Bayern-Präsident Uli Hoeneß sieht den aktuellen Transfer-Wahnsinn in Europa kritisch. Um mitzuhalten, werde aber auch der FCB mal tiefer in die Tasche greifen.

von Florian Mesner

Beim Weihnachtstreffen mit dem Fanklub "Schießamer Red-White Dynamite" hat sich Bayerns Präsident Uli Hoeneß zum Transfer-Wahnsinn in Europa und den Möglichkeiten des Rekordmeisters geäußert.

"Wir sehen uns außerstande, einen Neymar, den ich übrigens gar nicht für so gut finde, für 220 Millionen oder einen Mbappe, den ich richtig gut finde, für 180 zu kaufen", sagte Hoeneß.

Aber: "Auf den Positionen, auf denen wir Bedarf sehen, werden wir auch mal einen größeren Transfer machen." Der 65-Jährige kündigte an, dass es auch beim FC Bayern mal "Transfers von 50, 60 oder 70 Millionen Euro geben" werde.

Grundsätzlich strebe der Verein aber eine "Mischung" aus Topstars und Spielern aus der eigenen Jugend an. Hoeneß hofft, dass die Münchner auch mit dem neuen Nachwuchsleistungszentrum Erfolg haben und so in Europa mithalten können. "Ich bin überzeugt, dass wir in drei, vier Jahren auch ein bis drei Spieler aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft integrieren können."

Hoeneß kritisiert Transfer-Irrsinn

Trotzdem würde es dem FC Bayern helfen, wenn "solchen Mega-Transfers irgendwann Einhalt geboten wird". "Das kann auf die Dauer nicht gehen. Es gibt Überlegungen in Brüssel, dass der Fußball wieder mit der gleichen Waffe spielt", kritisierte Hoeneß den aktuellen Transfer-Irrsinn in Europa.

Aktuell müsse der FC Bayern dies einfach aussitzen. Wie im Fall Italien vor einigen Jahren werde es in fünf Jahren auch mit England so sein, dass die deutschen Klubs wieder auf Augenhöhe kommen.

Zudem bestätigte der FCB-Präsident, dass er sich mit Nationalspieler Sami Khedira und dessen Berater getroffen habe. Dabei sei es um dessen Zeit nach der aktiven Fußball-Karriere gegangen.

Hoffenheims Sandro Wagner ist dagegen als Backup für Robert Lewandowski immer noch im Visier der Münchner. Ein möglicher Transfer zur Winterpause hänge aber auch vom Ausgang des DFB-Pokalspiels gegen Borussia Dortmund (Mi., 20.45 Uhr im LIVETICKER) ab.

"Noch keine Entscheidung" bei Robben und Ribery

"Ich gebe zu, dass es Überlegungen mit Sandro Wagner gibt, aber eine Entscheidung ist noch nicht getroffen", sagte Hoeneß in der Fragerunde. Sollten die Bayern "in drei Wettbewerben überwintern", wäre der "Bedarf noch größer", erklärte Hoeneß.

Aber auch die Zukunft von den Routiniers Arjen Robben (33) und Franck Ribery (34) beschäftigt die Fans des Rekordmeisters. Die Verträge der beiden Stars laufen nämlich im Sommer aus. Die große Frage lautet: Wer kriegt trotz seines Alters noch einen neuen Vertrag?

"Robben und Ribery sind zwei verdiente Spieler beim FC Bayern. Aber es gibt da noch keine Entscheidung", stellte Hoeneß klar.

Allerdings werde der FC Bayern am Ende nie einen Spieler fallen lassen, "wenn er sich schwer verletzt und dann keinen Verein kriegt." "Wir sind da ziemlich entspannt und werden im Februar, März mit den Spielern die ersten Gespräche führen", kündigte der FCB-Präsident an.

Einer wird den Verein im Sommer aber definitiv wieder verlassen: Trainer Jupp Heynckes. Trotzdem ließ Hoeneß bei der launigen Veranstaltung auch über eine Weiterbeschäftigung von Heynckes abstimmen. "Wer ist dafür, dass Jupp Heynckes noch ein Jahr beim FC Bayern bleibt?", rief er in den Saal - und erntete lauten Jubel. "Also: Ich werde dem Jupp mitteilen: Der Schießamer Fanklub hat mit 300 zu null beschlossen, dass er noch ein Jahr bleiben muss. Dann schauen wir mal, was er nach Weihnachten dazu sagt."

Heynckes sei "ein Lotto-Sechser mit Jackpot" für den FC Bayern.

Hoeneß gibt Update zu Beckenbauer

Emotional wurde Hoeneß bei der Frage nach dem Gesundheitszustand von Franz Beckenbauer. Dieser sei nach seiner schweren Herzoperation zurzeit in Reha. "Unmittelbar nach der Operation ging es ihm nicht so gut. Vor ein paar Wochen musste auch noch ein zweiter Eingriff gemacht werden. Jetzt geht es ihm besser", erzählte er.

Der FC Bayern stehe seinem ehemaligen Spieler, Trainer und Präsidenten "hundertprozentig" zur Seite, betonte Hoeneß: "Er hat schwer daran zu tragen, nicht nur an seiner Krankheit, sondern an dem ganzen Theater um seine Person."

Der 65-Jährige kritisierte den öffentlichen Umgang mit dem früheren Fußball-Helden nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten im Zuge der deutschen Bewerbung für die WM 2006. "Er hat Unglaubliches geleistet, nichts in seine Tasche gesteckt. Er ist ein Mann, der sich zwei, drei Jahre den Arsch aufgerissen hat. Jetzt muss mal Ruhe sein, es ist 15 Jahre her. Irgendwann muss man den Mann in Frieden leben lassen", sagte Hoeneß sichtlich ergriffen.