Halle hat eine große Chance zum Fairplay vergeben, sagt SPORT1-Redakteur Markus Höhner
Halle hat eine große Chance zum Fairplay vergeben, sagt SPORT1-Redakteur Markus Höhner © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1
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Meppens Al-Hazaimeh hatte Tränen in den Augen, Tränen der Erleichterung. Er hätte sein Team fast um einen Dreier gebracht, dabei wollte er nur das Allerbeste.

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Manchmal hast Du als Spieler halt einfach nur ein paar Sekunden, um Deine Entscheidung zu treffen. Jeron Al-Hazaimeh wollte am Freitag alles richtig machen, als er den Aufschrei des offensichtlich hart getroffenen Gegenspielers Terence Boyd hörte.

Er signalisierte durch Handbewegungen "lasst uns unterbrechen, damit man ihm helfen kann", er schoss aber den vor seinen Füßen liegenden Ball nicht weg.

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Die folgenden Sekunden wurden für ihn zum Alptraum zwischen Sportsgeist und Hochverrat: Denn plötzlich nutzte der Gegner sein unentschlossenes Verhalten, klaute die Kugel, spielte einfach weiter und den Ball ins Ziel zum megaglücklichen 1:1. Boyd stand längst wieder, jubelte mit den Kollegen und Al-Hazaimeh blieb zurück, fassungslos, lamentierend mit fragenden und flehenden Blicken: "Das ist doch nicht Euer Ernst?"

Doch. Das war es. Die Gäste aus Halle hatten seine Naivität einfach ausgenutzt. Sofort dachte man in Meppen an das Skandaltor von Sören Eismann aus dem Jahre 2017, der eine noch offensichtlichere Situation zum Meppener Gegentor ausnutzte.

Schiedsrichter? Es braucht Respekt unter Sportlern

Al-Hazaimeh handelte zum Wohle des Kollegen Boyd, vergaß aber, den Ball einfach weit weg ins Aus zu ballern.

Der Schiedsrichter ist übrigens bei dieser Nummer überhaupt kein Ansprechpartner. Er soll zwar selbständig eingreifen, wenn sich ein Spieler möglicherweise schwer verletzt hat, aber in diesem Fall war der Zeitraum einfach zu kurz, um dies zu tun. Und, liebe Fußball-Freunde, in dieser Szene brauchen wir bitte auch zur Klärung keinen Schiedsrichter, sondern eine simple, kollegiale Einstellung unter Sportlern, kurzum Respekt.

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Jetzt also hoch mit dem moralischen Zeigefinger? Im ersten Moment nicht.

Denn genau so, wie man Al-Hazaimeh und seinen sekundenschnellen Gedankenstress analysiert, muss man diesen auch den handelnden Hallensern zubilligen. Die Lage war einfach nicht eindeutig. Und damit auch missverständlich. Es war also auch menschlich, die Situation in den ersten Sekunden als ungeklärt zu empfinden und dann weiterzuspielen. Aber damit war das Thema ja noch nicht vom Tisch. Auf dem Weg in die Halbzeitpause wurde heftig diskutiert. Meppens Trainer Torsten Frings nannte es nach dem Spiel "eine Mega-Unsportlichkeit".

Halle verwirft den perfekten Gedanken

Im Nachhinein wird bekannt, was in der Kabine des HFC während der Halbzeitpause geschah. Trainer Schnorrenberg bestätigte gegenüber der Bild-Zeitung: "Wir haben kurz überlegt, nach der Pause Meppen ein Tor schießen zu lassen. Aber wenn man die Bilder sieht, war es nicht so unsportlich, wie von manchen behauptet!" Jeder, der diese Szene sieht, wird erkennen, was Halle den Ballbesitz ermöglichte. Es war der sportliche und faire Gedanke von Jeron Al-Hazaimeh, dem Kollegen zu helfen, egal wie naiv er es auch umsetzte.

Der HFC hatte in der Pause den bestmöglichen, richtigen, perfekten, beispielhaften Gedanken - und hat ihn leider verworfen. Jetzt reden wir nicht mehr über eine Entscheidung von Sekunden. Für die Jungs auf dem Platz ging alles rasend schnell, aber in der Kabine hatte Halle die größte Chance des Spiels und vergab sie. So schade. Was hätten wir sie dafür gefeiert. Ein geschenktes Tor für die Fairness wäre uns allen noch lange in Erinnerung geblieben.

Halle hat diese Chance verpasst. Tom Boere hat seine Chance genutzt, in der 71. Minute. Es war sein erstes Tor für Meppen, es war der Siegtreffer und es war damit auch ein Tor für Jeron Al-Hazaimeh. Seine Tränen nach dem Spiel zeigten, welchen mentalen Ballast er an diesem Abend mit sich herumtrug. Gut, dass seine Sportlichkeit nicht bestraft wurde.