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München - Jupp Heynckes hat mit Arbeit und Empathie für einen Stimmungswandel beim FC Bayern gesorgt. SPORT1 nennt die Spieler, die bisher besonders profitiert haben.

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Die Stimmung beim öffentlichen Training am Sonntag war bestens beim FC Bayern, und das lag nicht nur am herrlichen Altweibersommerwetter in München. 

Die rund 1500 Fans an der Säbener Straße feierten Rückkehrer Jupp Heynckes, dem mit dem 5:0 gegen den SC Freiburg ein Einstand nach Maß gelungen ist.

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Nicht mal eine Woche hat der neue Chefcoach gebraucht, um in München für einen Stimmungsumschwung um 180 Grad zu sorgen.

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Erfolgsrezept: Harte Arbeit und viele Gespräche

Doch dahinter steckt selbst in der kurzen Zeit harte Arbeit. Auch am Sonntag trainierte das Team wie in der gesamten Vorwoche rund 90 Minuten und ging dabei hoch konzentriert ans Werk.

"Seine Arbeit in der ersten Woche war sehr, sehr gut", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu SPORT1, der auch Heynckes' Leistung außerhalb des Platzes lobte: "Er hat sehr viele Gespräche geführt und eine sehr gute Atmosphäre reingebracht."

Für seinen ehemaligen Kapitän Simon Rolfes ist das keine Überraschung. "Er ist ein fantastischer Trainer", sagte der Ex-Leverkusener im Check24 Doppelpass. "Er ist nicht nur ein Taktikexperte. Er schafft sofort eine gute Hierarchie in die Mannschaft. Er sagt gleich, wer die Chefs sind und trotzdem nimmt er alle anderen mit."

Heynckes hat es fürs Erste geschafft, seine nach den jüngsten Rückschlägen verunsicherten Spieler wieder stark zu reden. "Die Spieler waren wieder motiviert und bereit, die Dinge aufzunehmen. Ich glaube auch, dass die Änderungen in Sachen Disziplin gegriffen haben", meinte der 72-Jährige.

Mit Blick auf das wichtige Champions-League-Heimspiel am Mittwoch gegen Celtic Glasgow (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) sah Heynckes allerdings auch noch einiges an Verbesserungsbedarf: "Es ist ein positiver Anfang nach den letzten Wochen. Aber es liegt noch einiges an Arbeit vor uns."

Seine ersten Maßnahmen haben allerdings gegriffen:

- Alle Freiheiten für Müller und Thiago

"Mir war es sehr wichtig, dass die Spieler die Köpfe wieder frei bekommen. Das war heute sicher auch die Konsequenz daraus, darum war die Mannschaft heute sehr spielfreudig", analysierte Heynckes nach der Partie gegen Freiburg.

Das galt vor allem für seine beiden offensiven Schlüsselspieler Thomas Müller und Thiago. Statt um den selben Platz hinter den Spitzen zu rangeln oder sich auf den Füßen zu stehen, ergänzten sich beide hervorragend.

Kapitän Müller, weil er durch Heynckes' Rückendeckung wieder frei aufspielen kann und ihm im Gegensatz zu Guardiola und Ancelotti auch wieder Fehler erlaubt sind. Thiago, weil er mit dem Spiel vor sich und Javi Martinez im Rücken seine Stärken offenbar am Besten zeigen kann.

"Wir spielen wieder wie ein Team", erklärte der Spanier die Erfolgsformel. "Das ist Heynckes' Verdienst. Er zeigt der Mannschaft, wie einfach Fußball sein kann."

Zudem sei das Team hochmotiviert gewesen, ergänzte Müller. "Wir wollten allen zeigen, dass wir es besser können als die Wochen zuvor. Unser Plan ist aufgegangen. Aber jetzt müssen wir eine Serie hinlegen."

Der Kapitän nahm sich auch selber in die Pflicht: "Wenn der Trainer auf einen setzt, muss man immer mit seiner Leistung ein Ausrufezeichen dahinter setzen."

Ohnehin könne der Sieg gegen Freiburg nur ein erster Schritt sein. "Ein Trainerwechsel entfacht immer irgendwo neue Energie. Aber wir haben den Fußball unter der Woche nicht neu erfunden."

- Defensives Bollwerk dank Martinez, Hummels und Boateng

Heynckes sprach seinen defensiven Schlüsselspielern das zuletzt fehlende Vertrauen aus. Die Weltmeister-Innenverteidigung mit Jerome Boateng und Mats Hummels ist vorerst gesetzt und soll so zu alter Stärke zurückfinden.

Und Martinez zeigte mit einer überragenden Vorstellung, dass die Position im defensiven Mittelfeld für ihn maßgeschneidert ist. "Gegen Freiburg standen die Bayern mit Javi Martinez auf der Sechs viel besser und sicherer", analysierte SPORT1-Experte Thomas Strunz. "Ich glaube, dass er ein ganz, ganz wichtiger  Spieler für Jupp Heynckes ist. Er gibt dem Gesamtkonstrukt einfach Stabilität. Er war auch ein Hauptgrund für die Erfolge in der Triple-Saison 2013."

Allerdings wurde das Abwehrbollwerk direkt wieder gesprengt. Martinez fällt aufgrund einer nicht näher definierten Schulterverletzung vorerst aus, eine genaue Diagnose und die Dauer der Zwangspause wollte der Verein auf Nachfrage nicht nennen.

Zudem zeigte die Münchner Defensive erneut ungewohnte Patzer, die den Freiburgern in der ersten Halbzeit zwei Riesenchancen ermöglichten.

"Wir haben in der Vorwärtsbewegung zwei Torchancen zugelassen, so etwas darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren. Normalerweise kassiert man da ein Tor", kritisierte Heynckes.

Gleichwohl sieht Hummels das Team auf dem richtigen Weg. "Man kann maximal einen, im größten Fall zwei Spieler tolerieren, die nicht so mitarbeiten in der Defensive. Sonst ist man keine richtig gute Mannschaft. Das hat der Trainer auch begriffen und allen sehr klar gemacht", sagte er. "Im Training war viel Zug drin. Das braucht eine Mannschaft, das tut uns gut."

- Rückendeckung für Wackelkandidat Ulreich

In Manuel Neuer fällt einer der wichtigsten Bayern-Akteure bis zur Rückrunde aus. Dass Sven Ulreich den Welttorhüter nicht 1:1 ersetzen kann, hat dieser selber eingeräumt.

Umso wichtiger für den Ex-Stuttgarter, dass Heynckes ihm direkt nach seiner Amtsübernahme die Rückendeckung gab anstatt wie viele andere neue Trainer auf einen Torwartwechsel zu setzen.

Gegen Freiburg zahlte Ulreich das Vertrauen zurück, als er mit einem Reflex die Gästeführung durch Ryan Kent verhinderte.

"Wenn man in der Vorwärtsbewegung Fehler macht, ist das sehr oft fatal. Da hat uns Sven Ulreich gerettet und hat klasse pariert", lobte Heynckes.