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Der KFC Uerdingen entlässt Aufstiegstrainer Stefan Krämer nach nur einem Spiel in der Rückrunde. Das wirft Fragen auf. Welche Rolle spielt Investor Michail Ponomarew?

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Der KFC Uerdingen hat nach der empfindlichen 0:3-Heimniederlage gegen die Würzburger Kickers für einen Paukenschlag gesorgt. (SERVICE: Ergebnisse der 3. Liga)

Der Drittligaaufsteiger aus Krefeld hat am Montag Aufstiegstrainer Stefan Krämer entlassen. Der Zeitpunkt der Demission nach nur einem Spiel in der Rückrunde wirft Fragen auf. Wie geht es nun weiter? Und welche Rolle spielt der mächtige Investor Michail Ponomarew?

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Der Russe besitzt 97,5 Prozent der Anteile an der aus dem Gesamtverein ausgegliederten Profiabteilung. Die Krefelder umgehen die 50+1-Regelung damit, dass die Mehrheit der Stimmenanteile nach wie vor beim Verein liegt. Jedoch ist der mächtige Ponomarew gleichzeitig auch Präsident des eingetragenen Vereins und kontrolliert somit praktisch den gesamten Klub.

Fragwürdige Freistellung zweier Spieler

So verwunderte es wenig, dass es der Investor selbst war, der das Statement zur Entlassung von Krämer gab. Er begründete die Trennung damit, dass er und Krämer zu häufig "unterschiedliche Vorstellungen und Sichtweisen" gehabt hätten. Zunächst wird die Mannschaft vom bisherigen Co-Trainer Stefan Reisinger betreut. 

Zwei Tage später folgte die nächste Überraschung. Am Mittwoch wurden die beiden Profis Christopher Schorch und Tanju Özturk aus nicht näher definierten "disziplinarischen Gründen" freigestellt. Beide gehörten unter Ex-Coach Krämer zum Stammpersonal. Auch diese Personalentscheidung wirkt fragwürdig. Die beiden Spieler haben sich zumindest öffentlich nichts zu Schulden kommen lassen.

Die mit den ehemaligen Bundesligaprofis Kevin Großkreutz und Stefan Aigner gespickte Mannschaft performte schon in der Partie vor der Winterpause gegen Unterhaching nicht und verlor deutlich mit 0:4. Dann folgte beim aktuell Tabellenvierten der dritten Liga eine Transferoffensive. Mit Osayamen Osawe, Adriano Grimaldi und Roberto Rodriguez wurde das Team verstärkt. Nach dem enttäuschenden Rückrundenstart gegen Würzburg wurde die Zusammenarbeit mit Krämer nun beendet. (SERVICE: Tabelle der 3. Liga)

Effenberg und Magath im Gespräch

Und das, nachdem sich die Krefelder noch im Januar ganze zehn Tage in einem Trainingslager in der Türkei auf die Rückrunde vorbereitet hatte. Wohlgemerkt unter Krämer, dessen Statistik - bis auf die letzten beiden deftigen Klatschen - eigentlich für ihn spricht. Er übernahm den KFC im März 2018 und führte Uerdingen zum Aufstieg. In insgesamt 39 Partien unter seiner Regie hat Krämer einen Schnitt von 2,28 Punkten pro Spiel vorzuweisen.

Nur zwei Punkte trennen den KFC vom Tabellenzweiten, dem Karlsruher SC. Der Aufstieg liegt also mitnichten in weiter Ferne. 

Jetzt soll es trotzdem ein neuer Mann an der Seitenlinie richten. Offenbar einer mit prominentem Namen. Gerüchte halten sich vor allem um Stefan Effenberg.

Der ehemalige Trainer des SC Paderborn hatte sich bereits die Niederlage gegen Würzburg von der Tribüne aus angesehen und saß dabei unter anderem neben Präsident Ponomarew. Laut Informationen von Revier Sport denkt der Drittligist über Effenberg als neuen Trainer nach. Effenberg selbst, unter anderem SPORT1-Experte im Check24 Doppelpass, hält sich noch bedeckt.

Auch Felix Magath soll in der Verlosung sein.

Doch die Voraussetzungen für einen Neustart sind nach der abrupten Trennung von Krämer nicht gerade gut. Nun muss der neue Trainer mitten in der Saison einsteigen und hat keine Zeit, der Mannschaft Schritt für Schritt seine Ideen zu vermitteln.

Hausgemachte Unruhe

In Krefeld sind sie Ponomarew dankbar für dessen Unterstützung. Mit der Unterstützung des russischen Unternehmers gelang dem KFC der Weg aus der fünften Liga zurück in den Profifußball. In der laufenden Drittligaspielzeit soll der Etat des Klubs bei bis zu acht Millionen Euro liegen. Das macht die namhaften Spieler im Kader erst möglich.

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Ponomarew gilt aber auch als sprunghaft. Er war Anteilseigner des AFC Bournemouth in England, als der Aufstieg in die Premier League gelang. Nach dem Aufstieg verkaufte er seine Anteile und stieg 2016 beim KFC Uerdingen ein. Im September 2018 baute Ponomarew sein Engagement in Krefeld aus und wurde Gesellschafter beim Eishockeyklub Krefeld Pinguine. Anfang 2019 machten Gerüchte die Runde, dass Ponomarew beim Ligakonkurrenten 1. FC Kaiserslautern als Investor im Gespräch sei.

Zur aktuellen Situation halten sich Ponomarew und der Klub bedeckt. In der Einladung zur heutigen Pressekonferenz heißt es: "Fragen zu Stefan Krämer, einem möglichen Nachfolger sowie zu den Spielern Christopher Schorch und Tanju Öztürk werden wir nicht zulassen beziehungsweise nicht beantworten."