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München - Marian Sarr galt einst als das Innenverteidiger-Talent in Deutschland. Doch dann ging es Stück für Stück abwärts. Bei SPORT1 spricht er nun über seine Karriere.

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So verschieden können Karrieren verlaufen.

Marian Sarr spielte einst bei Borussia Dortmund und bekam den Vorzug vor Niklas Süle. Die Verantwortlichen des BVB hatten 2013 die berechtigte Hoffnung, Süle unter Vertrag nehmen zu können. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

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Doch es kam anders, wie Sven Mislintat, von 2006 bis 2017 Chefscout und Leiter Profifußball bei den Dortmundern, zuletzt im Podcast Kicker meets DAZN verriet. "Ein echter verpasster Transfer war Niklas Süle", erzählte der heutige Sportdirektor des VfB Stuttgart: "Er hat damals mit Marian Sarr in der U17-Nationalmannschaft gespielt. Wir haben uns schließlich für Sarr und gegen Süle entschieden."

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Rückblickend betrachtet zumindest eine eher unglückliche Entscheidung. Sarr wechselte im Januar 2013 von Bayer Leverkusen zur Dortmunder U19. Es schien seine große Stunde zu schlagen, weil Mats Hummels und Neven Subotic verletzt waren. Trainer Jürgen Klopp hielt damals große Stücke auf Sarr, doch den Durchbruch im Kader der ersten Mannschaft schaffte der Innenverteidiger nie.

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Im Dezember 2013 brachte er es binnen zwei Wochen auf zwei Bundesliga- und einen Champions-League-Einsatz für den BVB. Für Sarr sollten diese drei Partien allerdings die einzigen im Trikot der Borussia bleiben.

Marian Sarr: "Andere Erwartungen oder Träume"

"Natürlich hatte ich andere Erwartungen oder Träume. Aber es gab verschiedenen Gründe, warum es nicht zu der Karriere kam, die ich mir gewünscht oder die mir andere Personen zugetraut hätten", sagt Sarr im Gespräch mit SPORT1.

"Zum einen haben sicher auch Verletzungen dazu beigetragen, dass ich immer mal wieder raus geworfen wurde und nicht in den Spielrhythmus kam, den andere hatten", erklärt der 26-Jährige und ergänzt: "Ich war vielleicht etwas zu nachlässig und in den entscheidenden Momenten hat dann die entsprechende Konsequenz gefehlt. Und eine gewisse Selbstverständlichkeit, dass ich weiterhin an mich geglaubt habe."

Sein früherer Trainer erinnert sich an ihn. "Ich habe Marian aus Aalen nach Jena geholt. Da wir nicht allzu viel Kleingeld im Portemonnaie hatten, war unser Ansatz damals, Spieler zu verpflichten, die über viel Potenzial verfügen, die aber ihren Durchbruch im Profifußball aus unterschiedlichen Gründen bis dato nicht geschafft haben. Marian war einer davon", sagt Lukas Kwasniok, aktuell Trainer beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken, zu SPORT1.

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Seit Jahresanfang beim Bonner SC

2016 verließ Sarr Dortmund und schloss sich dem VfL Wolfsburg II an. Nach Stationen beim VfR Aalen und Carl Zeiss Jena war er zwischenzeitlich sogar vereinslos. Seit Anfang dieses Jahres steht der 26-Jährige beim Regionalligisten Bonner SC unter Vertrag.

"Für die Jungs, die es nicht nach ganz oben packen, ist es immer schwer zu akzeptieren", meint Kwasniok. Sarr sei ein "ganz netter, feiner, aber auch sensibler Mensch. Zum damaligen Zeitpunkt waren Körper und Geist aus meiner Sicht bei Marian leider mit den Anforderungen und dem Druck des Profisports nicht in Einklang zu bringen".

Gleich im ersten Spiel für Jena unterliefen Sarr zwei Eigentore. "Der Glaube an sein Potential war dennoch ungebrochen. Leider konnte sich jedoch die Mannschaft nicht stabilisieren, so dass wir nach einigen Spielen personelle Veränderungen vornehmen mussten. Dies betraf auch Marian." Dass er Chancen ungenutzt ließ, findet Kwasniok "sehr schade".

