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München - Dem 1. FC Kaiserslautern steht das Wasser bis zum Hals. Bei SPORT1 sprechen zwei Klub-Ikonen über die aktuelle Lage und legen den Finger in die Wunde.

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Nach dem Schlusspfiff skandierten die Fans in der Westkurve "Bader raus!". Der Adressat: Martin Bader, der Geschäftsführer Sport beim 1. FC Kaiserslautern.

1:1 hieß es nach 90 Minuten im Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg. Klar, die Enttäuschung war groß. Nach der Beurlaubung von Sascha Hildmann hatten viele Anhänger auf einen Sieg zum Einstand des neuen Trainers Boris Schommers gehofft. Doch noch immer warten sie in der Pfalz auf den ersten Heimsieg in dieser Saison.

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Über dem Betzenberg ziehen längst graue Wolken auf. Nach neun Spieltagen belegt der FCK Platz 15. Die Patrone Trainer-Entlassung wurde schon abgefeuert. Ist Bader der nächste, der gehen muss? Ende des Jahres läuft sein Vertrag aus, eine Verlängerung steht momentan in den Sternen.

Nach Michael Frontzeck und Hildmann ist Schommers Baders dritter Trainer in rund 18 Monaten Amtszeit. Fest steht: Scheitert auch Schommers, war's das wohl für Bader. Die Roten Teufel hinken trotz eines von ihm gut zusammengestellten Kaders wieder mal den eigenen Erwartungen hinterher.

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Dooley: "Seit zehn Jahren nur bergab"

"Es geht jetzt schon seit zehn Jahren nur bergab und es muss endlich mal nicht nur gestoppt werden, sondern auch wieder in eine positive Richtung gehen", sagt der ehemalige FCK-Profi Thomas Dooley im Gespräch mit SPORT1.

Der 58-Jährige spielte von 1988 bis 1993 für den pfälzischen Traditionsverein und wurde mit dem FCK 1990 Pokalsieger und 1991 Deutscher Meister. Nach der Profikarriere wurde er Trainer. Gerade lebt Dooley in Hanoi. Der vietnamesische Rekordmeister FC Viettel will ihn für die neue Saison haben. Von Februar 2014 bis März 2018 arbeitete der Deutsch-Amerikaner sehr erfolgreich als Chefcoach der philippinischen Nationalmannschaft.

Zuletzt lag auch Dooleys Bewerbung auf Baders Schreibtisch. Der Ex-Profi macht keinen Hehl daraus, dass er gerne FCK-Trainer geworden wäre. Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Auf die Frage, ob mit Schommers der Erfolg zurückkommt, sagt Dooley: "Ich hoffe es für uns alle." Er sagt "für uns".

Auch eine andere ehemalige Klub-Ikone würde dem FCK gerne helfen, doch seit Jahren wartet Axel Roos vergeblich auf ein Signal des Vereins. Der 55-Jährige hat seit 2006 seine eigene Fußballschule in Kaiserslautern, nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Betzenberg entfernt. 

Axel Roos reiste mit den Kids seiner Fußballschule nach China zu einem internationalen Turnier. Hier mit dem Oberbürgermeister von Yangzhou (r.)
Axel Roos reiste mit den Kids seiner Fußballschule nach China zu einem internationalen Turnier. Hier mit dem Oberbürgermeister von Yangzhou (r.) © Privat

FCK-Ikone wehrt sich

"Ich bringe jedes Jahr mindestens drei Spieler nach der D-Jugend in ein Nachwuchsleistungszentrum. Aufgrund der Nähe ist der FCK dann die erste Anlaufstelle. Mittlerweile gehen einige Kids aber lieber nach Saarbrücken oder Elversberg, auch Homburg und der FK Pirmasens sind Nutznießer meiner Ausbildung", erklärt Roos bei SPORT1.

Das Gerücht, er würde nur für die TSG Hoffenheim ausbilden, kann Roos nicht mehr hören. "Ich bilde weder nur für die TSG noch für andere exklusiv aus. Ich bin da völlig neutral", stellt er klar. Der größte Nutznießer sei der FCK und es ärgert ihn, "dass sie von mir profitieren, aber doch gegen mich arbeiten. Ich habe lediglich eine gut funktionierende Kooperation mit Hoffenheim". Über 70 Kids im Alter von sieben bis 15 Jahre hat Roos zum FCK gebracht, lediglich drei nach Hoffenheim.

Seit langem ist er enttäuscht, weil er seinem Herzensverein - Roos spielte seine komplette Karriere für den FCK - nicht aktiv helfen kann. Sauer aufgestoßen ist Roos auch eine andere Sache. "Wenn die Jungs beziehungsweise deren Eltern schon in der E-Jugend abgeworben werden, dann ist das ein deutliches Zeichen. Da wird gegen mich gearbeitet."

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Seine erfolgreiche Arbeit mit seiner Fußballschule hat sich aber rumgesprochen, nur beim FCK offenbar nicht. "Wir waren zuletzt mit der U15 in China auf einem internationalen Turnier", berichtet Roos stolz, "und in der Heimat nimmt keiner Notiz davon."

Spiele wie gegen die U15 von Brescia, Jiangsu und die U15-Nationalmannschaft von Tadschikistan würden für seine Jungs unvergesslich bleiben. "Ich habe den Zuschlag bekommen und nicht der FCK. Allein das sollte ein Denkanstoß sein." Elf Tage war Roos mit den Kindern in der 4,5-Millionen-Stadt Yangzhou. Sogar der Oberbürgermeister nahm sich Zeit für eine Begrüßung. 

Christian Kühlwetter traf in der vergangenen Saison in 28 Spielen zwölf Mal, in der aktuellen Runde erzielte er in acht Partien nur ein Tor
Christian Kühlwetter traf in der vergangenen Saison in 28 Spielen zwölf Mal, in der aktuellen Runde erzielte er in acht Partien nur ein Tor © Getty Images

Nach Kuntz und Schupp kam nichts mehr

Dooley denkt ähnlich, was die Einbindung ehemaliger Spieler angeht. "Ich glaube, nach Stefan Kuntz (von 2008 bis 2016 Vorstandsvorsitzender, jetzt U21-Nationalcoach, d. Red.) und Markus Schupp (von Mai 2014 bis November 2015 Sportdirektor, d. Red.) sind die Verantwortlichen wohl davon abgekommen und denken, dass nur Leute außerhalb der Vereinsgeschichte den Klub erfolgreich machen können."

Bader ist bereit für ein Gespräch

Für den FCK würde Dooley sogar auf Geld verzichten.

"Unser FCK war vor Hildmann finanziell angeschlagen und ich hätte es erfolgsabhängig gemacht. Weil ich davon überzeugt war, dieser jungen Mannschaft weiterhelfen zu können."

Und wo geht es mit dem FCK hin?

"Hoffentlich nach vorne", meint Dooley. Man sollte den Aufstieg vergessen und sich auf das nächste Spiel konzentrieren. "Erst mal Stabilität reinbringen", rät er. "Schritt für Schritt." Vielleicht gilt das auch für Bader und Roos. Wie SPORT1 weiß, wäre der 51-Jährige einem klärenden Gespräch nicht abgeneigt.