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München - Juve-Präsident Andrea Agnelli gilt als Strippenzieher bei der Gründung der Super League, führt die Verbände an der Nase herum und nimmt auch keine Rücksicht auf Familienbande.

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Vielleicht nehmen Baya und Giacomo Dai Agnelli ihren Vater Andrea ordentlich ins Gebet.

Dass er das doch lassen solle, mit der Super League.

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Es gehe ja auch um Onkel Aleks. Also UEFA-Boss Aleksander Ceferin, der Taufpate der Agnelli-Tochter ist.

Allein: Die Familienbande zwischen den Agnellis und Ceferins dürfte nachhaltig gestört sein. Da dürfte auch ein gutes Wort der Agnelli-Sprösslinge nichts mehr bewirken.

Ceferin: "So hartnäckig gelogen"

"Andrea Agnelli ist für mich die allergrößte Enttäuschung. Ich habe noch nie eine Person getroffen, die so hartnäckig gelogen hat", sagte Ceferin am Montag.

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Doch es geht um mehr als enttäuschte Freundschaften. Die angekündigte Gründung der Super League, deren Vizepräsident Agnelli wird, ist eine Kriegserklärung gegenüber der Champions League. Sie ist ein Frontalangriff auf die Europäische Fußball Union UEFA und den Weltverband FIFA, deren verantwortliche Personen diesmal ausnahmsweise nicht als böse Buben dastehen, sondern als Opfer. (SPORT1-Kommentar zur Super League)

Einer der neuen bösen Buben des Fußballs heißt Andrea Agnelli. Man kann auch sagen: Er ist die neue Hassfigur. In Ungnade gefallen bei allen Vereinen außer dem "dreckigen Dutzend", wie Ceferin die zwölf Gründungsklubs der Super League abschätzig bezeichnete. Bei den Fans, den Ligen und Verbänden, ja sogar bei Politikern wie Englands Premierminister Boris Johnson. (Die Reaktionen zur Super League)

Samstagnachmittag sei Agnelli von FIFA-Vertretern angesprochen worden auf die Super-League-Gerüchte, führte Ceferin aus: "Er hat gesagt, da sei nichts dran. Er melde sich später. Und dann war sein Telefon aus. Geldgier scheint so stark zu sein, dass sie alle anderen Werte übertrumpft. Geldgier, Habsucht und Narzissmus einiger weniger."

Erbe der Turiner Unternehmerdynastie

In seiner Rolle als Chef der europäischen Klubvereinigung ECA und Mitglied der UEFA-Exekutive war Agnelli maßgeblich an den Plänen zur Champions-League-Reform, die trotz des Fußball-Bebens beschlossen wurde, beteiligt. Nun hat er die Seiten gewechselt und seinen Klub Juventus Turin mitgenommen auf die dunkle Seite. Oder, wie Ceferin es ausdrückt: "die Atombombe gezündet".

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Andrea Agnelli, das ist auch alter italienischer Geldadel, der Erbe der Turiner Unternehmerdynastie. Er studierte an der St Clare's International School in Oxford und später an der Universität Bocconi in Mailand. Er arbeitete schon für Ferrari, ist unter anderem Vorstandsmitglied von Fiat. Zudem ist der 45-Jährige der vierte Juve-Präsident mit dem Familiennamen Agnelli.

Zusammen mit Real-Präsident Florentino Pérez gilt Agnelli als treibende Person und Strippenzieher bei der Gründung der Super League. Es geht vor allem um Geld, viel Geld. (Unmoralisches Angebot an Bayern und BVB)

Es geht um 3,5 Milliarden Euro

Laut Ankündigung der Super League werden die Gründungsvereine von der Investmentbank JP Morgan Chase 3,5 Milliarden Euro erhalten. Also würde jeder Klub etwa 300 Millionen Euro bekommen. Es wäre etwa das Dreifache dessen, was der FC Bayern als Champions-League-Sieger 2020 einnahm.

Noch hat Ceferin die Hoffnung, die Super-League-Macher zur Einkehr zu bewegen. Auch mit Drohungen und Sanktionen. Der Ausschluss der Klubs aus der Champions League und der jeweiligen Spieler von Welt- und Europameisterschaften gehört dazu. Ob sich das rechtlich realisieren lässt, ist aber fraglich.

"Wir werden alles tun, damit das Projekt der Super League nie das Licht der Welt erblickt", stellte Ceferin klar.

Vielleicht kann auch sein Patenkind vermitteln.