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München - Peter Bosz wird nach einem Streit mit Ajax Amsterdam als Trainer beim BVB unterschreiben. Er steht für einen offensiven Jugendstil - aber auch ein wenig Skepsis begleitet ihn.

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Borussia Dortmund hat seinen neuen Cheftrainer gefunden: Wie der BVB offiziell verkündete, wird Peter Bosz Nachfolger von Thomas Tuchel.

Der 53 Jahre alte Niederländer erhält als Nachfolger des entlassenen Thomas Tuchel einen Zweijahresvertrag. Ajax-Co-Trainer Hendrie Krüzen begleitet seinen Chef ins Ruhrgebiet. Das Duo betreute den niederländischen Rekordmeister eine Saison lang und führte ihn ins Europa-League-Finale.

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Die 1a-Lösung von BVB-Geschäftführer Hans-Joachim Watzke und Sportchef Michael Zorc, die wahrscheinlich eine Ablöse von fünf Millionen Euro an Ajax überweisen müssen, ist Bosz allerdings nicht. Topfavorit schien lange Zeit Lucien Favre, doch die Absage durch dessen Klub OGC Nizza zwang die BVB-Verantwortlichen zum Umdenken.

Wer ist dieser Bosz überhaupt? Für welchen Fußball steht er - und passt er ins Umfeld der Schwarz-Gelben?

Skepsis bei BVB-Fans

In den Dortmunder Internet-Foren herrscht mehr Skepsis als Vorfreude - und das liegt nicht daran, dass der Coach unlängst verriet, dass seine Großmutter Schalke-Fan war.

Stellvertretend für viele schwarz-gelbe Anhänger schrieb ein User: "Ich weiß nicht. Wer als Trainer im Alter von 53 Jahren bisher noch nicht positiv in Erscheinung getreten ist und nur die abgelaufene Saison vorweisen kann, sollte eigentlich nicht den Ansprüchen von Borussia Dortmund genügen."

Es gibt aber auch positive Reaktionen: "Mit Bosz könnte ich gut leben", meinte ein anderer Fan. Und: "Er lässt den Fußball spielen, den die BVB-Fans gerne sehen. Mit Ajax hat er gezeigt, dass er Ahnung von Taktik und Spielweise hat."

Genau das dürfte auch der Punkt gewesen sein, der die BVB-Verantwortlichen überzeugte: Mit einem blutjungen Team schaffte Bosz Platz zwei in der Liga und das Finale in der UEFA Europa League gegen Manchester United - auch wenn Ajax am Ende 0:2 verlor.

Bosz: Als Profi keine große Nummer

Die ganz große Nummer war Bosz als Profi nicht. Zu seiner aktiven Zeit spielte er für Klubs wie Vitesse Arnheim, RKC Waalwijk, Feyenoord Rotterdam oder den japanischen Erstligisten JEF United.

In Deutschland schnürte er 1998 für Hansa Rostock die Fußballschuhe (14 Spiele). Bosz spielte außerdem von 1991 bis 1995 acht Mal für die niederländische Nationalmanschaft und nahm mit ihr an der EM 1992 teil. Mit Feyenoord wurde er einmal Meister und drei Mal Pokalsieger.

2000 startete Bosz dann seine Trainerkarriere bei seinem Jugendverein AGOW Apeldoorn. Danach arbeitete er bei kleineren Vereinen wie De Graafschap, Heracles Almelo oder Maccabi Tel Aviv.

Offensiver und attraktiver Fußball

Ein Punkt, der Watzke und Zorc vor allem überzeugt haben dürfte, ist Bosz' Jugendförderung. Das Durchschnittsalter des Amsterdamer Kaders lag bei 22,7 Jahren - damit war Ajax noch um einiges jünger als die Dortmunder Mannschaft (25,54).

Seine Trainer-Vorbilder sind Pep Guardiola und die 2016 verstorbene Fußball-Legende Johan Cruyff. Dessen Sohn Jordi holte den Coach als Manager nach Tel Aviv und sagt über Bosz: "Peter liebt die Fußball-Philosophie meines Vaters: sehr offensiv, sehr dynamisch. Ein großartiger Typ, sehr beliebt bei den Spielern. Als Trainer ist er definitiv bereit für den nächsten Schritt."

Und wie sieht Bosz sich selbst? Auf dem Platz war er ein "Zerstörer", wie er einmal sagte. Als Trainer würde ihm das aber "keinen Spaß" machen. Er wolle viel lieber als Trainer auf der Bank "einen lustigen Nachmittag erleben" und dies gelinge "nicht mit negativem Fußball".

Sollte ihm das auch in Dortmund gelingen, wären die Vorlieben seiner Verwandtschaft endgültig kein Thema mehr.