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München - In der laufenden Saison zählt Christoph Kramer zu Gladbachs Dauerbrennern. Im SPORT1-Interview spricht er auch über Trainer Marco Rose und die EM-Chancen der DFB-Elf.

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Christoph Kramer zählt in dieser Saison zu den Dauerbrennern bei Borussia Mönchengladbach.

Der Mittelfeld-Star hat mit 28 Pflichtspiel-Einsätzen die drittmeisten aller Fohlen-Feldspieler. Im SPORT1-Interview spricht der 2014er Weltmeister, der nächste Woche 30 wird, über das Wechsel-Theater um Trainer Marco Rose, Corona-Impfungen und die EM-Chancen der deutschen Nationalmannschaft.

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SPORT1: Das Derby gegen Köln ging mit 1:2 verloren. Hat sich Trainer Marco Rose mit der Rotation verzockt?

Kramer: Die Rotation hat dem Trainer in den letzten anderthalb Jahren recht gegeben. Wir haben einen qualitativ hochwertigen Kader. Jetzt hat es einmal nicht geklappt, da darf man aber nicht gleich sagen, dass er sich verzockt hat. Wenn wir jedes zweite Spiel wegen der Rotation verlieren, würde ich von verzockt sprechen. Das ist mir bei einem Spiel aber viel zu kurzsichtig.

Rose zum BVB? "Das Thema kannst du gar nicht ausblenden"

SPORT1: Die Fans sind deshalb sauer. Können Sie den Unmut der Anhänger verstehen?

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Kramer: Natürlich. Wir sind selbst total sauer auf uns. Ein Derby zu verlieren, ist nicht schön. Es tut weh, wenn die Kölner in unserem eigenen Stadion diese Eckfahnen-Spielchen machen. Aber solche Sperenzchen gehören zum Fußball dazu.

SPORT1: Marco Rose könnte im Sommer dank einer Ausstiegsklausel zum BVB wechseln. Hand aufs Herz: Wie sehr stört das Thema die Mannschaft?

Kramer: Das Thema kannst du gar nicht ausblenden. Wir registrieren das schon, es ist aber nicht so, dass wir in der Kabine großartig darüber sprechen. Das Thema ist für die Medien natürlich mega-interessant. Max Eberl war in der Vergangenheit auch schon gefühlt in München. Ich sehe es positiv, wenn unsere Akteure bei anderen Vereinen im Gespräch sind. Neben dem Trainer haben wir ja noch ein paar andere Spieler, bei denen wir nicht wissen, ob sie bleiben oder gehen. Aber das gehört dazu. Solche Dinge beeinträchtigen uns als Mannschaft in unserer Leistung nicht. Die Uhr wird sich auch im Mai oder Juni weiterdrehen – egal mit welchem Trainer, egal mit welchem Personal.

SPORT1: Neben Rose ist auch Florian Neuhaus, mit dem Sie eine Fahrgemeinschaft bilden, beim BVB im Gespräch. Verbessert man sich heutzutage überhaupt noch mit einem Wechsel von Gladbach nach Dortmund?

Kramer: Borussia Dortmund zahlt dir sicherlich deutlich mehr Gehalt. Der BVB kann dir in fünf Jahren wahrscheinlich fünfmal die Teilnahme an der Champions League garantieren. Das kann Gladbach nicht. Es ist also in bestimmten Punkten schon noch ein Sprung von Gladbach nach Dortmund, aber meiner Meinung nach ist dieser nicht mehr so groß. Ein Wechsel ist immer auch mit einem Risiko verbunden. Und dieses Risiko muss man nicht mehr unbedingt in Kauf nehmen. Der Schritt ist definitiv kleiner geworden und meiner Meinung nach so klein, dass er sich vielleicht gar nicht mehr lohnt.

SPORT1: Sie werden in der nächsten Woche 30 Jahre alt. Haben Sie Angst vor dieser Zahl?

Kramer: Zugegeben, 30 zu werden ist schon komisch. Das ist eine Zahl, die schon etwas mit sich bringt. Aber das Alter ist für mich kein großes Thema. Ich habe vor kurzem ein graues Haar in meinem Bart entdeckt – das soll Männer ja attraktiver machen. Optisch, fußballerisch und menschlich habe ich keine Angst vor der 30.

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Titel mit Gladbach? "Chancen sehe ich im DFB-Pokal"

SPORT1: Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie mit 30 erreicht haben?

Kramer: Hätte mir einer gesagt, dass ich eine Woche vor meinem 30. Geburtstag mit Ihnen hier ein Interview führe, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. Meine Karriere ist unglaublich gut verlaufen. Der kleine Chris im Teenager-Alter hätte sich ein Loch in den Bauch gefreut, wenn er gewusst hätte, was da noch alles kommt.

SPORT1: Sie wurden 2014 Weltmeister, haben aber sonst keinen Titel geholt. Mit der Borussia sind Sie noch in allen drei Wettbewerben dabei. Holt Gladbach in dieser Saison etwas Blechernes?

Kramer: Meister werden wir eher nicht, auch die Champions League ist unrealistisch - Chancen sehe ich demnach im DFB-Pokal. Vor allem jetzt, wo die Bayern raus sind. Wir haben mit dem BVB allerdings eines der schwersten Lose bekommen. Losglück hatte ich mit Gladbach noch nie. Aber wir sehen das als absolutes Highlight-Spiel. Es sind drei Spiele auf dem Weg zum Titel. Nach dem Aus der Bayern rechnen sich Leipzig, Dortmund, Wolfsburg und wir sicher etwas aus.