Jürgen Klopp hielt viel von Marian Sarr (r.), der 2013 unter ihm Champions League spielte
Jürgen Klopp hielt viel von Marian Sarr (r.), der 2013 unter ihm Champions League spielte © Imago

Gedanken ans Aufhören

Hat Sarr je ans Aufhören gedacht? "Es gab eine Phase in Aalen und insbesondere in Jena, in der ich mir Gedanken gemacht habe, als der Fußball für mich schwierig wurde beziehungsweise Dinge reingespielt haben, durch die es persönlich wurde. Da habe ich mich schon gefragt, ob sich der ganze Aufwand lohnt", gesteht er.

"Der Spaßfaktor ist komplett flöten gegangen. Aber ich habe in meiner Jugend viel Zeit für den Fußball geopfert, und da ist ein gewisses Talent, das ich nicht wegwerfen will, nur weil andere Leute nicht an mich glauben. Ich weiß, was ich kann und lasse mich nicht mehr verunsichern."

Für Kwasniok ist der Karriereverlauf seines früheren Schützlings fast tragisch. "Er ist wirklich ein anständiger, wohlerzogener Bursche, aber sehr harmoniebedürftig. In den Gesprächen war in seiner Stimme durch die vielen Rückschläge in der Vergangenheit eine gewisse Niedergeschlagenheit herauszuhören."

Sarr zeigt sich geläutert

Sarr muss seinem ehemaligen Coach da zustimmen. "Ich war vielleicht etwas zu nachlässig und in den entscheidenden Momenten hat dann die entsprechende Konsequenz gefehlt. Und eine gewisse Selbstverständlichkeit, dass ich weiterhin an mich geglaubt habe."

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Glaubt Kwasniok daran, dass Sarr noch mal die Kurve kriegt? "Persönlich würde ich es ihm wirklich wünschen - betrachtet man es jedoch nüchtern, muss man leider sagen, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird."

Anders bei Süle. Er wechselte im Sommer 2017 nach sieben Jahren bei der TSG Hoffenheim zum FC Bayern, wo er sich zu einer wichtigen Stütze in der Defensive entwickelt hat. Mit den Münchnern gewann der 25-Jährige einmal die Champions League, drei deutsche Meisterschaften und zweimal den DFB-Pokal. (Die Tabelle der Bundesliga)

In knapp vier Jahren kommt Süle beim deutschen Rekordmeister auf 130 Pflichtspiel-Einsätze. Für Deutschland bringt es der gebürtige Frankfurter auf 29 Länderspiele.

Marian Sarr (M.) und Niklas Süle (2.v.r.) standen im Mai 2012 bei der U17-EM gemeinsam für Deutschland auf dem Feld
Marian Sarr (M.) und Niklas Süle (2.v.r.) standen im Mai 2012 bei der U17-EM gemeinsam für Deutschland auf dem Feld © Imago

"Die Rückschläge haben mich reifen lassen"

Sarr, der Süle einst Paroli geboten hatte, glaubt trotz der vielen Rückschläge weiter an sich: "Ich will es nochmal wissen, bin jetzt in einem Alter, wo ich gewisse Dinge anders betrachte. Die Rückschläge haben mich reifen lassen. Durch das halbe Jahr Vereinslosigkeit bin ich jetzt in einer körperlichen Verfassung, die mir zeigt, was mir in den zurückliegenden Jahren gefehlt hat."

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In Wolfsburg habe Valérien Ismael an ihn geglaubt. "Er hat mir besonders geholfen, hat trotz meiner schweren Zeit in Dortmund an mich geglaubt. Die Zeit in Aalen war fußballerisch hinten raus schwierig, in Jena war es fußballerisch und menschlich ein Desaster. Da habe ich gemerkt, wie das Geschäft auch sein kann. In Bonn ist vieles gut und ich bin selbstbewusster als früher", erzählt Sarr.

Und weiter: "Ich kann nochmal angreifen. Eine Rückkehr in den Profifußball ist nicht ausgeschlossen. Nur, weil man älter ist, wird man nicht schlechter. Viele Spätzünder kriegen noch mal die Kurve."

Doch dass Sarr je wieder mit Süle um einen Stammplatz kämpfen wird, daran dürfte auch er seine Zweifel haben.