Leverkusen und München - Vor dem Rückrundenstart will Jupp Heynckes nichts vom erneuten Triple wissen. Doch dank Neuzugang Sandro Wagner hat der Bayern-Trainer jetzt auf allen Positionen die Qual der Wahl.

von Martin Volkmar

Auf große Töne wartet man beim einstigen FC Hollywood derzeit vergeblich.

So seriös, wie Jupp Heynckes Bayern München seit seinem Comeback wieder in die Erfolgsspur geführt hat, so zurückhaltend blickt der Chefcoach auf die Rückrunde.

"Beim FC Bayern haben Titel Priorität. Deswegen müssen wir weitermachen und nicht auf die Tabelle schauen. Das bringt uns nicht weiter", sagte Heynckes vor dem Auftakt-Kracher beim Tabellenvierten aus Leverkusen (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER).

Die Meisterschaft ist das erklärte Ziel des Routiniers, auch im DFB-Pokal sieht er gute Chancen - doch von einer Wiederholung des historischen Triples von 2013 will Heynckes nichts wissen.

"Kann man nicht programmieren"

"Für mich geht man da zu weit", sagte er. "Sie können so etwas nicht programmieren, das muss sich entwickeln. Das war 2012/13 der Fall, aber jetzt wäre es gut, dass wir den Ball flach halten."

Allerdings drängen sich die Parallelen wirklich auf, seit der 72-Jährige im Oktober zum insgesamt vierten Mal die Münchner übernommen hat.

Nach 15 Siegen in 16 Spielen unter dem Erfolgstrainer ist die Ausgangsposition in allen drei Wettbewerben hervorragend.

Auch Heynckes sieht sein Team international zumindest wieder als ernsthaften Konkurrenten. "In der Champions League sind sicher drei bis vier Mannschaften einen Tick weiter als wir", erklärte er im ZDF.

"Nur ich weiß, was auch da möglich ist. Dann muss man eben alle Spieler zur Verfügung haben, die wichtig sind und topfit. Dann hat man unter Umständen auch eine Chance."

Nur Neuer und Thiago länger verletzt

Hoffnung macht Heynckes, dass im Trainingslager in Katar abgesehen von den Langzeitverletzten Manuel Neuer und Thiago alle Spieler dabei waren.  

Und durch den Einkauf von Sandro Wagner als zweitem Stürmer sind nun endlich alle Positionen mindestens doppelt besetzt - wie in der Triple-Saison.

Dadurch kann Heynckes angeschlagenen Spielern wie aktuell Robert Lewandowski und Mats Hummels eine Pause geben und in seinem 4-3-3-System durchrotieren.

© SPORT1-Grafik: Davina Knigge/Getty Images

SPORT1 gibt einen Überblick über die Positionen beim Rekordmeister.

TOR:

Manuel Neuer hat endlich seine Gehhilfen ablegen können, wie Sven Ulreich SPORT1 verriet. Dennoch dürfte der Vertreter noch mindestens bis Ende Februar im Tor stehen, was angesichts seiner zuletzt starken Leistungen kein Problem darstellt.

Zumal im reaktivierten Tom Starke noch ein Routinier als Backup zur Verfügung steht, der bei seinen zwei Einsätzen ohne Fehl und Tadel blieb.

ABWEHR:

Nominell gibt es im DFB-Trio Hummels, Jerome Boateng und Niklas Süle nur drei Innenverteidiger, aber solange nur einer davon ausfällt, geht das perfekt auf. Ansonsten könnte Javi Martinez wieder nach hinten rücken und zur Not stünden David Alaba und Joshua Kimmich bereit.

Normalerweise sind Kimmich aber rechts und Alaba links Stammspieler. Rafinha ist erste Alternative auf beiden Seiten, wobei links noch Juan Bernat und Marco Friedl zur Verfügung stehen und rechts auch Sebastian Rudy aushelfen könnte.

MITTELFELD:

Im Prinzip sind die Positionen klar verteilt: Rudy ist erster Ersatzmann von Martinez auf der 6, auf der 8 hat Arturo Vidal aktuell leicht die Nase vorn vor Corentin Tolisso und zentral ist James Rodriguez gesetzt.

Der Kolumbianer profitiert dabei auch vom Ausfall seines ärgsten Rivalen Thiago, der jedoch nach seiner Rückkehr auch neben Martinez etwas defensiver spielen könnte. Zudem ist Thomas Müller auf der 10 eine Option.

ANGRIFF:

Heynckes sieht Kapitän Müller jedoch eher rechts offensiv, je nach Form und Fitness des zum Ende der Hinrunde verletzten Arjen Robben. Alternativ kann Turbosprinter Kingsley Coman auch auf dieser Seite spielen, ist aber momentan die erste Wahl auf dem linken Flügel vor seinem Landsmann Franck Ribery.

Der Publikumsliebling, dessen Vertrag wie der von Robben ausläuft, hat aber seit seinem Comeback Anfang Dezember mit starken Leistungen Werbung in eigener Sache gemacht. Letztlich wird Heynckes allein schon aus Eigennutz alle Stars regelmäßig einsetzen, um Stimmung und Spannung im Kader hochzuhalten.

Das gilt auch für Neuzugang Wagner, obwohl Lewandowski im Sturmzentrum die klare Nummer eins ist. Doch der Ex-Hoffenheimer wird ebenfalls zu genügend Einsätzen kommen, um sich für die WM in Russland zu empfehlen.

Schon in Leverkusen wird der Rückkehrer nach Lewandowskis Ausfall sein erstes Pflichtspiel für die Bayern seit dem 2. September 2007 geben. Gut, wenn man alle Positionen doppelt besetzt hat.