SPORT1-Experte Armin Veh spricht vor dem Saisonstart der Bundesliga über den FC Bayern und die Jäger © Grafik SPORT1 Philipp Heinemann

München - Vor dem Saisonstart spricht SPORT1-Experte Armin Veh über die Probleme beim FC Bayern, die Verfolger, mögliche Absteiger und erklärt, warum die Bundesliga international Probleme haben wird.

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Das Warten ist fast vorbei. Mit dem Eröffnungsspiel zwischen Bayern München und Bayer Leverkusen startet am Freitagabend (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) die Bundesliga in die neue Saison.

SPORT1-Experte Armin Veh spricht vor dem Auftakt im SPORT1-Interview über die Probleme der Bayern, die größten Verfolger und welche Probleme er im internationalen Vergleich sieht. 

SPORT1: Bayern hat eine schlechte Vorbereitung gespielt, gewann aber den Supercup und die erste Pokalrunde. Wie sehen Sie den Meister?

Veh: Ich glaube, dass sie Probleme bekommen könnten in dieser Saison, wenn Robben und Ribery nicht topfit sind, ansonsten hat Coman noch Tempo. Ich sehe den Umbruch, den Ancelotti bewerkstelligen muss, mit kleinen Problemen behaftet. Anfang der vergangenen Saison war noch vieles von Guardiolas Spielsystem drin. Das hat sich verflüchtigt. Jetzt muss Ancelotti seinen eigenen Stil mit der neuen Mannschaft finden. Es wird interessant sein zu sehen, wie er die Bayern aufstellt.

SPORT1: Bleiben die Münchner trotzdem Favorit auf die Meisterschaft?

Veh: Ja, ich hoffe allerdings, dass Borussia Dortmund näher heranrückt und erster Konkurrent der Bayern ist. Die Möglichkeit ist wegen des Umbruchs da. Es bleibt hoffentlich so spannend, dass auch mal jemand anderes Meister werden kann. Das wünsche ich mir als Fußballfan. Ich weiß nicht, ob RB Leipzig die Bayern schon angreifen kann. Trotz Dreifachbelastung sehe ich sie aber in den Top 5.

SPORT1: Was halten Sie von Hasan Salihamidzic als Sportdirektor?

Veh: Für ihn spricht, dass er Bayern genau kennt, immer noch die Sprache der Spieler spricht. Er wird da einen Draht bekommen. Wenn die Bayern so etwas wollten, dann ist das absolut okay.

SPORT1-Redakteur Martin Volkmar (r) traf Armin Veh in München zum Interview ©

SPORT1: Auch beim BVB gibt es eine neue Personalie. Kennen sie den neuen Trainer Peter Bosz?

Veh: Ich kenne ihn nicht, aber wie ich sehe und höre, kommt er gut an bei den Spielern. Die Qualität beim BVB ist da, sie haben viele junge Spieler, die auch noch besser werden können mit mehr Erfahrung.

SPORT1: Hoffenheim und Köln spielen international. Umgekehrt können sich Schalke, Gladbach, Wolfsburg und Leverkusen die ganze Woche ausruhen. Glauben Sie diese Klubs werden wieder zurück nach oben kommen?

Veh: Die letzten Jahre konnte man sagen, dass die ersten Sechs aufgrund des Budgets festzementiert waren. Das sehe ich in diesem Jahr nicht. Es ist für mich nicht klar, wer oben mitspielt. Die Klubs, die normalerweise international dabei waren, die deswegen ab und zu mal ein Ligaspiel abgegeben haben, das sie im Normalbetrieb nicht verloren hätten, haben jetzt einen Vorteil. Dennoch glaube ich, dass die Hoffenheimer und Leipziger trotz der Dreifachbelastung wieder eine Chance haben, oben reinzukommen. Leverkusen schätze ich normalerweise als gute Mannschaft ein, sie haben die Möglichkeit, einen Champions-League-Platz zu erreichen. Aber ein Selbstläufer ist es nicht.

