Markus Höhner lobt 1860-Trainer Michael Köllner für seinen ungewöhnlichen Taktik-Kniff gegen den MSV Duisburg
Markus Höhner lobt 1860-Trainer Michael Köllner für seinen ungewöhnlichen Taktik-Kniff gegen den MSV Duisburg © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1
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Michael Köllner überrascht gegen den MSV Duisburg mit einer ungewöhnlichen Auswechslung. Frech, aber schlau, findet SPORT1-Kommentator Markus Höhner.

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Am Samstag war ich als Kommentator für MagentaSport beim Spiel des MSV Duisburg gegen 1860 München im Einsatz.

Ich bin ja nun schon viele Jahre mit dabei, aber es geschehen halt immer wieder Dinge, die man erst mal nicht so auf dem Zettel hat. In diesem Falle war es eine fixe Idee von Löwen-Trainer Michael Köllner.

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Kurz nach der Pause: Duisburgs Stürmer Aziz Bouhaddouz wurde am gegnerischen Strafraum mit einem schnellen Pass gut in den Raum angespielt, bekam den Körper zwischen Ball und Gegner, hätte freien Weg zum Tor gehabt, aber Münchens Verteidiger Dennis Erdmann rang ihn im 16er deutlich erkennbar zu Boden. Eine für alle Beteiligten schnell und leicht zu bewertende Spielsituation. Klare Notbremse, Elfmeter und Rot! Genau so kam die Entscheidung von Schiedsrichter Patrick Kessel und Löwe Erdmann nahm es ohne jedes Meckern hin.

1860-Trainer mit Psycho-Trick beim Elfmeter

Die Spannung steigt! Die Ausführung übernimmt MSV-Kapitän Stoppelkamp. Alles bereit. Vor dem Stadion werden die Hupen der Fans immer lauter. Im schon stillen Stadion wird es noch stiller. Stoppelkamp steht bereit, sein Blick geht vom Ball auf das Tor und zurück. Und dann ... drehen sich plötzlich alle um Richtung Seitenlinie.

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Schiedsrichter Patrick Kessel gibt das Zeichen: Sechzig wechselt aus! Noch vor der Ausführung des Elfmeters! Dass ein Trainer seinen vom Platz gestellten Innenverteidiger zeitnah zur Komplettierung der Viererkette durch einen berufsgleichen Kollegen ersetzt, ist natürlich üblich. Aber so schnell? Noch vor der Ausführung des Elfmeters? Nie gesehen. (SERVICE: Tabelle der 3. Liga)

Köllners Idee war schnell greifbar. Er wollte mit dieser Aktion den Schützen irritieren. Unsportlich? Ich finde nein.

Taktisches Mittel wie in der NFL

Er darf wechseln und er darf es dann tun, wenn der Schiedsrichter es genehmigt. Und es sprach nichts dagegen, dies noch vor der Ausführung zu tun. Und wenn Köllner damit den Effekt verbindet, den gegnerischen Schützen ein wenig in der Konzentration zu stören, ist es Teil des Spiels.

In der amerikanischen Football-Liga NFL ist dies übrigens ein sehr gängiges, taktisches Stilmittel vor wichtigen Spielzügen des Gegners. Man wartet ab, bis die gegnerische Offensive kurz vor der Ausführung steht und unterbricht dann den Ablauf und das Spiel als verteidigende Mannschaft durch ein "Time-out".

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Genau das tat Köllner und bestätigte es nach dem Spiel im Interview bei MagentaSport: "Ja, ich musste sowieso wechseln und dann bietet es sich natürlich an, es so zu tun, damit der Schütze noch länger warten muss und dadurch vielleicht dann unsicher wird."

Ganz schön frech. Aber schlau und für mich im Rahmen der Regeln keineswegs unsportlich. Das mag es schon gegeben haben, aber vielleicht eher in Verbindung mit einer Verletzungspause. Aber so zügig? 55 Sekunden nach dem Elfmeterpfiff? Habe zumindest ich so noch nicht bewusst gesehen. Aber warum kommt es so selten vor? (SERVICE: Alle Spiele und Ergebnisse der 3. Liga)

Für so eine Entscheidung musst Du nicht nur schlau sein, sondern auch schnell! Es bedarf einer Fähigkeit, die als Bewertungskriterium bei Spielern ein ständiger Begleiter ist, der "Handlungsschnelligkeit". Köllner, bekannt als breit aufgestellter Trainer, Fußball-Taktiker und Buchautor, hat innerhalb von Sekunden seinen Wechsel entschieden und ihn versucht, für seine Mannschaft psychologisch und möglichst effektiv einzusetzen. So flink musst Du erst mal sein.

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Einen Plan sollte man auch schnell haben

Allzu oft habe ich genau diese Handlungsschnelligkeit bei Trainern vermisst. Du kassierst in der 80. Minute das 0:1 und erst in der 87. Minute kommt der zweite Stürmer und die Umstellung auf eine Doppelspitze. Wenn ich einen Plan habe, ist es auch gut, ihn schnell zu haben.

Also, eine gute Idee von Köllner. Auch wenn es nichts gebracht hat, wie er dann später im Interview auch trocken bilanzierte: "Aber der Stoppelkamp hat sich das nicht nehmen lassen." Trotzdem bleibt eine schnelle Umstellung schlau.

Wird der Elfer gehalten und der Ball bleibt im Spiel, bist Du mit der neu formierten Viererkette dann in der eigenen Hälfte sofort defensiv gut aufgestellt.

Bin mal gespannt, ob es Nachahmer von Köllner geben wird.