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Bei der Vorstellung von Peter Bosz skizzierte Borussia Dortmund schon ein genaues Anforderungsprofil für den Niederländer. Dessen Fußball soll vor allen Dingen für eines stehen: Spaß.

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Nach den vielen unangenehmen Fragerunden und Stellungnahmen der letzten Wochen hatte Borussia Dortmund am Dienstagnachmittag endlich mal wieder einen freudigen Grund, sich der Öffentlichkeit zu stellen.

Peter Bosz wurde als neuer Cheftrainer des BVB präsentiert, es wurde eine vergleichsweise beschwingte Veranstaltung. Bosz zeigte sich betont locker und launig. Es wurde tatsächlich wieder gelacht. Auf einer Pressekonferenz von Borussia Dortmund.

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Bosz' Arbeit soll ja von einem ganz entscheidenden Faktor bestimmt sein: Spaß.

Amin Younes, der bei Ajax ein Jahr mit Bosz zusammenarbeiten durfte, erzählte das dem Fußballportal sportbuzzer so: "Wir wissen, dass wir die Spiele nur gewinnen, wenn wir unseren Fußball spielen. Mit Spaß und Frechheit. Harte Bälle in den Fuß, sauberes Passspiel, Zutrauen, Spaß haben. Wir sollen Chancen erspielen und ein Angriffsspiel aufziehen."

Spaß und Stolz

Bosz hat selbst ein Bonmot über sich verfasst, das nun wohl recht oft zitiert werden dürfte. "Wenn ich schon auf der Bank sitze, dann will ich wenigstens Spaß haben. Und wenn ich Spaß habe, haben auch die Zuschauer Spaß."

Diese Einschätzungen und die Pressekonferenz am Dienstag sollen so etwas wie das Gegenstück zu den bleiernen letzten Wochen in Dortmund sein. Einigermaßen beschwingt zeigte sich der neue Trainer, witzelte ein wenig und sagte pflichtschuldig ein paar Sätze, die man bei so einer Gelegenheit eben sagt.

"Ich bin stolz, dass ich für so einen großen Verein arbeiten darf. Der BVB gehört zu den zehn größten Klubs in Europa - eine junge Mannschaft, die Gelbe Wand, das ist legendär. Ich freue mich darauf." Schon als kleiner Junge habe er die Bundesliga verfolgt, die eine der besten Ligen Europas sei.

Eine ehrliche Freude strahlte Bosz aus, hielt sich in seinen Ausführungen aber doch einigermaßen bedeckt und verriet nur das Nötigste. Konkreter wurde da schon Zorc, der ein paar interessante inhaltliche Gründe für die Wahl Bosz' anführte.

Zorc formuliert inhaltliche Ziele

Da sprach der Sportdirektor über die Anknüpfungspunkte an den Tuchel-Fußball, die der BVB auch jeden Fall bewahren will. "In allererster Linie sind wir überzeugt, dass die Art und Weise, wie er seine Mannschaft Fußball spielen lässt, nicht komplett unähnlich zu der ist, wie wir und unsere Fans es sehen möchten", sagte Zorc.

"Einen frischen Offensivfußball, attraktiv, attackierend mit einer ausgeprägten Struktur im eigenen Ballbesitz und sehr starkes Gegenpressing. Das in eine gute Balance gebracht macht seine Spielphilosophie aus. Darüber hinaus hat er nachgewiesen, dass er sehr gerne mit jungen Spielern arbeitet."

Das hätte Zorc auch über Tuchel sagen können, wobei die Betonung dann doch auf dem starken Gegenpressing lag. Da hatte der BVB zuletzt einige Probleme und kassierte zu viele Gegentore. Der neue Trainer steht für einen sehr intensiven Fußball, der ungeheuer geradlinig ist. Das wäre eine Veränderung zu Tuchel, der noch mehr über Ballbesitz- und Positionsspiel kam.

Ein bisschen Ajax beim BVB

Ein bisschen Ajax darf es offenbar schon sein beim BVB der Zukunft, das konnte man deutlich heraushören. Und Bosz, obwohl ehemaliger Spieler beim Erzrivalen Feyenoord, gilt im Prinzip schon immer als ein Verfechter und Liebhaber der alten Ajax-Schule und der Ideen von Johan Cruyff.

Früher soll er mit dem Auto die 80 Kilometer von Rotterdam nach Amsterdam gefahren sein, nur um Trainingseinheiten von Louis van Gaal zu verfolgen. So fasziniert sei er von Ajax' System und dessen Umsetzung Mitte der 90er Jahre gewesen.

Aktuell stellt sich ihm die schwierige Aufgabe, eine etwas auseinandergedriftete Mannschaft wieder zu einen und Borussia Dortmund in der kontinentalen Spitze zu halten. Keines der beiden Spiele habe der BVB gegen den Titelverteidiger und neuerlichen Champions-League-Sieger Real Madrid verloren, betonte Zorc, der BVB stehe im europäischen Ranking auf Platz sieben.

Das sind die Anforderungen. Über ganz konkrete Ziele wollte sich Bosz noch nicht äußern. Aber für ein Versprechen reichte es dann schon noch. "Ich will erfolgreich sein und guten Fußball spielen", sagte er. "Ich möchte den Menschen guten Fußball zeigen."