HSV-Investor Klaus-Michael Kühne
HSV-Investor Klaus-Michael Kühne © Imago
Lesedauer: 4 Minuten

Hamburg - Investor Klaus-Michael Kühne glaubt nicht, dass Heribert Bruchhagen dem HSV für lange Zeit vorstehen wird. Auch bei Werder Bremen hätte er einsteigen können.

Anzeige

Klaus Michael Kühne glaubt nicht, dass Heribert Bruchhagen langfristig beim Hamburger SV in der Verantwortung stehen wird.

"Heribert Bruchhagen ist wohl eine Übergangslösung, aber unter den gegebenen Umständen nach Beiersdorfer eine vernünftige Wahl", erklärte der Investor dem Hamburger Abendblatt. "Er hat Ruhe in den Verein gebracht und es geschafft, das sportliche Elend gerade noch zu vermeiden. Der HSV befindet sich im Übergang."

Anzeige

Bruchhagen ist seit Dezember des vergangenen Jahres Vorstandsvorsitzender beim Bundesliga-Dino.

Kein Einfluss auf sportliche Entscheidungen

Kühne bezeichnete sein Engagement beim HSV als "teuerste Liebe seines Lebens". Dabei hätte er auch das Angebot gehabt, Nordrivale Werder Bremen finanziell zu helfen. "Da mein Vater aus Bremen stammt und damit auch unsere Firma, wurde ich vor einigen Jahren ins Weserstadion eingeladen", erklärte Kühne. "Die dortigen Banken fragten mich: Wie können Sie nur den HSV unterstützen und nicht auch Werder? Denen habe ich gesagt: Sorry, aber ich bin Hamburger."

Gleichzeitig betonte Kühne, der am Freitag seinen 80. Geburtstag feiert, er habe nie versucht, Einfluss auf sportliche Entscheidungen zu nehmen.

"Es wird ja immer wieder behauptet, der HSV wäre abhängig von mir und ich würde mich zu sehr einmischen. Ich möchte an dieser Stelle einmal betonen, dass ich nie durchgesetzt habe, einen bestimmten Spieler zu holen, so weit reicht mein Einfluss nicht, das will ich auch gar nicht. Ich bin doch nicht so vermessen zu glauben, dass ich es besser weiß als die Experten", erklärte er.

Im Vorjahr hatte Kühne dem HSV rund 30 Millionen Euro für Verstärkungen überwiesen, zuletzt sicherte er sich weitere Anteile an der HSV Fußball AG. Er hält jetzt 17 Prozent der HSV Fußball AG, durch das eingenommene Geld konnte sich der angeschlagene Klub die Lizenz für die kommende Saison sichern.

HSV darf wieder auf Investition hoffen

Für die kommende Spielzeit stellte der Milliardär dem HSV frisches Geld für neue Spieler in Aussicht. "Es gibt Kontakte und einen offenen Dialog. Natürlich bin ich neugierig, weil mein Herz dem Verein gehört", sagte er.

Kühne habe Trainer Markus Gisdol und HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein mitgeteilt: "Jawoll, wenn überzeugende Vorschläge kommen, würde ich noch mal helfen."

Trotz seines Geldes geht Kühne nicht davon aus, dass die Hanseaten echte Stars an die Elbe locken können. "Welcher ehrgeizige Topspieler will derzeit zum HSV kommen? Die müssen Sie schon mit der Kneifzange holen", sagte Kühne.

Kühne träumt von Titelgewinn

Die finanzielle Situation des HSV sei "alles andere als rosig", sagte Kühne, aber auch seine Mittel endlich: "Ich kann ja nicht auch noch die laufenden Gehälter bezahlen, das muss der Verein schon selbst stemmen."

Den Klassenerhalt seines HSV in letzter Minute verfolgte der Unternehmer in seinem Haus auf Mallorca. Dass er nicht im Stadion vor Ort war, begründete Kühne auch mit Anfeindungen von gegnerischen Fans.

"Ich habe zuletzt auf Stadionbesuche verzichtet, weil ich mich nicht zu sehr ärgern und die Niederlagen nicht unmittelbar erleben wollte. Im Hinterkopf habe ich auch noch die Partie gegen Dortmund vor eineinhalb Jahren. Damals wurde ich in übler Form angepöbelt. Da fragen sie sich schon: Warum soll ich mir das antun?", meinte er.

Kühne hofft, dass Hamburg irgendwann auch wieder an alte Erfolge anknüpfen kann. "Selbstverständlich wünsche ich mir eine ständige Aufwärtsentwicklung und kein Zittern mehr", sagte er: "Ich würde es gerne noch erleben, dass der HSV eine Trophäe gewinnt. Dass dies kurzfristig unrealistisch ist, weiß ich. Aber warum nicht in drei Jahren?"