Felix Tamsut kam 2015 für ein Praktikum aus Israel nach Deutschland - und blieb
Felix Tamsut kam 2015 für ein Praktikum aus Israel nach Deutschland - und blieb © SPORT1-Grafik: Privat/SPORT1
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Felix Tamsut kam aus Israel nach Köln. Dort waren ihm Fußball und Karneval wichtige Integrationshilfen. Die Sprache hat er auf Auswärtsfahrten im Zug gelernt

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Felix Tamsut ist 28 Jahre alt, als er 2015 für ein Praktikum bei der Deutschen Welle aus Israel nach Bonn kommt. Sechs Monate später erhält er das Angebot, zu bleiben, nimmt an und zieht nach Köln, wo er seither lebt, liebt und über Fußball und die gesellschaftliche Bedeutung des Sports schreibt.

Fast alles an diesen Begebenheiten ist zufällig, bis auf eine, denn: "Fußball war immer ein Thema in meinem Leben." Die Beschäftigung mit dem rollenden Ball, aber auch der gesellschaftlichen Dimension des Sportes, insofern vielleicht absehbar.

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Als Kind kommt Tamsut in Kontakt mit Fußball, da sein Vater, heute ultraorthodoxer Rabbiner, als Jugendtrainer arbeitet. Der Klub, mit dem er es im Aufwachsen hält, ist Manchester United, und über die Jahre sieht er viele Auswärtsspiele der Red Devils.

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Tamsut arbeit als Ordner im Fußballstadion

Neben seinem Studium jobbt Tamsut als Ordner beim Basketball und im Fußballstadion. "Da habe ich aus erster Hand gesehen, was für eine faszinierende Sache Fankultur sein kann. Das werde ich nie vergessen."

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Der Journalist spricht von einer "Sprache der Fankultur", die er bereits versteht, als er nach Deutschland kommt. Darüber erschließt er sich das Land, in Verbindung auch mit der Fünften Jahreszeit in Köln. Die Sprache selbst lernt er auf stundenlangen Auswärtsfahrten in Zügen quer durch das Land.

"Fußball und ein bisschen Karneval waren mein Integrationskurs. Und dank dieser zwei Lieben in meinem Leben kann ich Deutsch sprechen."

Der heute 34-Jährige weiß, dass seine Geschichte ungewöhnlich ist, immerhin haben gerade Karneval und Fußball auch immer wieder Probleme mit Themen wie Rassismus, Sexismus und Antisemitismus.

Wie kann es sein, dass Tamsut als einer, der in seiner Arbeit intensiv gegen diese Dinge kämpft und den sie als Jude auch persönlich betreffen, gerade hierüber seinen Zugang zu dem Land finden konnte?

"Pass mal auf, die hassen uns immer noch"

Und welche Rolle spielte dabei die deutsche Geschichte, das Wissen um den Holocaust – für ihn, aber auch für seine Familie, die ihn ziehen ließ?

Als Mizrachi Jude, also Jude nordafrikanischer Herkunft, sei der Holocaust in seinem Leben etwas weniger präsent gewesen, erklärt Tamsut. Seine Oma allerdings habe ihn gewarnt, als er nach Deutschland zog: "Pass mal auf, die hassen uns immer noch."

Die Stadt am Rhein sei für ihn dann das perfekte Pflaster gewesen, sinniert er. "Ich habe eine gute Erziehung gehabt in Köln, das hat mich sehr geprägt."

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Der Karneval, den Tamsut in linken Kneipen erlebt, ist einer, bei dem Menschen in rassistischen Kostümen draußen bleiben müssen, der Fußball, in den er sich verliebt, einer, der ihn mit offenen Armen in seiner Mitte aufnimmt.

Tamsut: Als Ordner die ekelhaftesten rassistischen Lieder gehört

Die journalistische Arbeit, die Tamsut heute im Bereich Fankultur leistet, ist beispielhaft. Dazu gehörte auch eine persönliche Entwicklung, wie er offen erzählt. "Als ich Ordner war, habe ich die krassesten, ekelhaftesten rassistischen, sexistischen Lieder gehört."

Lange habe er sich daran nicht gestoßen. "Die Erkenntnis, dass manche Lieder, Sprüche und Begriffe nicht okay sind, habe ich durch die Fankultur erfahren." Zu sehen, was diese Art der Sprache mit eben jenen Menschen macht, die sie trifft, hat ihn sensibilisiert: Das trägt er in seiner Arbeit weiter.

Daraus ergibt sich ein neuer, komplizierter Lernprozess, nämlich der, mit herabsetzenden und diskriminierenden Nachrichten zu leben, die er rund um seine Arbeit bekommt. Er hat mit der Zeit Wege gefunden, damit umzugehen, doch es hinterlässt ihn nicht unberührt.

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"Es gibt kein einziges Mal, dass es mich nicht trifft. Die Frage ist: Wie." Die Abwehrmechanismen, mit denen er sich innerlich gegen Angriffe wappnet, sind für Tamsut Normalität. "Wenn man Jude ist, hat man in der DNA die Realität, dass man dich hasst", sagt er ruhig.

Zu hören, wie der Journalist darüber fast beiläufig redet, sollte jede*n von uns dramatisch daran erinnern, dass es unsere Aufgabe ist, Ausgrenzung nicht hinzunehmen, sondern jeden Tag dagegen einzustehen.