München und Dortmund - Nach der Niederlage gegen Werder Bremen soll der Rauswurf von Peter Bosz bei Borussia Dortmund schon feststehen. Am Sonntag soll die Trennung verkündet werden.

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Peter Bosz steht bei Borussia Dortmund nach dem 1:2 gegen Werder Bremen unmittelbar vor dem Aus.

Nach Informationen der Sport Bild wurde die Trennung vom erfolglosen niederländischen Coach bei einer Krisensitzung am Samstagabend bereits beschlossen, die offizielle Bekanntgabe soll am Sonntag erfolgen.

Der Verein äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht zu der Meldung, sehr viel spricht aber für den Rauswurf.

Zuvor müssen die BVB-Aktionäre jedoch per Adhoc-Mitteilung informiert werden.

Wie SPORT1 erfuhr, wurde der Mannschaftsrat noch am Abend zur BVB-Geschäftsstelle zitiert und dort vermutlich über die Entscheidung informiert.

Auch BVB-Justiziar Dr. Robin Steden war vor Ort. Nach fast zwei Stunden verließen die Spieler kurz nach 22 Uhr das Gebäude, etwa eine Stunde später die Vereinsbosse.

Nach dem achten Bundesligaspiel ohne Sieg und dem Abrutschen auf Platz sieben wollten sich Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc  nicht äußern, nach einem Kabinenbesuch verließen sie wortlos das Stadion.

Angeblich soll Bosz dort schon über die Entscheidung informiert worden sein.

Interimscoach aus dem Verein?

Die große Frage ist, wer den BVB in den kommenden drei Spielen bis zur Winterpause gegen Mainz und Hoffenheim sowie im Pokal-Achtelfinale beim FC Bayern wieder auf Kurs bringen könnte.

Als Interimslösung aus dem Verein kämen U-23-Trainer Jan Siewert, der erst zu Saisonbeginn vom VfL Bochum kam, oder Benjamin Hoffmann in Frage, der mit der Dortmunder U19 im Sommer Deutscher Meister wurde. 

Ein weiterer Kandidat wäre der frühere Kapitän Sebastian Kehl, der allerdings keine Trainerlizenz besitzt.

Oder es findet sich doch ein Feuerwehrmann, der bereit ist, nach Ende der Spielzeit wieder für eine große Lösung a la Julian Nagelsmann zurückzutreten.

Storck bestreitet Kontakt zum BVB

Dafür werden nach der Absage von Armin Veh, der Sportchef beim 1. FC Köln wird, nun Bernd Storck und Andreas Möller gehandelt.

Der 54-jährige Storck spielte als Profi zusammen mit Zorc sechs Jahre für die Borussia und trat im Oktober nach der gescheiterten WM-Qualifikation als ungarischer Nationaltrainer zurück. 

Sein Assistent war dort das frühere BVB-Idol Andy Möller, der mit den Schwarz-Gelben zweimal die Meisterschaft, den DFB-Pokal sowie 1997 die Champions League gewann.

Allerdings sagte Storck am Abend zu SPORT1: "Da ist überhaupt nichts dran, das kann ich guten Gewissens sagen."

Bosz übernimmt die Verantwortung

Bosz hoffte trotz der Pleite noch darauf, auch am Dienstag in Mainz auf der Bank zu sitzen. "Das denke ich. Aber das ist Fußball, da weiß man nie. Sie stellen die Frage der falschen Person", sagte er nach dem Spiel.

Über die zuvor gesehene Leistung zeigte er sich geschockt. "So eine erste Halbzeit wie heute habe ich noch nicht erlebt, seit ich hier bin. Das war sehr schlecht", sagte der Niederländer bei Sky und fügte an: "Ich bin der Verantwortliche dafür." 

(Alle Highlights der Partie am Sonntag um 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1)

Auf der Pressekonferenz ergänzte der 54-Jährige: "Ich fühle mich nicht von der Mannschaft im Stich gelassen".

Dennoch übte er auch dort heftige Kritik am Auftreten seines Teams. "Wenn einer den Ball hat, stehen die anderen still. Dann kommt so eine Leistung zustande."

Auf den neuen Mann wartet eine Herkulesaufgabe, denn gegen Werder trat der BVB ohne Selbstbewusstsein auf, offenbarte bei den Gegentreffern durch Maximilian Eggestein (26.) und Gebre Selassie (65.) haarsträubende Abwehrfehler und bäumte sich nicht einmal nach dem Ausgleichstor durch Pierre-Emerick Aubameyang (57.) auf.

"Wir hätten das Ding einfach drehen können, vielleicht auch müssen. Nach dem 1:1 war das Stadion wieder da", sagte Andre Schürrle bei SPORT1.

"Dann mussten wir ein extrem bittere Pille durch ein Standardtor schlucken. Das ist in unserer Situation einfach Gift."

Schmelzer: "Eine absolute Frechheit"

Derweil ging Marcel Schmelzer mit dem Team hart ins Gericht. "Dieser Auftritt war eine absolute Frechheit, der Wahnsinn", schimpfte der Kapitän bei Sky.

"Seit Wochen sage ich, wir wollen nicht mehr nur reden, sondern endlich auch Taten folgen lassen und dann treten wir hier so auf! Wahnsinn. Ich verstehe nicht, wie solch eine Leistung in so einem Spiel passieren kann. Das war richtig kacke." 

Am Coach liegt das aber nicht, betonte neben Schürrle auch Torwart Roman Bürki bei SPORT1.

"Der Trainer kann nichts dafür, wenn wir uns aus fünf Metern an den Rücken schießen und nicht ins Tor", bezog sich der Schweizer auf eine Situation, in der Kagawa mit seinem Schuss nur den Nacken seines Mitspielers Aubameyang traf.

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