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München - Der DFB plant den Re-Start der 3. Liga. Doch viele Klubs sind weiterhin dagegen, könnten sich dabei aber verkalkulieren. Der Zoff droht zu eskalieren.

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Von Chaos ist die Rede, von schweren Vorwürfen gegen den DFB einerseits und fehlendem Willen andererseits - die 3. Liga ist beim Thema Re-Start weiterhin gespalten. Und der Streit spitzt sich weiter zu.

"Ich glaube, es ist ein Weg ins Chaos, den wir gerade gehen", sagte Waldhof Mannheims Geschäftsführer Markus Kompp dem SID. Der aktuelle Tabellenzweite zählt zur Fraktion, die sich für einen freiwilligen Saisonabbruch einsetzt und sich damit gegen die Pläne des Deutschen Fußball-Bundes positioniert, die einen Wiederbeginn am 26. Mai vorsehen.

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"Manchmal ist ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende", meinte Kompp.

Neben den Mannheimern sprach sich zuletzt auch Tabellenführer MSV Duisburg für ein vorzeitiges Ende der wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Spielzeit aus. Die Teams eint die Hoffnung, im Fall der Fälle zu direkten Aufsteigern in die 2. Bundesliga deklariert zu werden.

Keine Aufsteiger bei Saisonabbruch in der 3. Liga?

Doch diese Rechnung könnte nicht aufgehen. Sollte die Saison tatsächlich abgebrochen werden, droht die Aussetzung der Auf- und Abstiegsregel. Das berichtet die Sport Bild und zitiert DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge: "An der Wiederaufnahme des Spielbetriebs müssten die Klubs der 3. Liga das größte Eigeninteresse haben, auch wirtschaftlich. Denn nur dann kann sichergestellt werden, dass ein Aufstieg in die 2. Bundesliga stattfindet - mit den verbundenen Erlösen aus der Zentralvermarktung."

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Auch die DFB-Spielordnung legt in Paragraf 46 fest, dass in der 3. Liga "jeder gegen jeden im Hin- und Rückspiel bei wechselseitigem Platzvorteil anzutreten" habe: "Meister der Runde ist, wer nach Durchführung aller Spiele die meisten Gewinnpunkte erzielt hat."

Elf Spieltage sind in der 3. Liga noch zu spielen. Sollten diese nicht mehr stattfinden, die momentane Tabelle aber gewertet werden und damit die ersten beiden Teams aufsteigen dürfen, könnten sich die Zweitligisten benachteiligt fühlen, die die Saison unter den gegebenen Umständen unter besonderen Herausforderungen noch zu Ende spielen mussten. Juristische Maßnahmen und Klagen der Betroffenen wären nicht auszuschließen.

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DFB-Generalsekretär Curtius kritisiert Abbruch-Fraktion

"Unser grundsätzliches Ansinnen im Sport muss immer sein, dass die sportlichen Entscheidungen auf dem Spielfeld fallen und nicht am grünen Tisch. Diese Haltung würde ich mir von allen Beteiligten wünschen", rief DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius zu Einigkeit auf. An die Abbruch-Befürworter richtete er die Frage: "Kann man nicht oder will man nicht?"

Er vermisse zudem eine Antwort auf die Frage nach einer Alternative. "Die angeführten Kritikpunkte, das Spielen ohne Zuschauer, die Umsetzung eines Hygienekonzepts - all dies gilt wahrscheinlich auch in einigen Monaten noch. Wollen diese Klubs dann bis nächstes Jahr mit der 3. Liga aussetzen?", meinte Curtius. "Die 3. Liga wäre bei einem freiwilligen Saisonabbruch in ihrer kompletten Struktur als Profiliga gefährdet und in Frage gestellt."

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Ein großes Problem für den geplanten Neustart: Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern ist keine gleichwertige Vorbereitung aller Drittligisten möglich. In Sachsen-Anhalt bleibt ein Trainings- und Spielbetrieb für den Amateur- als auch den Berufssport bis zum 27. Mai untersagt. Davon betroffen sind der 1. FC Magdeburg und der Hallesche FC. Der Tabellenletzte Carl Zeiss Jena aus Thüringen darf nach Verordnung der Stadt bis 25. Mai kein Mannschaftstraining absolvieren.

CDU-Politiker Haseloff erhebt schwere Vorwürfe

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erhob am Dienstag schwere Vorwürfe gegen den DFB. Der Verband übe "unerträglichen Druck auf Politik und Vereine" aus, sagte der 66-Jährige - angeblich wurde mit Lizenzentzug gedroht, sollte ein Klub den Spielbetrieb nicht wieder aufnehmen wollen. "Das können nicht die Spielregeln in unserer Gesellschaft sein", monierte Haseloff, seine Regierung versuche "gegenzuhalten, solange die Kraft bleibt."

Der DFB wies die Vorwürfe aus Sachsen-Anhalt, die er "mit Verwunderung" vernommen habe, umgehend zurück. "Richtig ist, dass DFB-Präsident Fritz Keller und ich gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten telefoniert haben", sagte DFB-Generalsekretär Curtius: "Nicht, um Druck auf die Politik auszuüben. Schon gar nicht, um mit Zulassungsentzug und Konsequenzen für Vereine zu drohen, die sich gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs aussprechen."

Wie gespalten die Liga ist, hatte sich schon Ende April gezeigt, als der DFB ein Stimmungsbild bei den 20 Klubs einholte. Dabei votierten zehn Vereine für eine Wiederaufnahme, acht stimmten für einen freiwilligen Abbruch der Saison, zwei enthielten sich.

Über ein vorzeitiges Saisonende müsste der Außerordentliche DFB-Bundestag am 25. Mai entscheiden - einen Tag vor dem geplanten Wiederbeginn.