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DFB-Pressesprecher Jens Grittner erlebte mit Toni Kroos und dem DFB-Team alle Höhen und Tiefen. Im Podcast der Kroos-Brüder sprechen sie auch über negative Erfahrungen.

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Toni Kroos und sein Bruder Felix haben in ihrem Podcast "Einfach mal Luppen" DFB-Pressesprecher Jens Grittner zu Gast.

In der neuen Folge sprechen die drei Protagonisten über die erfolgreiche WM 2014, Hassreden im Netz und Interviews nach epochalen Niederlagen. Für Grittner, dessen Aufgabe es unter anderem ist, für die Spieler "den roten Teppich auszurollen", gab es einen schöneren Moment als die Übergabe des Pokals nach dem WM-Finale gegen Argentinien.

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"Toni du erinnerst dich an die Vorbereitung, die war ja auch immens schwierig und da sind wir ja so zusammengewachsen", erinnert sich Grittner. "Das war für mich vielleicht noch die bessere, tollere und geilere Erfahrung als zum Schluss den Pokal zu holen. Einfach zu erleben was da passiert ist: Da hat's irgendwie Klick gemacht während des Trainingslagers."

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Die Ansage von Löw und Flick 

Grittner nannte das 7:1 gegen Brasilien als weiteren Impuls, welche die Mannschaft enger aneinander rücken ließ. Er erzählte, wie er unmittelbar nach dem Spiel auf Anweisung von Jogi Löw und Hansi Flick auf die Euphorie-Bremse drücken musste: "Zu viel Euphorie ist auch falsch. Ich kann mich erinnern, wie es nach dem Spiel die klare Ansage von Hans Flick und Jogi Löw gab, dass noch überhaupt nichts gewonnen ist. Sie sagten: 'Hey, wir fliegen nach Rio und der letzte Schritt ist immer noch nicht getan'." Er fügte hinzu, dass das "sowohl sportlich als auch medial" galt. 

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Für Toni Kroos war das aber "medial nicht mehr aufzuhalten". Er begründete: "Nach so einem Spiel kannst du ja nur die Euphorie von innen bremsen - also innerhalb der Mannschaft. Aber nach außen bekommst du niemanden enteuphorisiert."

Jedoch zeigte die besagte Euphorie-Bremse ihre Wirkung. Deutschland trat konzentriert im Finale an und wurde Weltmeister.

Der Pressesprecher gewährte Einblicke, wie die Mannschaft nach dem 7:1 auf ihn wirkte: "Umso beeindruckender fand ich das Regenerationstraining einen Tag nach dem Brasilien-Spiel. Das Training war um 10.30 Uhr angesetzt - ihr aber standet schon um 10.20 Uhr auf dem Platz und da herrschte eine unglaublich konzentrierte Stimmung. Die Euphorie verschwand also bereits nach dem Spiel in der Kabine - das fand ich unglaublich beeindruckend. Unsere Aufgabe war es auch, die Euphorie aus Deutschland von euch fern zu halten, damit ihr euch ein Stück weit besser auf das Spiel fokussieren konntet." 

Toni Kroos kritisiert Umgang mit Social Media

Im weiteren Verlauf des Podcasts ging es um die Situationen nach epochalen Niederlagen des DFB. Grittner trafen dabei die heftigen Reaktionen der Fans persönlich. "Das was daraus resultierte: Diese unbändige Wut, die Aggressionen, Vorwürfe, Hate Speech - Dinge, die teilweise menschenverachtend sind und unter die Gürtellinie gehen. Das hat mich mehr getroffen als die Niederlagen selbst." 

Zudem hat es ihn "nachdenklich gemacht", dass die Kritiker einzig allein Jogi Löw für die 0:6-Niederlage gegen Spanien verantwortlich gemacht haben. (Auch interessant: Diese Clubs traut Bierhoff Löw zu)

Laut Toni Kroos sind für all das die Sozialen Medien verantwortlich: "So viele Vorteile Social Media auch hat. Es ist für viele Leute das beste Medium, um versteckt hinter einem anonymen Account ihren Frust und ihre Unzufriedenheit abzulassen." Kritik sei für ihn ohne Frage berechtigt, "aber es gibt halt auch Sachen, die unten drunter sind."

Grittner:"Trotzdem musst du irgendwie funktionieren"

Eine weitere epochale Niederlage war das WM-Ausscheiden 2018 gegen Südkorea. Der DFB-Pressesprecher gewährt Einblicke, wie er mit dieser Situation umgegangen ist: "Ja das tut natürlich weh, genauso wie es jedem Spieler wehtut. Und trotzdem musst du da irgendwie funktionieren. Ich versuche, die Minuten nach dem Spiel unabhängig vom Ergebnis zu gestalten. Ich weiß, was zu unseren Aufgaben und Verpflichtungen gehört. Und da darfst du keinen Unterschied machen, ob wir gewinnen oder verlieren - ob das jetzt wehtut oder wir im Freudentaumel sind."

Bemerkenswert findet er, dass es trotzdem Spieler gebe, "die sich in solch schwierigen Momenten den Medien stellen" können. Ihm selbst falle es schwer, dies den Spielern mitteilen zu müssen. 

Für Kroos gehört das aber dazu: "Die Spieler, die sich nur nach Siegen hinstellen, kannst du vergessen. Du musst auch in schwierigen Situationen den Arsch in der Hose haben, da hingehen zu können und das auch mit dem Wissen, dass egal was du sagst, du letztlich eh nur kritisiert wirst."