SPORT1: Geht Schalke 04 mit Domenico Tedesco als Bundesliga-Neuling ein Risiko ein?

Veh: Es kann auch ein Vorteil sein, wenn du keine schlechten Erfahrungen gemacht hast. Wichtig ist, dass du deinen Beruf kannst, dass du eine Leidenschaft entwickelst. Es wird immer wieder junge Trainer geben, die ein besonderes Talent für den Beruf haben. Heutzutage sind sie viel besser vorbereitet. Viele werden früh als Trainer ausgebildet.

SPORT1: Sehen Sie die Gefahr, dass sich die deutschen Mannschaften international schwer tun werden?

Veh: Absolut. Bayern und Dortmund sind die deutschen Top-Teams, aber dahinter haben wir diese Stärke nicht. Insgesamt wird die Liga mit Sicherheit im europaweiten Ranking einen Platz verlieren. England ist in der Breite, aber vor allem in der Spitze besser aufgestellt. Dort gibt es sechs Mannschaften, die bei uns um die Deutsche Meisterschaft spielen könnten. In Spanien hast du zwei Mannschaften. Die Italienische Liga wird durch die Investoren auch wieder stärker werden. Ob es der AC Mailand, Inter Mailand oder Juventus Turin ist.

SPORT1: Fehlt das Geld oder das gewisse Sieger-Gen? Gerade in der UEFA Europa League sind auch Teams ohne großes Budget erfolgreich.

Veh: Das wundert mich auch. Einfach zu sagen, die haben viel mehr Budget, deshalb gewinnen die das, kann man so nicht stehen lassen. Manchester hat die Europa League zwar mit dem Budget gewonnen. Der FC Sevilla war aber vier Mal erfolgreich und die haben kein größeres Budget als Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg. Wo soll man diese Vergleiche denn ziehen, wenn nicht international? Dort spielen die besten Mannschaften gegeneinander. Und wenn du in der Europa League nie etwas erreichst, dann hat das auch mit der gewissen Klasse zu tun.

SPORT1: Frankfurt, Wolfsburg und der Hamburger SV durchlebten eine durchwachsene Vorbereitung und teilweise schlechte Auftritte im DFB-Pokal. Stuttgart und Hannover waren zwar etablierte Bundesligisten, sind jetzt aber Neulinge. Sind das die fünf Abstiegskandidaten?

Veh: Bei den Aufsteigern ist Euphorie da. Da kann man auch mal die Überraschung schaffen. Wir haben das damals auch mit Frankfurt geschafft. Das kann man nutzen, wenn man dazu ein bisschen Spielglück hat. Es kann sein, dass es eine Überraschung gibt mit den Aufsteigern, die keine eigentlichen Aufsteiger sind, sondern eine Tradition haben.

SPORT1: Gibt es einen Ihrer Ex-Vereine, dem Sie besonders die Daumen drücken?

Veh: Der VfB ist natürlich der Verein, mit dem ich durch die Deutsche Meisterschaft eine ganz enge Beziehung habe. Und Augsburg ist mein Heimatverein. Das sind die, auf die ich am meisten achte. Beim VfB würde ich mir eine positive Überraschung wünschen. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre natürlich ein Erfolg. Ich finde den Zusammenhalt toll. In UEFA-Cup-Zeiten waren gegen Genua früher 15.000 Menschen im Stadion. Zuletzt hatten sie in der Zweiten Liga einen Zuschauerschnitt von 50.000, das finde ich gut. Wenn es einem schlecht geht, dann ist man da.

SPORT1: München im Umbruch, die Bundesliga hat einige Traditionsvereine zurück. Freuen Sie sich auf die neue Saison?

Veh: Ich freue mich total auf die neue Saison, weil ich überzeugt bin, dass es einige Überraschungen gibt. Auch wenn man vielleicht in der Spitze nicht die Klasse hat, um mit Spanien oder England mithalten zu können. Innerhalb der Liga kann es eine richtig geile Saison werden.