-Boykott bei Hannover 96 zog nach dem 3:2 über den FSV Mainz 05 am Samstag die Laune des Siegerteams nach unten, Dreifachtorschütze Niclas Füllkrug äußerte seinen Frust.

Im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 hat sich nun Hannovers Manager Horst Heldt zu dem Thema zu Wort gemeldet. Und eingestanden, dass sein Klub nicht unschuldig an der Situation ist.

Heldt: Fan-Kritik ist "legitim"

"Unsere Aufgabe ist, uns damit auseinanderzusetzen, das haben wir in der Vergangenheit nicht so gut gemacht", sagte Heldt: "Da müssen wir aufeinander zugehen. Ich hoffe, dass wir das hinbekommen, dass ich das hinbekomme."

Hintergrund des Fan-Ärgers ist die geplante Komplettübernahme des Klubs durch Kind auf Grundlage einer Ausnahmegenehmigung der 50+1-Regel. Teile der Fanszene versuchen weiter, dies zu verhindern. Vor dem Spiel gab es deshalb auch einen Demonstrationsmarsch durch die Innenstadt zum Stadion.

Heldt bezeichnete es als "legitim, dass es Fans gibt, die das nicht wollen". Und gestand auch ausdrücklich ein, dass es nicht nur Ultras sind, die gegen den Kind-Plan mobil machen.

"Wir haben nicht alles richtig gemacht und haben uns auf die Fahne geschrieben, das zu verändern", ergänzte der 48-Jährige. Man habe "nicht intensiv genug transportiert", was man vorhabe: "Ich glaube, dass es wichtig ist, die Werte eines Vereins zu leben. 96 ist und bleibt ein Traditionsverein und wir müssen daran arbeiten, das intensiv zu vermitteln."

Gerade die Mannschaft habe Support verdient, "es ist für die Fans doch erkennbar, dass sie sich für den Verein zerreißt".

Kind dürfte bei Misserfolg klagen

Unabhängig davon steht Heldt hinter der Komplettübernahme, Kind habe diese "verdient". Zudem sei man "trotz allem in der Verantwortung einen Verein zu führen und ihn auch auf die nächste Ebene zu führen".

Er warnt auch davor, dass Kind die 50+1-Regel komplett ins Wanken bringen würde, sollte der Plan scheitern: "Martin Kind würde dann tendenziell dagegen klagen, womöglich auch Recht bekommen - und dann wird 50+1 für alle fallen."

Aktuell gilt für die Regel eine Ausnahme, die Mäzenen eine Stimmenmehrheit im Klub ermöglicht, wenn sie sich 20 Jahre für einen Klub engagieren. Für Kind gilt dieses Schlupfloch ab diesem Jahr.

Skibbe bricht Lanze für Kind und Hopp

Im Dopa brach auch der frühere Bundestrainer Michael Skibbe eine Lanze für Kind - wie auch für Hoffenheim-Boss Dietmar Hopp, der ebenfalls von der Regel profitiert.

Kritik an Kind und Co. sei legitim, "aber es sollte auf einen Niveau passieren, wo man nicht nur Plakate hochhält".

Man müsse anerkannen, "wenn sich eine Person sehr mit dem Verein identifiziert und über Jahre hinweg viel Tolles für den Verein geleistet hat", sagte der Nationalcoach Griechenlands: "Wir haben viele Traditionsvereine, die hätten liebend gern einen wie Hopp oder Kind, der sich so einsetzt – weil diese Vereine vor die Hunde gegangen sind."