© SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images/iStock
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München - Nach der überraschenden Vertragsverlängerung von Trainer Julian Nagelsmann spricht Hoffenheims Manager Alexander Rosen bei SPORT1 über den Coup und die Zukunft.

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Die Meldung überraschte Jeden.

Die TSG 1899 Hoffenheim verkündete am vergangenen Freitag die vorzeitige Verlängerung der Verträge mit Cheftrainer Julian Nagelsmann bis 2021 und Sportchef Alexander Rosen bis 2020.

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Offenbar mussten die Verantwortlichen gar nicht viel Überzeugungsarbeit leisten, damit das Erfolgsduo im sportlichen Bereich seine Unterschriften unter die neuen Arbeitspapiere setzte.

"Da gab es nicht viel zu überzeugen. Julian weiß, was er an der TSG hat und welches Umfeld er hier vorfindet", sagte Rosen zu SPORT1.

"Und mir geht es nicht anders. Wir gehen schon seit langer Zeit einen gemeinsamen Weg und haben große Lust auf die spannenden Aufgaben, die vor uns liegen und die wir voller Ehrgeiz angehen." Beide würden "vor großen Herausforderungen" stehen, betonte der Manager.

Ungemach droht

Mit der Verlängerung der beiden Verträge hat man die zwei Königs-Personalien in trockenen Tüchern, dennoch gibt es die eine oder andere Baustelle im Klub. Der TSG droht nämlich Ungemach wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Financial Fairplay (FFP).

Nach einem Bericht von n-tv hat Klub-Mäzen Dietmar Hopp in den vergangenen Jahren möglicherweise zu viel Geld in den Verein gepumpt. Dabei könnte gegen Statuten der UEFA verstoßen worden sein.

Der Sender bezieht sich auf die Geschäftsabschlüsse der TSG von 2012 bis 2015. Demnach hat Hopp als stiller Gesellschafter 56,12 Millionen Euro in den Verein investiert. Nach Einschätzung von Experten liegt diese Summe jenseits des Toleranzbereichs der UEFA.

Hoffenheim selbst sieht den Vorwürfen gelassen entgegen. Finanzgeschäftsführer Frank Briel erklärte bei n-tv: "Selbstverständlich kennen wir die Bestimmungen des FFP der UEFA und erfüllen sämtliche Anforderungen."

Süle und Rudy weg, wer kommt?

Neben diesem kleinen Störfeuer gilt es auch die Weggänge von Niklas Süle und Sebastian Rudy zum FC Bayern zu verkraften. Zudem hat sich Serge Gnabry für den FC Bayern und gegen Hoffenheim entschieden. Die Kraichgauer wollten den 21-Jährigen, der in der abgelaufenen Saison bei Werder Bremen spielte, unbedingt. 

Die Aufgabe wird damit nicht kleiner: Hoffenheim spielt in der kommenden Saison die Champions-League-Quali - und braucht einen Kader, der auf internationalem Niveau und unter Doppelbelastung funktioniert.

Nagelsmann und Rosen haben also noch einiges an Arbeit vor sich. Der Coach, der im Kraichgau ursprünglich noch einen Vertrag bis 2019 hatte, zeigte mit seiner neuen Unterschrift, dass er noch nicht gewillt ist, weiter das Objekt von Spekulationen zu sein.

Für die einen war er schon der neue Trainer der Bayern, für die anderen galt er insgeheim als Nachfolger von Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund.

Die Gepflogenheiten des Geschäfts sind so, dass Verträge selten erfüllt werden. Hat man jetzt in Hoffenheim durch die Verlängerung nur die Ablösesumme für Nagelsmann ins Unermessliche gehoben?

"Starkes Zeichen"

"Die Verlängerung ist ein starkes Zeichen nicht nur nach außen, sondern auch in den Klub hinein", meinte Rosen. "Sie steht für Stabilität, Kontinuität und für ein hohes Vertrauen, das wir ineinander haben."

Es bestehe "eine Wechselwirkung. Wir freuen uns alle über diese klare Botschaft, die an Team, Fans und Mitarbeiter gesendet wird und auch alle begeistert." Man freue sich einfach auf "eine gemeinsame Zukunft."

Nagelsmann ist seit März 2016 Cheftrainer in Hoffenheim, rettete den Klub erst vor dem Abstieg und katapultierte die TSG in der vergangenen Saison auf Platz vier, der für die Qualifikation zur Champions League berechtigt. Der 29-Jährige ist momentan der heißeste Trainer auf dem Bundesliga-Markt.

Nach dem Triumphzug mit der TSG reißt sich fast die halbe Welt um Nagelsmann. Fürs Erste können alle Klubs ihre Bemühungen nun einstellen. 

Lobeshymnen von Hoeneß

Das gilt für die Medien von Japan bis in die USA, aber auch für andere Vereine. So kamen vor einigen Wochen die Lobeshymnen von Bayern-Präsident Uli Hoeneß wenig überraschend.

Der FC Bayern dürfte nun auch sehr überrascht sein. Gibt es Genugtuung, dass die Münchner ab 2019 nicht mit Nagelsmann planen können?

Dann nämlich läuft der Vertrag von Bayern-Coach Carlo Ancelotti aus. Diese Frage stelle sich nicht, hieß es von den Verantwortlichen der TSG.   

Gemeinsam in die Zukunft               

Mit dem Erfolgsduo Nagelsmann und Rosen geht es jetzt in die Zukunft.

"Wir haben gerade die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte abgeschlossen und stehen vor spannenden Aufgaben. Es gilt dieses Niveau, das wir erreicht haben, nun auch zu konservieren und auf dieser Basis uns kontinuierlich weiter zu entwickeln. Wir sind sehr gespannt, wohin uns das führen wird."

Und weiter: "Eine Garantie auf Erfolg kann uns niemand geben, dafür müssen wir immer wieder hart arbeiten. Wir wissen sehr genau, wo wir herkommen, und dass Erfolg für einen Klub unserer Größenordnung in einer der stärksten Ligen der Welt keine Selbstverständlichkeit ist."