Peter Hyballa traininert den polnischen Erstligisten Wisla Krakau
Peter Hyballa traininert den polnischen Erstligisten Wisla Krakau © Imago
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München - Die Herausforderungen für Fußball-Trainer werden immer komplexer. Im SPORT1-Podcast "Leadertalk - Fußballtrainer im Gespräch" redet Hyballa mit Business-Coach und Autor Mounir Zitouni über gutes Leadership und Führungsqualitäten.

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Aktuell trainiert Peter Hyballa den polnischen Erstligisten Wisla Krakau.

Mit der direkten Art und seinen unverblümten Aussagen fällt der gebürtige Bocholter aus dem Rahmen und gilt als eine Art Rebell im deutschen Trainergeschäft. Im SPORT1-Podcast "Leadertalk - Fußballtrainer im Gespräch" redet Hyballa mit Business-Coach und Autor Mounir Zitouni über langweilige Trainer von den Universitäten, warum die Nachwuchsleistungszentren keine Persönlichkeiten mehr hervorbringen und dass die "Fußball-Basics" wichtiger sind als "Pep-Guardiola-Gedächtnisübungen".   

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Zu viele Taktiknerds

Für Peter Hyballa macht die richtige Mischung einen guten Trainer aus. "Es gibt Cheftrainer, die sind taktische Nerds, die fragen aber nie: Lebt dein Vater noch? Die brauchen unbedingt einen, der das Empathische draufhat. Ich glaube, dass wir zu viel Taktiknerds haben, zu viele langweilige Trainer von den Universitäten."

Und weiter: "Wir sind totale Studenten-WG’s geworden, Viele Trainer haben selbst noch keine Krise erlebt, die haben nullkommanull Persönlichkeit. Sie haben selber noch nie ein anderes Land gesehen. Profifußball ist ein Drecksgeschäft, da fliegen dir die Patronen um die Ohren."

Ein anderes Problem sieht Hyballa darin, dass zu viele Experten bei der Entwicklung von Spielern mitreden wollen. Dabei "bist du ja als Trainer schon Lucky Luke. Du bist ein Einzelgänger, Einzelkämpfer, obwohl du mit einem Team arbeitest. Dann kommen ganz viele Leute von der Universität. Dann will jeder in diese Talentsuppe sein Gewürz reingeben. Ich spüre bei Cheftrainer oft, dass sie mit allen irgendwie kooperieren müssen. Ich merke dann, dass sechs, sieben Verantwortliche auf einmal mit Spielern sprechen. Es wird so ein enormer Druck auf Trainer gelegt. Und die machen unheimlich Druck auf die Spieler. Da ist keine Freiheit mehr da. Du hast ja manchmal mehr Staff als Spieler."

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Der 45-jährige glaubt: "Unsere Spieler werden zu sehr in Watte gepackt. Die Basics, dribbeln, schießen, passen, köpfen ist wichtiger als 11 gegen null, Pep-Guardiola-Gedächtnisübungen und Periodisierung."

Hyballa setzt auf alte Schule

Hyballa findet, dass das Akademische gerade auch beim Nachwuchs übertrieben wird. "Ich hasse ein Wort in NLZ: Zielvereinbarungsgespräch. Wir Deutsche sind gut im Plänemachen, das finde ich zum Kotzen. Ich bin mehr Instinkt." Deshalb hat er sich zuletzt in den Nachwuchsabteilungen der Bundesligisten auch nicht mehr so wohl gefühlt, wie im Falle von Bayer Leverkusen: "Es gab unheimlich viel Konzeptsprache. Auf einmal fingen wir mit Yoga an, ein, zwei Psychologen, die mir auch immer erzählen wollten, wie es geht. Sehr viel Periodisierung, sehr viele Tests, sehr viele Protokolle, das war nicht so meins", sagt er.

Was den Umgang mit Spielern angeht bedient sich Hyballa gerne auch mal der alten Schule: "Heute, in dieser Soft-Generation, denkt man, wenn man schreit, dass du einen niedermachst, aber das ist auch Liebe. Dein Vater hat dich ja auch mal angeschrien, er hat dich in den Arm genommen. Jetzt auch in Krakau, ich habe so viele Spieler, die sehen mich ja viel mehr als ihre eigenen Eltern. Wenn ich die jetzt emotionalisiere, packe, motiviere und das mit Technik, Taktik verbinde, dann ist es perfekt."

Hyballa sieht sich auf einer Linie mit vielen Kollegen seiner Generation.

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"Ich will das Beste aus dir"

"Wir waren Pioniere. Anfang 2000 war es noch unmöglich, dass Julian Nagelsmann Profi-Trainer wird. Wir waren im Steinbruch und hatten unsere Ideen als junge Trainer. Das war die Generation Tuchel, Kauczinski, Frank Schäfer, Norbert Elgert, Sascha Lewandowski, Christian Streich und interessant war, mit den Talenten umzugehen. Ich habe sie gefordert, immer moderiert: Ich will das Beste aus dir. Ich habe sie immer auch geliebt. Das waren ein bisschen meine Söhne. Ich habe aber deutlich gesagt, was ich haben möchte. Wenn ich das nicht bekommen habe, dann sind auch mal Hütchen durch die Luft geflogen. Da habe ich auch mal den Lauten gemacht. Da bin ich auch mal in eine Sprache gegangen, die nicht immer so ganz fein ist, die für Sport gut ist. Aber ich habe vorher eine Beziehung aufgebaut mit denen. Ich wusste immer von den Problemen der Spieler."

Mounir Zitouni (50) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seit dem 1. Januar 2019 als Businesscoach, betreut Sportler, Trainer und Führungskräfte in punkto Auftreten, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Der ehemalige Profifußballer (OFC, SV Wehen, FSV Frankfurt, Esperance Tunis) hat zuletzt die Autobiographie von Dieter Müller verfasst und veröffentlicht regelmäßig eine Kolumne auf www.sport1.de.