Manfred Schwabl (r.) spielte für Nürnberg und den FC Bayern in der Bundesliga
Manfred Schwabl (r.) spielte für Nürnberg und den FC Bayern in der Bundesliga © Getty Images
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München - Im SPORT1-Interview spricht Manfred Schwabl über die Coronakrise, die Folgen für die 3. Liga und die SpVgg Unterhaching. Er lobt den DFB, spart aber auch nicht mit Kritik.

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Der Sport steht wegen der sich rasch ausbreitenden Coronapandemie still. Das hat auch Konsequenzen für den deutschen Fußball.

Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Manfred Schwabl, Präsident der SpVgg Unterhaching, über die Coronakrise, die Folgen für die 3. Liga und für seinen Verein.

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Er lobt das Krisenmanagement des DFB, fordert die Klubs aber eindringlich zum Umdenken auf.

SPORT1: Herr Schwabl, wie geht es Ihnen und der Mannschaft?

Manfred Schwabl: Die Spieler sind zu Hause und werden trainieren, denke ich mal. Und ich bin im Büro und schau, dass ich den Laden aufrechterhalte. Ich muss mich jetzt erstmal darum kümmern, wie wir die Zukunft bewerkstelligen.

SPORT1: Die 3. Liga pausiert bis mindestens Ende April. Manche Vereine mussten deshalb schon Kurzarbeit beantragen. Wie ist die Situation in Haching?

Schwabl: Wir haben uns entschlossen, für die Profis keine Kurzarbeit zu beantragen. Da lassen wir andere Branchen vor. Was die Verwaltung und Gastronomie betrifft, lassen wir die Entscheidung noch offen. Die Spieler selbst bekommen weiter ihr normales Gehalt und haben von sich aus beschlossen, einen Teil ihres Gehaltes der Kommune Unterhaching zu spenden. Davor kann ich nur den Hut ziehen. Das gilt auch für die Spenden der Bayern-Spieler. Das ist schon ein Zeichen dafür, dass man näher zusammenrückt.

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SPORT1: Viele sehen in Geisterspielen die einzige Möglichkeit, die Saison zu Ende zu führen. Wie ist Ihre Meinung?

Schwabl: Das kann ich nicht beurteilen. Am Ende des Tages werden die Virologen darüber entscheiden, wie es überhaupt im Fußball weitergeht. Das ist auch gut so. Man hat jetzt durch die Verschiebung der EM bis 30.6. die Luft. Innerhalb dieser Zeit müsste die Saison am besten mit einem sportlichen Wettbewerb zu Ende gespielt werden. 

SPORT1: Welche wirtschaftlichen Folgen hätte eine komplette Absage der restlichen Saison für Haching und die 3. Liga?

Schwabl: Ich kann da nur für uns sprechen. Wir werden sicherlich die Saison überstehen. Dann muss sich aber entscheiden, wie es in der neuen Saison weitergeht. Jetzt geht es erst einmal darum, die Liquidität für die nächsten Wochen und Monate zu sichern. Wenn tatsächlich nicht mehr zu Ende gespielt werden könnte, kann es sein, dass die im Mai fällige letzte Rate des Fernsehgeldes nicht mehr gezahlt wird. Aber was ist dann mit der Tabelle? Wird sie gewertet, wie sie jetzt ist, oder wird die Saison annulliert? Außerdem muss die Saison auch deshalb bis zum 30.6. beendet werden, weil an dem Tag in den ersten drei Ligen viele Spielerverträge auslaufen.

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SPORT1: So oder so dürfte eine gemeinsame Entscheidungsfindung unter allen Drittligisten schwierig werden.

Schwabl: Ich sage, da muss man das große Ganze sehen. Da wird es nicht nur Gewinner geben, sondern auch Verlierer. Da schließe ich uns mit ein. Es ist klar, dass man die Vereinsbrille immer ein bisschen auf hat. Aber in so einer Sondersituation muss man die auch mal ablegen. Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann, muss es entweder eine Entscheidung von der DFL oder des DFB geben oder es muss unter den Vereinen zu einer demokratischen Entscheidung kommen, an die sich dann alle halten müssten. Da muss sich dann zeigen, ob es wirklich Solidarität im Fußball gibt oder ob sie nur auf dem Papier steht.

SPORT1: Ihr Kollege Daniel Sauer von den Würzburger Kickers hat vom DFB nun schnelle finanzielle Unterstützung gefordert. Fühlen Sie sich auch vom DFB im Stich gelassen?

Schwabl: Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich muss sagen, dass der DFB einen super Job macht. Wir hatten am letzten Montag eine Videokonferenz mit allen Vereinen. Da kamen alle Themen auf den Tisch und der DFB-Schatzmeister hat sich eindeutig dazu geäußert, was steuerrechtlich geht und was nicht. Ich sage, wir Vereine müssten mal vor der eigenen Tür kehren, inklusive Unterhaching. Ich kann nicht nur die Hand ausstrecken. Ich schätze Daniel Sauer sehr, weil er immer klar Stellung bezieht. Aber ich glaube, dass wir da auf taube Ohren stoßen werden. Aber nicht weil der DFB nicht will, sondern weil er nicht kann. 

SPORT1: Erwarten Sie dann von den Klubs der 1. und 2. Bundesliga, denen es ja vergleichsweise besser geht als den Drittligisten, irgendeine Form der Unterstützung?

Schwabl: Das kann ich mir nicht vorstellen. In der aktuellen Situation ist das aber auch nicht deren Aufgabe. Ich glaube eher, dass wir jetzt gemeinsam die Zeit überbrücken müssen. Keiner weiß ja, wie es in der nächsten Saison weiter geht. Da müssten DFL und DFB die Vereine unterstützen, nicht unbedingt nur monetär, sondern auch was Fristen und Lizenzierungsbedingungen betrifft. Unabhängig davon müssen wir uns aber mehr denn je hinterfragen, ob wir auf dem richtigen Weg sind.

SPORT1: Welche Fehler hat denn der Profi-Fußball in der Vergangenheit gemacht?

Schwabl: Da muss man sich nur die Frage stellen, passt das mit den hohen Gehaltskosten? Ich sage ganz klar, das passt nicht. Da müssen wir uns alle in den ersten drei Ligen fragen, ob wir noch richtig ticken. Ich appelliere an alle, mehr auf den Nachwuchs zu schauen. Wenn ich mir überlege, dass in den ersten drei Ligen deutsche Nachwuchstalente im einstelligen Prozentbereich Spielpraxis bekommen, dann ist der deutsche Fußball in dieser Thematik komplett auf dem Holzweg. Wir von der Spielvereinigung legen schon sehr viel Wert auf die Nachwuchsarbeit. Aber wir werden da noch intensiver einsteigen. Dafür kämpfe ich weiter, weil es meine vollste Überzeugung ist. 

SPORT1: Wie stark beeinflusst die derzeitige Krise den Kurs der Haching-Aktie?

Schwabl: Klar, hat auch die etwas an Kurs verloren. Aber das ist alles im Rahmen, wenn ich mir die Aktienmärkte anschaue. Unsere Aktie und unsere Anlegerstruktur ist mittel- und langfristig angelegt. Bei der Aktionärsversammlung habe ich mitbekommen, dass unsere Aktionäre voll Lust darauf haben, unseren Weg zu begleiten. Ich hoffe, dass sie jetzt ruhig und besonnen bleiben.  Ich denke schon, dass sie merken, dass wir alles geben. Diese Krisenzeiten müssen wir jetzt auch gemeinsam durchstehen.

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