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Bei der Mitgliederversammlung holt Schalkes Boss zum Rundumschlag aus. Manager Heidel nimmt sich Ex-Trainer Neururer zur Brust. Ein Rückkehrer erntet Applaus.

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Applaus für den neuen Trainer Domenico Tedesco, kaum Kritik an Sportvorstand Christian Heidel: Auf den ersten Blick mutete die Mitgliederversammlung beim FC Schalke 04 erstaunlich geräuscharm an. 

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Doch dann kam Clemens Tönnies - und wischte in wenigen Sätzen die vermeintliche Harmonie vom Tisch.

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Nach einem enttäuschenden zehnten Platz in der Bundesliga, dem Verpassens des Europapokals und der Entlassung von Wunschtrainer Markus Weinzierl nach nur einem Jahr holte der Klubboss zum Rundumschlag aus.

"Ich wünsche mir einfach mehr offenes Profil und nicht Hinterhältigkeit", übte Tönnies harsche Kritik an den eigenen Leuten. "Der Aufsichtsrat ist tief gespalten. Wir müssen uns mal überlegen, wie unser Außenbild aussieht."

Heidel: Sind nur noch Mittelmaß 

Niemand solle Differenzen in der Öffentlichkeit austragen, sondern erst einmal intern diskutieren. "Ohne ein faires Miteinander in den Gremien werden wir keinen Erfolg haben. Damit müssen wir aufhören", polterte der 63-Jährige weiter. "Wer das Wohl des Vereins im Blick hat, arbeitet konstruktiv mit."

Die Gräben beim traditionell aufgeregten Revierklub sind tief, der zwischenmenschliche Umgang ist offenbar höchst fragwürdig.

Die schlechteste Saison seit 17 Jahren hat bei den Königsblauen deutliche Spuren hinterlassen. Auch bei Heidel, der statt der erwarteten Pfiffe Beifall von den rund 7500 Mitgliedern in der Arena erhielt: "Wir sind alle sehr enttäuscht." In allen Bereichen sei Schalke nur "Mittelmaß" gewesen.

Kritik übte der Manager dabei an Weinzierl, unter dem es keine „positive Entwicklung" gegeben habe - während Tedesco, der bislang lediglich über elf Wochen Profi-Erfahrung beim Zweitligisten Erzgebirge Aue verfügt, ein Sonderlob erhielt.

Kopfwäsche für Neururer

Zur Brust nahm sich der langjährige Mainzer Manager deshalb auch Peter Neururer nach dessen Kritik auf SPORT1 an der Schalker Klubpolitik.

Der frühere Schalke-Coach und SPORT1-Experte hatte Tedesco vorgeworfen, viel zu unerfahren zu sein für den Job auf Schalke.

"Lieber Peter Neururer, ein Arbeitsnachweis ist heute nicht mehr, dass man 20 Vereine trainiert hat und sechsmal beurlaubt wurde", konterte Heidel - und bemühte sich um Aufbruchsstimmung: "Misserfolge sind das Doping für künftige Erfolge. Wir werden voll gedopt in die neue Saison gehen."

Die nächsten Hiobsbotschaften sind allerdings schon greifbar: Mit Max Meyer hat bereits ein Leistungsträger seinen Abgang angekündigt, in Leon Goretzka droht ein weiterer Leistungsträger den Klub zu verlassen.  

Applaus für Rückkehrer Embolo

Selbst wenn Heidel erklärte, dass der vom FC Bayern umworbene Goretzka in der kommenden Saison für die Königsblauen spielen werde.

Die Rückkehr in den Europacup will Schalke auch mit dem lange verletzten Rekordeinkauf Breel Embolo schaffen, der ebenso stehende Ovationen erhielt wie Tedesco.

"Es geht darum, einen Plan zu haben und ihn Spiel für Spiel zu optimieren", meinte der 31-Jährige und versprach "harte Arbeit" und "Emotionen".

"Die Leidenszeit ist langsam vorbei", sagte Embolo, der seit Oktober wegen einer schweren Sprunggelenkverletzung gefehlt hatte, "ich freue mich, am 1. Juli wieder mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen."

Rekordumsatz trotz sportlicher Krise

Anders als im Vorjahr gab Schalke diesmal keine Neuzugänge bekannt. 

"Wir werden noch ein paar Korrekturen an der Mannschaft vornehmen", kündigte Heidel an. Im Gespräch sind unter anderem der französische U20-Nationalspieler Amine Harit (FC Nantes) und der spanische Abwehrspieler Pablo Insua (Deportivo La Coruna).

Wirtschaftliche Auswirkungen hatte der sportliche Absturz noch nicht. Finanzvorstand Peter Peters verwies auf einen erneuten Rekordumsatz von 265,1 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016. In den vergangenen acht Jahren seien 160 Millionen Euro Verbindlichkeiten an die Banken zurückgezahlt worden.

Zwei millionenschwere Deals präsentierte Marketingvorstand Alexander Jobst: Der englische Bekleidungs- und Sportartikelhersteller Umbro wird ab 2018 neuer Ausrüster für fünf Jahre und soll angeblich pro Saison rund sechs Millionen Euro zahlen.

Bierbrauer Veltins verlängerte vorzeitig seinen Vertrag als Namensgeber der Arena bis 2027. Das Volumen dürfte bei rund 65 Millionen Euro liegen.