Trainer Stefan Krämer (M.) ist zum zweiten Mal Trainer beim KFC Uerdingen. Schon in der Saison 2018/2019 war der 52-Jährige dort tätig.
Trainer Stefan Krämer (M.) ist zum zweiten Mal Trainer beim KFC Uerdingen. Schon in der Saison 2018/2019 war der 52-Jährige dort tätig. ©
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München - Beim KFC Uerdingen geht es weiter drunter und drüber. Ein Insolvenzverwalter soll jetzt die letzte Hoffnung am Leben halten. Trainer Krämer wird bei SPORT1 deutlich.

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Diese Worte waren der pure Frust. "Es sind katastrophale Trainingsbedingungen, die Spieler kaufen sich das Wasser selbst, es gibt kein Geld für Massageöl oder gar ein Schnittprogramm für den Videoanalysten", polterte Stefan Krämer, der Cheftrainer des KFC Uerdingen vor dem Heimspiel gegen den MSV Duisburg (1:2) am vergangenen Sonntag bei MagentaSport. Erstaunlich ehrlich.
 
Der Verein lebt schon lange Zeit auf Sparflamme. "Es gibt mannschaftsintern einen Geldtopf, in dem sich die Spieler bedienen können, falls es finanziell eng wird." Spötter sagen schon, dass dieser Topf eigentlich regelmäßig leer sein müsste. Krämer hat die Faxen dicke.

Sportlich schien sein Team in den vergangenen Wochen die Kurve zu kriegen, doch nach der Pleite gegen die Zebras steht der KFC auf Platz 17, erstmals seit dem vierten Spieltag wieder unter dem Strich. Als wäre die finanzielle Situation mit der drohenden Insolvenz nicht schlimm genug, hängt nun auch noch das Damoklesschwert des Abstiegs in die Regionalliga über den Uerdingern.

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Krämer: "Habe eher noch untertrieben"

Krämer hatte sich am Dienstag im Gespräch mit SPORT1 nur bedingt beruhigt. "Ich wiederhole gerne jedes Wort vom Sonntag nochmal, ich habe da eher noch untertrieben", schimpfte der 53-Jährige.

"Ich will mich aber jetzt auch etwas zurückhalten, weil im Hintergrund versucht wird, den Klub zu retten. Und wenn du da jeden Tag erzählst, wie scheiße alles ist, hilft das natürlich nicht. Die Zustände beim KFC sind aber weit vom Profifußball entfernt", sagt Krämer und fügt hinzu: "Weiter als die Erde vom Mars." 

Doch Krämer hat zuletzt immer versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Zumindest läuft der Spielbetrieb erstmal weiter (3. Liga: KFC Uerdingen - FC Ingolstadt, Mi., ab 17 Uhr im LIVETICKER). Dies gab der Verein jetzt bekannt.
 
Die Monate Dezember, Januar, Februar werden nach SPORT1-Informationen vom Insolvenzgeld abgedeckt. Die Dezember-Gehälter sind schon überwiesen worden. In der ersten Märzwoche sollen die Januargehälter bezahlt werden, in der zweiten Hälfte des Monats die Februargehälter. Und danach sollen die Gehälter wieder normal ausbezahlt werden.

In der Vergangenheit gab es genau bei diesem Thema immer wieder Ärger, weil das eben nicht der Fall war. Ehemalige Spieler und Trainer klagten vor dem Arbeitsgericht: Kevin Großkreutz, Dominic Maroh, Michael Wiesinger.

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Viele Verträge laufen aus

Der Monat März ist erstmal gesichert. Was danach wird, weiß momentan keiner. Nach der Saison laufen ohnehin viele Verträge aus.
 
Die Mannschaft sei sehr zufrieden mit der Arbeit des Insolvenzverwalters. Das ist schon mal ein völlig neuer Zustand in einem Klub, der in dieser Saison von links auf rechts und wieder zurück gedreht wurde. Am Freitag hatte die Westdeutsche Zeitung berichtet, dass es zu Unstimmigkeiten zwischen der Noah Company, dem neuen Investor, und dem zurückgetretenen Präsidenten Mikhail Ponomarev gekommen sein soll.

Angeblich sollen die armenischen Geldgeber wieder abgereist sein. Das Blatt spekuliert nun, dass sich der eigentlich bereits bestätigte Verkauf der Anteile zerschlagen habe, Ponomarev die Rolle rückwärts mache und nochmal seine Geldschatulle öffnen könnte, damit die Saison zu Ende gespielt werden kann. Wie realistisch dieses Szenario ist, lässt sich derzeit nicht einschätzen.
 
"Wenn sich das nicht schlagartig ändert, wird uns das irgendwann einholen", sagte Krämer. Das mache etwas mit den Spielern, wenn keiner wisse, wie es weitergeht und wo das nächste Gehalt herkommt.

Bei all diesen Zuständen kann man sich nur wundern, wie die Mannschaft mit all dem umgeht. "Die Truppe ist echt cool, die Jungs helfen sich gegenseitig", sagt Krämer.

Mikhail Ponomarev ist seit 2015 beim KFC Uerdingen aktiv, nach der Saison hört er auf
Mikhail Ponomarev ist seit 2015 beim KFC Uerdingen aktiv, nach der Saison hört er auf © Imago

Gute Miene zum traurigen Spiel

Krämer macht weiter so gut es geht gute Miene zum traurigen Spiel: "So lange uns niemand was anderes sagt, kommen wir zur Arbeit. Ich weiß zwar noch nicht, wo und wie, aber wir werden trainieren. Wir wissen nicht, was ab morgen ist."
 
Thomas Feldmann, der Presseberater des Insolvenzverwalters, sagte am Mittwoch auf SPORT1-Nachfrage: "Ende Januar 2021 hatte die KFC Uerdingen 05 Fußball GmbH als Betreibergesellschaft des Fußball-Drittligisten KFC Uerdingen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das zuständige Amtsgericht hat das Verfahren gestern eröffnet und Dr. Claus-Peter Kruth zum Insolvenzverwalter bestellt. Er war zuvor als vorläufiger Insolvenzverwalter im Unternehmen."
 
Das Ziel von Kruth sei es, "den Geschäfts- und Spielbetrieb des KFC Uerdingen aufrechtzuerhalten, um dem Krefelder Traditionsverein eine Perspektive zu ermöglichen".
 
Sollte der KFC die Saison zu Ende spielen können und den Klassenerhalt trotz aller Umstände tatsächlich schaffen, wäre das für Krämer "mit einem Aufstieg vergleichbar". Er hofft, dass es irgendwie weitergeht: "Wir wollen beweisen, dass es möglich ist." Sein Team hat vier Spiele weniger als zum Beispiel der 1. FC Kaiserslautern, der mit zwei Punkten mehr auf einem Nichtabstiegsplatz steht. Den sportlichen Teil wollen Krämer und seine Spieler beitragen. Nun müssen die Investoren auch für die finanzielle Sicherheit sorgen.