Arturo Vidal feierte seinen Kopfballtreffer zum Münchner 4:2 (Endstand 5:2) gegen Hoffenheim mit seiner typischen Geste
Arturo Vidal feierte seinen Kopfballtreffer zum Münchner 4:2 (Endstand 5:2) gegen Hoffenheim mit seiner typischen Geste © dpa Picture Alliance

München - Obwohl er einer der großen Verlierer des Goretzka-Transfers ist, gibt Arturo Vidal nicht auf. Seine Zukunft beim FC Bayern hängt aber von anderen Faktoren ab.

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Ein Krieger wäre kein Krieger, wenn er einen Kampf scheuen würde.

Auf Arturo Vidal, den selbsternannten Krieger des FC Bayern, kommt ein ziemlich großer Kampf zu. Den Beweis, dass er diesen annimmt, lieferte er mit einer kämpferisch vorbildlichen Vorstellung samt eigenem Treffer beim 5:2-Sieg gegen Hoffenheim.

"Wenn der Weg hart wird, bleiben nur die Harten wie ich auf diesem Weg", schrieb der chilenische Mittelfeldspieler am Tag nach der Bekanntgabe des Transfers von Leon Goretzka zum Rekordmeister bei Twitter.

Vidal weiß: Durch Goretzkas Ankunft im Sommer verschlechtern sich seine Chancen auf einen Stammplatz und eine langfristige Zukunft in München.

Von einem Abschied will der 30-Jährige aber noch nichts wissen. Auch, weil seine Zukunft von mehreren Faktoren abhängt, die er teilweise nicht einmal selbst beeinflussen kann.

 SPORT1 gibt einen Überblick:

- Seine Leistung

Mit seiner physischen Präsens, seinem Spielverständnis und seinem Willen könnte Vidal einer der besten Mittelfeldspieler der Welt sein. Die Betonung liegt auf könnte, denn seit seiner Verpflichtung vor zweieinhalb Jahren rief der Rechtsfuß sein Potenzial viel zu selten ab.

Vor allem in der Amtszeit von Ex-Trainer Carlo Ancelotti kam der Schlendrian in ihm durch. Er fiel auf dem Platz oft durch übermotivierte Foulspiele auf, trainierte schlecht und machte obendrein mit einer Schlägerei in einer Münchner Diskothek seinem Ruf als Bad Boy alle Ehre – bis zur unverhofften Rückkehr von Jupp Heynckes.

Der Ancelotti-Nachfolger, einst schon bei Bayer Leverkusen sein Ziehvater, trieb ihm mit klaren Worten jegliche Disziplinlosigkeiten aus. "Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn anders kenne und er nicht viele Spiele machen wird, wenn er sich nicht in Form bringt", verriet Heynckes im Oktober.

Knapp vier Monate später zeichnet sich Vidal nicht nur als zuverlässiger Arbeiter und Stabilisator im defensiven Mittelfeld aus, sondern entwickelt sogar ungeahnte Torjägerqualitäten. Mit sechs Pflichtspieltreffern ist er der nach Robert Lewandowski (18) beste Torschütze des Rekordmeisters in dieser Saison. Macht er so weiter, dürfte es den Bayern-Bossen alles andere als recht sein, ihn ziehen zu lassen.

- Bayerns neuer Trainer

Ginge es nach Heynckes, würde Vidal sowieso bleiben. Das machte der Bayern-Coach schon vor der 5:2-Gala gegen die TSG Hoffenheim deutlich.

"Man merkt immer wieder, dass er einfach Klasse hat. Das ist ein überragender Spieler, der eine riesige Erfahrung im internationalen Fußball hat, der immer auf den Punkt da ist", schwärmte Heynckes und bezeichnete den Mann mit der Nummer 23 als "fundamentalen Bestandteil" seiner Mannschaft.

Da Heynckes im Sommer aber sehr wahrscheinlich in den Ruhestand zurückkehrt, ist Vidals Situation völlig offen. Wenn der neue unbekannte Coach ohne oder nur halbherzig mit ihm plant, wird der Chilene wahrscheinlich verkauft. Die Bayern könnten 2019 nämlich keine Ablösesumme mehr für ihn kassieren, weil sein Vertrag dann ausläuft.

Gut für Vidal: Die Bayern-Bosse wollen seinen Befürworter Heynckes ebenso wie bei der Verpflichtung des neuen Trainers auch in die Zusammenstellung des Kaders einbinden.

- Antonio Conte

Vidal braucht das volle Vertrauen des neuen Trainers. Hat er das nicht und findet sich häufiger auf der Ersatzbank wieder als ihm lieb ist, dürfte er über den Wunsch seines alten Freundes Antonio Conte nachdenken. Der Coach des FC Chelsea sagte schon im vergangenen Jahr, er würde mit Vidal gerne noch einmal "in die Schlacht ziehen". Die beiden hatten bereits von 2011 bis 2014 bei Juventus Turin fünf Titel zusammen gewonnen.

Problem nur: Es ist nicht sicher, ob Conte überhaupt bei Chelsea bleibt. Seine Differenzen mit Klub-Boss Roman Abramowitsch sollen angeblich so groß sein, dass die Zeichen momentan eher auf Trennung stehen. In diesem Fall würde Vidal wohl kaum an der Stamford Bridge aufschlagen. Und die anderen Möglichkeiten – Inter Mailand und chinesische Klubs sollen an ihm interessiert sein – sind aus sportlicher Sicht weniger reizvoll.

- Champions League

Vidal hat auf Klubebene alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt – bis auf die Königsklasse. Gerade nach der letzten Saison, als er mit einem verschossenen Elfmeter und einem Platzverweis maßgeblich am Viertelfinal-Aus gegen Real Madrid beteiligt war, sagt er immer wieder: "Mir fehlt dieser Titel jetzt einfach noch."

Er wird nicht freiwillig zu einem kleineren Klub mit geringeren Ambitionen wollen, wenn ihm die Champions League auch in dieser Saison verwehrt bleibt.

- Seine Familie

Wie SPORT1 aus Vidals Umfeld erfuhr, fühlen sich der Bayern-Star und seine Familie in München sehr wohl. Ein wichtiger Grund dafür: Die Gesundheit seines Sohnes Alonso ist dort in den besten Händen. Der Achtjährige leidet von Geburt an Diabetes und hat unter der Betreuung eines Facharztes außerordentliche Fortschritte gemacht.

Verständlich also, dass Vidal Goretzka das Feld nicht kampflos überlassen möchte. Alles andere würde schließlich auch der Natur eines Kriegers widersprechen.