München - Der FC Bayern setzt kurz vor Weihnachten zur Attacke an. Uli Hoeneß giftet und verkündet ein Transferumdenken - passend dazu kommt Sandro Wagner.

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Uli Hoeneß trieb es Schweißperlen auf die Stirn. Sicherlich wegen der Hitze im Saal. Aber auch, weil Uli Hoeneß wieder Uli Hoeneß war.

Der Präsident des FC Bayern nutzte ein Weihnachtstreffen mit dem Fanklub "Schießamer Red-White Dynamite", um mal wieder zur Attacke zu blasen.

Hoeneß giftete gegen die Medien und ihre "Scheißfragen" und kündete ein Umdenken bei Megatransfers an.

Dazu passte die Entwicklung am Sonntag, dass der Deal mit Sandro Wagner fix ist.

Wagner kommt als Entlastung für Lewandowski

Der Stürmer der TSG Hoffenheim wechselt im Winter - die Bayern bekommen ihren Backup für Robert Lewandowski.

Nach SPORT1-Informationen ist ein Vertrag zwar noch nicht unterschrieben, der Deal wird Mitte der Woche aber ganz offiziell über die Bühne gehen. Für Montag ist der Medizincheck angesetzt.

Als Transfer-Summe ist ein Sockelbetrag von zwölf Millionen Euro für den Nationalstürmer vereinbart. Die Ablöse könnte auf maximal 15 Millionen Euro ansteigen.

Für die Bayern ist der Transfer ein Glücksfall. Insbesondere Lewandowski soll durch Wagner in der Rückrunde entlastet werden.

Hoeneß kündigt größere Transfers an

Zuvor hatte Hoeneß nach dem erfolgreichen Hinrunden-Abschluss gegen den VfB Stuttgart (1:0) deutlich signalisiert: Wir gehören nach wie vor zu Europas Elite.

Für seine kleinen Sticheleien gegen Champions-League-Sieger Real Madrid ("Wir waren in den beiden Viertelfinal-Spielen letztes Jahr besser als sie") und Scheichklub Paris Saint-Germain ("Neymar finde ich gar nicht so gut") bekam er tosenden Applaus.

Weitaus mehr ins Gewicht fiel aber seine Ankündigung, in Zukunft auch Transfers in der Größenordnung von 70 Millionen Euro tätigen zu wollen. 

Das war auch als Fingerzeig an das eigene Team zu verstehen. Lewandowski hatte dem Klub in den vergangenen Wochen mehrfach angekreidet, zu wenig Geld für Stars in die Hand zu nehmen und dadurch an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Hoeneß will seine "Familie" besänftigen. Neben der nach wie vor unantastbaren Vormachtstellung in Deutschland soll auch der Status als Anwärter auf den Champions-League-Sieg gewahrt werden.

Der Plan mit Robben und Ribery

Dabei könnten auch Franck Ribery und Arjen Robben weiter gebraucht werden.

Zwar müssen sich die beiden bei der Zukunftsfrage gedulden und dem Grundsatz des Machthabers "Der Verein steht über allem" unterordnen. 

"In der letzten Saison gab es die Entscheidung auch erst im Februar, März, April. Ich denke, dass es wieder so kommen wird. Dann wird es Gespräche geben", erklärte Hoeneß, schob aber hinterher: "Wir werden nie Spieler fallen lassen, wenn zum Beispiel jemand verletzt ist."

Attacke gegen die Medien

Nach der Veranstaltung bei den Fans stellte sich Hoeneß den Fragen der Medien. Dabei fuhr er so aus der Haut wie lange nicht mehr. Die Berichterstattung über seinen Klub war ihm zu kritisch.

Vor allem von einem körperlichen Verschleiß in den vergangenen Spielen, den selbst Thomas Müller eingeräumt hatte, wollte er nichts wissen. "Was für eine bescheuerte Frage. Wir haben in 14 Spielen 13 Mal gewonnen", polterte der Präsident.

Jetzt, wo die Bayern wieder dort stehen, wo sie dem eigenen Selbstverständnis nach hingehören, legt Hoeneß seine Zurückhaltung wieder ab.

Vielleicht steht Hoeneß aber trotzdem unter besonderer Anspannung. Schließlich steht am Mittwoch der Pokal-Kracher gegen Borussia Dortmund an.

Subtiles Werben für Heynckes

Weil Hoeneß das Wohl der Bayern so sehr am Herzen liegt, kurbelte er bei dem Weihnachtstreffen mal eben wieder eine mögliche Weiterbeschäftigung von Erfolgsoach Jupp Heynckes an.

"Wer ist dafür, dass Jupp Heynckes noch ein Jahr beim FC Bayern bleibt?", rief er in den Saal - und erntete lauten Jubel.  

"Also ich werde Jupp mitteilen, dass der Fanclub "Schießamer Red-White Dynamite" mit 300:0 Stimmen beschlossen hat, dass er bleiben soll. Mal schauen, was er dazu sagt", sagte Hoeneß mit einem Augenzwinkern. 

Die Aktion war natürlich nicht ganz ernst gemeint, klar ist aber auch: Der Rekordmeister hat noch immer keinen Nachfolger für Heynckes an der Angel. Hoeneß bezeichnete den 72-Jährigen nicht grundlos als "Lotto-Sechser mit Jackpot".

Ob er seinem Freund damit aber einen Gefallen tut, darf bezweifelt werden. Heynckes hatte zuletzt sogar schon erbost auf Hoeneß' wiederholtes Werben reagiert und eindringlich betont: "Es bleibt bei unserer Vereinbarung. Ich bleibe bis zum Saisonende."

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