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München - Obwohl es seit der Rückkehr von Jupp Heynckes läuft, übt Robert Lewandowski erneut Kritik an der Transferpolitik des FC Bayern. SPORT1 erklärt, warum das so ist.

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Eigentlich schien beim FC Bayern wieder die perfekte Harmonie zu herrschen.

Mit Trainer Jupp Heynckes ist der Erfolg zurückgekehrt, der Sieg im Spitzenspiel in Dortmund war das i-Tüpfelchen auf die vergangenen erfolgreichen Wochen.

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Und kurzfristige Verletzungssorgen um Stürmer Robert Lewandowski verflogen schnell. Auch beim Erfolg gegen den BVB traf er.

Doch ausgerechnet Lewandowski stört nun diese Harmonie.

Der Pole hat den Beginn der Länderspielpause genutzt, um seiner viel diskutierten Generalkritik an der Transferphilosophie des Klubs vor zwei Monaten Nachdruck zu verleihen und gezielte Verstärkungen von seinem Arbeitgeber zu fordern.

"Die Spieler werden älter. Wir sollten uns nichts vormachen, jeder Klub braucht alle zwei, drei Jahre Top-Spieler, um das Team zu erneuern. Um neues Blut, neue Qualität reinzubringen", sagte Lewandowski im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Traum von der Champions League

Was treibt Lewandowski dazu, sich inmitten einer Phase der Erfolgs erneut öffentlich in die Transferpolitik einzumischen?

Dem Torgaranten reicht die erfolgreiche Gegenwart nicht aus. Er sorgt sich um Bayerns internationale Wettbewerbsfähigkeit - und sein großes persönliches Ziel: die Champions League.

Abschied von Ribery und Robben rückt näher

Nach den Rücktritten von Phillip Lahm und Xabi Alonso steht den Bayern ein richtig großer Umbruch erst noch bevor.

Franck Ribery ist 34 Jahre alt, sein Abschied von den Münchnern im Sommer wird immer wahrscheinlicher. Arjen Robben ist 33, auch seine Zeit bei den Bayern ist trotz der starken Leistung in Dortmund endlich.

Lewandowski fordert Kreativität

Und Lewandowski weiß: Vor allem in der Offensive braucht er Weltklasse-Partner um sich gegen die ganz Großen des europäischen Fußballs durchsetzen zu können.

Mit der Philosophie von Präsident Uli Hoeneß, für den 100-Millionen-Transfers eine rote Linie bedeuten, seien solche Weltklasse-Spieler aber nicht zu bekommen.

Deshalb hat er seine Bosse erneut darauf aufmerksam gemacht, aufzurüsten. Kreativer zu sein. Oder anders gesagt: den "Wahnsinn", wie Hoeneß ihn nennen würde, bis zu einem gewissen Grad mitzumachen. 

Man müsse sich vor Augen führen, "wie viel manche Klubs für Spieler zahlen", sagte Lewandowski nun und richtete sich direkt an den Vorstand: "Wenn der FC Bayern um die besten Spieler kämpfen will, muss er kreativer sein und sich etwas ausdenken."

Erinnerungen an September-Aussagen

Inhaltlich knüpft Lewandowski damit nahtlos an die Aussagen im Spiegel im September an. Damals monierte er am Rande des Länderspiels gegen Kasachstan, dass sein Klub bisher nie mehr als 40 Millionen Euro für einen Spieler ausgegeben habe.

Diese Summe sei "im internationalen Fußball heutzutage eher Durchschnitt als Spitzenwert", meinte Lewandowski. Es war die erste indirekte Aufforderung, Transfers in der Größenordnung zu tätigen, von denen sich der Klub stets distanziert hat. Sprich: für 80, 90 oder eben 100 Millionen.

Die Verantwortlichen des Rekordmeisters reagierten damals auf das nicht autorisierte Interview sehr unterschiedlich. Präsident Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic spielten die Worte des Angreifers herunter, während Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ihn öffentlich zurechtwies und ihm "Stress" drohte, sollte er seine Kritik erneuern.

Inhaltlich widersprachen ihm die Bosse aber, weshalb Lewandowski weiterhin Zweifel hegt, ob der FC Bayern auf der richtigen Spur in eine erfolgreiche Zukunft ist.

Zweifel, denen er nun Ausdruck verlieh.