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München - Nach dem Rauswurf von Tuchel sind die BVB-Verantwortlichen im Zugzwang. Immerhin: Die größte Baustelle könnte bald geschlossen werden - ein neuer Coach ist im Anmarsch.

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Die Unstimmigkeiten der Führungsetage mit Thomas Tuchel zogen sich bei Borussia Dortmund eigentlich durch die gesamte Saison - bis zum offiziellen Rauswurf des Trainers am vergangenen Dienstag.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte für den Fall einer Niederlage im DFB-Pokal-Finale gegen Eintracht Frankfurt sogar seinen Rücktritt erwogen. Hintergrund sei der Streit mit dem Ex-Coach in der Aufarbeitung des Anschlags auf die BVB-Mannschaft am 11. April.

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Tuchel hatte erklärt, sich am Tag nach dem Attentat zum Spielen gegen den AS Monaco in der Champions League gedrängt gefühlt zu haben. Laut Spiegel bezichtigt der Vereinsboss Tuchel der Lüge.

Bis zu jenen Tuchel-Aussagen sei Watzke trotz aller bestehenden Probleme entschlossen gewesen, Tuchels Vertrag zu verlängern.

Für die Zeit nach Tuchel stehen beim BVB zahlreiche Aufgaben an. SPORT1 nennt die größten Baustellen.

1. Trainersuche

Die Verantwortlichen um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc müssen möglichst schnell einen Tuchel-Nachfolger präsentieren.

Dabei ist der Druck auf die Bosse groß. Kommen sie auch mit dem nächsten Coach nicht klar, könnte der Eindruck entstehen, das Problem liege möglicherweise auf ihrer Seite des Tisches.

Als Favorit auf die Nachfolge gilt nun Peter Bosz, der Ajax Amsterdam ins Europa-League-Finale geführt hatte. Laut Bild haben Watzke und Zorc bereits Kontakt zum niederländischen Coach aufgenommen, die Welt schreibt sogar schon von einer bevorstehenden Einigung.

Zuvor war vor allem Lucien Favre gehandelt worden - ehe sein Berater klarstellte: Der Schweizer wird bei OGC Nizza in Frankreich bleiben, der Klub lässt ihn nicht gehen.

Favre wäre als Lösung auch nicht unbedingt logisch gewesen: Er galt in Gladbach und bei der Hertha genau wie Tuchel als komplizierter Charakterkopf.

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Wie auch Favre steht allerdings auch Bosz bei seinem Klub noch unter Vertrag (bis 2019). Bosz, der in der Endphase seiner aktiven Laufbahn 1998 kurz bei Hansa Rostock unter Vertrag gestanden hatte, spricht fließend Deutsch und steht für eine offensive und aggressive Spielweise.

"Wichtig ist uns grundsätzlich immer, dass sich der Trainer komplett auf den BVB einlässt und mit uns gleichgerichtet die Strategie entwickelt. Wichtig ist uns auch, dass wir mit einer Sprache sprechen", hatte BVB-Sportdirektor Michael Zorc zuletzt dem kicker gesagt.

Laut der französichen L'Equipe soll auch Giovanni van Bronckhorst ein Trainerkandidat in Dortmund sein. Der frühere Nationalspieler gewann zuletzt mit Feyenoord Rotterdam in seinem zweiten Jahr als Profi-Trainer die Meisterschaft in den Niederlanden.

2. Personeller Umbruch

Im BVB-Kader steht im Sommer ein Umbruch an. Mal wieder. Top-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang wird den Verein höchstwahrscheinlich verlassen.

Das spült mindestens 70 Millionen Euro in die Kasse - trotzdem muss ein hochkarätiger Nachfolger für den Bundesliga-Torschützenkönig her. Und Klasse-Stürmer von internationalem Format sind günstig nicht zu haben.

Zudem müssen die vielversprechenden Talente, die der BVB bereits im Kader hat, weiterentwickelt werden. Besonders vom schwedischen Sturm-Juwel Alexander Isak verspricht sich die sportliche Führung viel. Doch unter Tuchel stand der 17-Jährige in der Bundesliga kein einziges Mal auf dem Platz.

Youngster Ousmane Dembele spielte dagegen eine hervorragende Saison. Jetzt sollen auch Spieler wie Emre Mor, Mikel Merino und Felix Passlack den Durchbruch schaffen. Dazu braucht es aber einen Trainer, der den Jungen Vertrauen schenkt. Und eventuell ein Machtwort der Bosse.

3. Riss in der Mannschaft

In Sachen Tuchel war die Dortmunder Mannschaft gespalten. Kapitän Marcel Schmelzer griff den Trainer nach dem Pokalfinale öffentlich an, weil dieser seinen Kumpel Nuri Sahin aus dem Kader gestrichen hatte. Auch andere "alte Hasen" wie der von Tuchel zum Ersatztorwart degradierte Roman Weidenfeller oder Marco Reus galten nicht gerade als Tuchel-Fans.

Superstar Aubameyang verhielt sich dagegen immer loyal - selbst als Tuchel ihn wegen einer Italien-Reise aus dem Kader verbannte. Talent Dembele hatte Tuchel seinen steilen Aufsteig zu verdanken und Matthias Ginter lobte ihn noch kurz vor dem Rauswurf als genialen Taktiker.

In der Nach-Tuchel-Ära muss die Klubfühung es schaffen, die unterschiedlichen Lager wieder zu einen. In seinen erfolgreichsten Zeiten glänzte der BVB immer auch dank mannschaftlicher Geschlossenheit.

4. Fans und Öffentlichkeit

Die Fans der Schwarz-Gelben stehen in der Tuchel-Frage nicht geschlossen hinter der Vereinsführung. In den sozialen Medien hagelte es viel Kritik am Umgang mit Tuchel.

In einer Umfrage auf SPORT1.de positionierten sich die User klar hinter Tuchel: "Aufgrund seines Erfolges hätte Tuchel bleiben müssen", sagten 64 Prozent der rund 60.000 Teilnehmer an der Umfrage. Nur 36 Prozent meinten dagegen: "Eine weitere Zusammenarbeit wäre undenkbar gewesen."

Einige Fan-Gruppierungen werfen zudem vor allem Watzke eine zunehmende Kommerzialisierung ihres Klubs vor. Gerade der Geschäftsführer muss nun dafür sorgen, dass der Slogan "Echte Liebe" nicht zum reinen Werbeclaim verkommt.

In der Öffentlichkeit und in Richtung Fans muss der BVB künftig wieder geschlossener auftreten.