Mikhail Ponomarev wurde mit der KFC Uerdingen Meister der Regionalliga West
Mikhail Ponomarev wurde mit der KFC Uerdingen Meister der Regionalliga West © Getty Images
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München - Uerdingens Präsident Mikhail Ponomarev spricht vor der juristischen Entscheidung um den Aufstieg in die Dritte Liga bei SPORT1 über seinen angedrohten Rückzug.

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Am Montag um 17.30 Uhr wird die Entscheidung verkündet, ob der KFC Uerdingen nach der erfolgreichen Relegation gegen Waldhof Mannheim in die 3. Liga aufsteigen darf oder ob die Krefelder in der nächsten Saison doch wieder in der Regionalliga antreten müssen. 

Ein möglicher Formfehler des KFC könnte den Mannheimern doch noch den Aufstieg bescheren.

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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gab am Mittwoch bekannt, dass Uerdingen beim Zulassungsverfahren eine Frist versäumt haben könnte.

Die geforderte Liquiditätsreserve "ging nach derzeitigem Stand am Dienstag möglicherweise erst nach Ablauf der Ausschlussfrist ein", teilte der DFB mit. 

Trares: "Situation ist komisch"

Waldhof-Coach Bernhard Trares zeigte sich am Freitag bei SPORT1 hin- und hergerissen von der Hoffnung, nach einem eventuellen Lizenzentzug des KFC Uerdingen doch noch in die 3. Liga aufsteigen zu können: "In dem Moment, wo es eine andere Entscheidung gibt als Regionalliga, müssen wir natürlich noch einiges korrigieren. (...) Die Situation ist komisch."

Vor der Entscheidung im Lizenz-Drama spricht jetzt Uerdingens Präsident und Investor Mikhail Ponomarev im SPORT1-Interview Klartext.

SPORT1: Herr Ponomarev, Sie sagten, Sie sind geschockt von der aktuellen Situation. Wie bewerten Sie die Lage?

Mikhail Ponomarev: Die finanzielle Stabilität des Vereins und unser Ruf werden in Frage gestellt. Aber das ist zweifelsfrei falsch, wir sind einer der finanziell stärksten Kandidaten in der 3. Liga. Und wir haben in den vergangenen beiden Jahren sehr hart daran gearbeitet, um mit dummen Geschichten und Fragen der letzten zehn Jahre aufzuräumen. Ich bin immer noch sehr verärgert über die Situation, die jetzt herrscht.

SPORT1: Sie sagten, dass Sie Ihr Engagement nicht länger aufrechterhalten können, wenn der Klub nicht aufsteigt. Hat das nach wie vor Bestand?

Ponomarev: Ich habe über mein Engagement gesprochen. Engagement hat in Deutschland, soweit ich weiß, zwei Bedeutungen: 1. Enthusiasmus und Spaß und 2. Verbindlichkeit. Ich sprach über Ersteres. Es ist für mich emotional nicht möglich, in der kommenden Saison in der Regionalliga zu spielen, das kann ich einfach nicht. Und nicht nur für mich, auch für viele Spieler und den Trainer. Nicht, weil wir schlechte Menschen sind oder den KFC nicht mögen.

Nach so einer emotionalen Saison mit der harten Arbeit in allen Bereichen, ist es nicht nur schwierig, es ist unmöglich. Wir haben es uns verdient und erarbeitet, in der 3. Liga zu spielen. Diese Ansicht teilt auch ein Großteil der Fußball-Gemeinschaft. Was meine Verpflichtungen gegenüber den Mitgliedern und Fans betrifft, kann ich sagen, dass ich diese voll erfüllen werde. Da gibt es nichts zu diskutieren. Aber natürlich werden sich meine Rolle und meine Position ändern. Und das ist, denke ich, verständlich.

SPORT1: Hat sich der KFC gar nichts vorzuwerfen?

Ponomarev: Nein, wir haben dazu schon Stellung bezogen. Es gibt nichts Neues. Der KFC Uerdingen hat alles Nötige getan, zur richtigen Zeit, im richtigen Maß und in hoher Qualität. Das wurde uns auch offiziell von einem Prüfer bestätigt.

SPORT1: Wie haben Sie die emotionalen Aussagen von Torwart Rene Vollath via Facebook wahrgenommen?

Ponomarev: Ich kann seine Gefühle absolut verstehen. In diesen Tagen versuchen wir uns gegenseitig zu unterstützen. Wir sind ein Team.

SPORT1: Durch Ihren angekündigten Rückzug haben Sie einen gewissen Druck ausgeübt. War das sinnvoll?

Ponomarev: Das ist falsch. Es ist kein Druck. Ich muss ehrlich gegenüber unseren Mitgliedern und Fans sein. Die Schlüsselqualifikationen für unseren Erfolg sind der Spaß und unser Team-Spirit, unsere guten Beziehungen und unsere Qualität. Wenn wir den Spaß und den Spirit verlieren, werden wir niemals solche Ergebnisse erzielen, wie zuletzt. Aber ich persönlich und auch unsere Spieler möchten erfolgreich sein und für die höchsten Ziele kämpfen, die wir auch verdienen. Jeder muss die Chance bekommen, erfolgreich sein zu können. Ich mag folgendes Sprichwort sehr: 'Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.'

SPORT1: Was meinen Sie damit?

Ponomarev: Die vergangene Saison ist nicht zu wiederholen. Diese Spielzeit wird in die Geschichte des Vereins eingehen und ich bin sehr stolz darauf, ein Teil davon zu sein. Aber wir können uns nicht vor der Realität verstecken. Wie sollen wir in der kommenden Saison in der Regionalliga spielen? Das ist nicht möglich. Klar, der KFC kann das schon, aber die Mehrheit des Teams und des Managements kann das leider nicht. Das ist die Wahrheit.

Aber das hat nichts mit unseren Verpflichtungen zu tun. Alle Verbindlichkeiten und Zusagen werden erfüllt, aber in anderer Form. Vielleicht hören sich die Fragen und Antworten in diesem Zusammenhang eher pessimistisch an, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass am Montag eine positive Entscheidung fallen wird und ich mein Engagement gemeinsam mit dem KFC Uerdingen mit Spaß in der 3. Liga fortsetzen werde.