SPORT1: Mit Gladbach spielen Sie im Achtelfinale der Champions League gegen Manchester City. Wie stufen Sie die Chancen auf das Weiterkommen ein?

Kramer: Wir spielen mit City gegen die aktuell beste Mannschaft Europas. Sie stehen unfassbar stabil hinten, haben eine gute Restverteidigung und tackern den Gegner hinten richtig fest. Das ist eine unfassbar krasse Hürde. Wir freuen uns aber sehr auf diese Herausforderung.

SPORT1: Ihr ehemaliger DFB-Teamkollege Ilkay Gündogan ist mit Manchester City in der Form seines Lebens. Woher kommt diese Explosion bei ihm?

Kramer: Er ist im letzten Drittel unfassbar torgefährlich geworden. Gegen Liverpool hat er zwei Tore aus dem Fünfer heraus erzielt. Seine Rolle hat sich ein bisschen verändert, beim Torabschluss steht er mittlerweile mit vorne drin im Fünfer. Er war schon immer mit einem guten Riecher ausgestattet, nun hat er scheinbar das Torjäger-Gen für sich entdeckt.

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"Verlieren ist in Wolfsburg verboten"

SPORT1: Am Sonntag spielen Sie mit der Borussia in Wolfsburg. Um die Champions League am Saisonende wieder zu erreichen, ist ein Sieg beim VfL Pflicht, oder? (SERVICE: Ergebnisse Spielplan der Bundesliga). 

Kramer: Es heißt ja immer, dass wir Fußball-Profis die Tabelle ganz weit weghalten von uns. Wir haben die Tabelle vor diesem Spiel aber ganz genau auf dem Schirm und wissen, worum es geht. Verlieren ist für uns in Wolfsburg verboten. Wenn wir in die Champions League kommen wollen, sollten wir gewinnen. Das versuchen wir. Wir wollen außerdem die schmerzliche Derbyniederlage wiedergutmachen.“ (SERVICE: Tabelle der Bundesliga).

SPORT1: Anderes Thema: Wie stehen Sie eigentlich zu einer möglichen Corona-Impfung?

Kramer: Wenn mir eine Impfung angeboten würde, würde ich sie nehmen. Ich vertraue dem Land, in dem ich lebe, sehr. Wenn ein Impfstoff in Deutschland auf den Markt kommt, habe ich ein gutes Gefühl. Wenn wir, dass Never-Ending-Thema Corona damit beenden können, bin ich sofort bereit für eine Impfung. Das Leben soll schließlich wieder so sein wie früher.

SPORT1: Karl-Heinz Rummenigge hat bei SPORT1 vorgeschlagen, dass Fußball-Profis mit gutem Beispiel als Impf-Vorbilder vorangehen könnten. Wie sehen Sie das?

Kramer: Wir Fußballer haben natürlich eine Vorbildfunktion. Ich kann nicht einschätzen wie groß das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Impfungen ist. Wenn wir als Fußballer dazu beitragen können, dass sich mehr Leute impfen und das Vertrauen wächst, dann halte ich das für eine gute Idee.

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"Ein Karriereende in zwei Jahren schließe ich aus"

SPORT1: Ihr Vertrag bei der Borussia läuft noch bis 2023. Ist danach Schluss mit dem Fußball?

Kramer: Ein Karriereende schließe ich 2023 definitiv noch aus. In zwei Jahren bin ich 32. Ich will dann schon gerne noch weiterspielen.

SPORT1: Was reizt Sie perspektivisch mehr: Der Posten des Trainers oder der des Sportdirektors?

Kramer: Ich brauche grünen Rasen unter den Füßen und sehe mich nicht in einem Büro. Um aber auf die Anfangsfrage nach dem Alter zurückzukommen: Ich bin noch zu jung, um über die Zeit nach der Karriere nachzudenken (lacht).

SPORT1: In diesem Jahr steht die EM an. Ist mit der deutschen Nationalmannschaft zu rechnen?

Kramer: Ja, definitiv! Deutschland, England, Portugal und Italien sind meine vier Favoriten auf den EM-Titel. Wir sind eine Turniermannschaft. Das war schon immer so. Unsere A-Elf kann in einem 4-2-3-1-System um den Titel mitspielen.

Diese Gladbach-Kollegen würde Kramer mit zur EM nehmen

SPORT1: Gehört Christoph Kramer in diese A-Elf? Ihr letztes Länderspiel haben Sie vor fast fünf Jahren gemacht.

Kramer: Stand jetzt bin ich tatsächlich bei der EM dabei: Aber als Experte für das ZDF. Ich hoffe allerdings, dass eine Jogi-Klausel in den Vertrag eingebaut wurde. Ich weiß es aber nicht (lacht).

SPORT1: Die Leistungen welcher Gladbach-Kollegen werden Sie bei der EM als TV-Experte analysieren?

Kramer: Matthias Ginter, Florian Neuhaus und Jonas Hofmann sind in meinen Augen sicher beim Turnier dabei. Lars Stindl hat ebenfalls gute Karten. Dem Bundestrainer stehen ein paar gute Jungs aus Gladbach zur Auswahl.