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SPORT1-Experte Marcel Reif analysiert nach dem Jahrhundert-Derby die Krise beim BVB. Er nimmt auch die Führungsetage der Dortmunder in die Pflicht.

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Hallo Fußball-Freunde,

nach dem verrückten 4:4 gegen den FC Schalke 04 ist Peter Bosz bei Borussia Dortmund angezählter denn je - und es ist kein Wunder.

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Beim BVB kommt gerade viel zusammen. Es geht dabei nicht nur um den Trainer, aber auch um ihn. Das Argument, dass der Mannschaft die Qualität fehlt, will ich nicht gelten lassen. Die Mannschaft kann Fußball spielen. Das hat man gegen Schalke ja auch gesehen in der ersten Halbzeit.

Die Fragen, die sich trotzdem stellen, sind: Wo ist die Hierarchie in der Mannschaft? Wo ist die mentale Stärke im Team? Wieso ist die Mannschaft dermaßen verunsichert? Da müssen wir ganz klar über den Trainer reden.

Eine andere Sache: Das System, das Bosz spielen lassen will, und der Kader, den Michael Zorc zusammengestellt hat, passen vielleicht nicht zusammen. Bosz ist ja zuletzt flexibler geworden, aber zu spät, wie es aussieht. Jetzt sind sie schon in der Spirale drin.

Vorerst bleibt Bosz nun. Das ist so lange richtig, wie die Mannschaft noch daran glaubt, sich mit Bosz aus dieser Spirale befreien zu können.

Das dürfte langsam kritisch werden, denn von Spiel zu Spiel setzt sich bei den Dortmundern der Gedanke fest, dass sie unter diesem Trainer kein Glück haben. Wenn sich das verfestigt, wird es schwierig - und das fällt dann auch auf die BVB-Bosse zurück.

Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc haben Thomas Tuchel weggeschickt, von der Bilanz her einen der besten BVB-Trainer und Pokalsieger.

Die Gründe sind bekannt, trotzdem: Wenn du so etwas machst, machst du dich angreifbar. Und die Lösung, die du dann findest, muss eine gute sein.

Eine andere Baustelle im Team ist das Thema Pierre-Emerick Aubameyang, nicht nur wegen der Gelb-Roten Karte, die er im Derby kassiert hat.

Ich habe den Eindruck, Aubameyang weiß langsam selbst nicht mehr, was um ihn herum passiert.

Sein Verhalten außerhalb des Platzes war vergangene Woche wieder Thema, und das ist nicht zu unterschätzen: Seine Extravaganz ist so lange lustig, wie die Mannschaft Erfolg hat. Einen Spieler, der so ist, wie er ist, muss eine Mannschaft ertragen können. Das geht nur, wenn er seinen Anteil leistet, wenn er die Tore macht, die seine Extra-Touren rechtfertigen.

Wenn es schief geht, ist er ein Spaltpilz, einer, der eine Kabine kaputtmachen kann.

Dass Roman Weidenfeller ihn jetzt öffentlich kritisiert, ist ein schlechtes Vorzeichen. Wenn man bisher etwas Positives an dem Negativlauf der Dortmunder sehen wollte, dann war es, dass sie füreinander eingestanden sind.

Wenn das nun auch kippt, wird es problematisch.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit dieser Saison begleitet Marcel Reif als Experte den Check24 Doppelpass auf SPORT1.