Klaus Schlappner bejubelt ein Waldhof-Tor
Hutträger Klaus Schlappner avancierte zum Gesicht des SV Waldhof Mannheim © Imago
Lesedauer: 6 Minuten

München - Unser Kolumnist Ben Redelings blickt wöchentlich auf die kuriosesten, lustigsten und unterhaltsamsten Highlights der Ligageschichte zurück.

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Rudi Völler war nicht mehr zu beruhigen!

Gerade hatte er dem gegnerischen Trainer seinen Hut vom Kopf gerissen und weggeworfen, nun giftete er nach der hitzigen Partie via Mikrofon wütend weiter: "Da zieht der Schlappi über die Nationalelf und Beckenbauer her und bezeichnet uns fast als Blinde. Und selbst spielt er diesen blinden Bauernfußball."

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Hitzkopf Völler gegen Waldhof-Coach Schlappner

Mit Schlappi war der Waldhöfer Coach Klaus Schlappner gemeint, der die Slapstick-Einlage nach dem 2:2 in der Saison 1984/85 in Bremen sichtlich entspannt kommentierte: "Ich habe mich mit Rudi Völler unterhalten wie eh und je."

Eine humorvolle Relativierung des irren Spektakels, die den Hitzkopf Völler nicht unbedingt gut aussehen ließ – und die Lacher auf Seiten Schlappis sicherte.

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Für einige Jahre in den Achtzigern war der Mann mit dem Pepita-Hut nicht aus der Bundesliga wegzudenken. Bei Waldhof Mannheim war der Trainer der Star des Teams.

Ein Mann, der sich stets betont volksnah gab: "Zwischen den Spielern auf dem Rasen und den Fans hinterm Zaun darf menschlich keine Distanz herrschen."

Schlappner war ein "ziemlicher Menschenfeind" 

Der "bunte Hund der Liga" war manch Alteingesessenen jedoch etwas zu vorlaut. "Pumuckl der Bundesliga", "Mickeymaus" und "Clown" schimpften sie ihn – und verschafften ihm so ungewollt noch mehr Popularität. 

Ohne Frage, Klaus Schlappner war ein ganz spezieller Charakter und ein "ziemlicher Menschenfeind", wie sein ehemaliger Spieler Michael Krätzer einmal erzählte.

Wenn die Mannschaft Torschusstraining machte, habe Schlapper den Kasten immer in der Nähe von einigen Kiebitzen aufbauen lassen. Klare Ansage des Übungsleiters im Anschluss: "Wer einen Rentner trifft, hat Feierabend!"

Der Elektromeister führte seine Firma, die er parallel zum Job als Bundesliga-Coach betrieb, wie den SV Waldhof Mannheim mit einer knallharten Maxime im Kopf: "Ich habe schon oft betont, dass ich den Klub wie meinen Betrieb sehe. Da gibt es eine permanente Leistungskontrolle, ohne Sentimentalitäten. Randfiguren, die nicht mitziehen, werden verramscht, weg damit." 

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Schlappner zu Linienrichter: "Muss ich dir erst eine reinhauen?" 

So unzweideutig er in Verein und Unternehmen agierte, so direkt war auch seine Ansprache auf dem Platz. Einmal setzte er einem Linienrichter sogar eine Brille auf die Nase und fauchte ihn anschließend an: "Kannst du nicht richtig gucken? Muss ich dir erst eine reinhauen?"

Klaus Schlappner regierte mit seinem berühmten Pepita-Hut auf dem Kopf und Schnauzbart im Gesicht beim badischen SV Waldhof Mannheim ganz so, wie es ihm gefiel. In den Jahren von 1983 bis 1987 war Klaus Schlappner quasi der Verein.

"Mit Erfolg gegen den Strom" (so der Titel seiner Autobiographie) hatte sich der mit dem "Sepp-Herberger-Preis" ausgezeichnete Trainer nach vorne in die Eliteliga und in das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gekämpft. 

Schlappner, der während seiner Zeit beim 1. FC Saarbrücken seinen Spieler Anthony Yeboah als "meinen Schwarzwälder" bezeichnete und einmal gesagt haben soll, "Der Schwarze ist undiszipliniert, verträgt den Winter nicht und hat Malaria", eckte oft an. Doch das schien ihn nie besonders zu stören. 

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Schlappner wagt Ausflug in die Politik 

Auch seinen Ausflug in die Politik beschrieb er in seinem Buch aufreizend nüchtern und ohne einen Hauch von Reue: "Um die Politik habe ich mich auch gekümmert. Es gab da so verschiedene Dinge, die mir einfach nicht einleuchten wollten. 1967 stellte die NPD Lampertheim mich, den politischen Dickkopf, als Kandidat auf. Ich glaubte, mit dem Schädel durch die Wand gehen zu müssen, Ratschläge von Älteren, von meinem Vater und meiner Familie ignorierte ich. Meine Entscheidungen traf ich spontan und direkt, oft unüberlegt. Bis mir dämmerte: Davon verstehst du nichts, lass die Finger davon."

Und gerechnet hatte sich dieser Ausflug ins Politische für ihn ebenfalls nicht: "Ich schrei mir doch nicht um null und nix Prozent die Lunge aus dem Hals."

Bei dieser Vita verwunderte es damals schon so manchen Fußballfan, als Schlappner zum Nationaltrainer von China berufen wurde. Doch die Chinesen waren tatsächlich bereits Jahre zuvor auf ihn aufmerksam geworden. Zwei Trainer aus dem Reich der Mitte, Lin und Jen, waren extra aus Fernost mit einem Dolmetscher im Gepäck zu ihm in die deutsche Provinz gereist. 

Schlappner wird Nationaltrainer von China 

Schlappner nahm sie zu allen möglichen privaten, geschäftlichen und sportlichen Veranstaltungen mit, "so dass sie nicht nur unsere Trainingsmethode studieren, sondern auch die Mentalität der Deutschen kennen lernen konnten".

Täglich machten sich die beiden chinesischen Trainer Notizen in ihre dicken Blöcke. Und Schlappner war ganz begeistert davon: "Ich glaube, die schreiben sogar meine Witzchen mit!" 

Als er dann schließlich 1992 als Nationaltrainer ins Reich der Mitte ging, berichtete er schon bald sichtlich stolz nach Deutschland: "Es gibt hier bereits T-Shirts mit meiner Birne."

Das stimmte. Doch überraschenderweise hatte er darauf seinen Pepita-Hut mit der sogenannten "Mao-Mütze" mit dem roten Stern vorne drauf eingetauscht. Aber volksnah war er ja schon immer, der unvergessene Waldhöfer Bub "Schlappi"!

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Das Buch zur SPORT1-Serie ist ein gern gelesener Bestseller: "Best of Bundesliga: Die lustigsten Legenden des deutschen Fußballs". Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".

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