Christoph Rudolph ist offizieller Ansprechpartner bei der Anlaufstelle für LSBTI+
Christoph Rudolph ist offizieller Ansprechpartner bei der Anlaufstelle für LSBTI+ © SPORT1-Grafik: Privat/SPORT
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München - Christian Rudolph ist seit Jahresbeginn Ansprechpartner bei der Anlaufstelle für LSBTI+. Er will viel bewegen, seine Vorfreude auf die Arbeit ist riesig.

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"Wir müssen uns auf die Fehler aufmerksam machen. Wenn mich niemand auf meine Fehler aufmerksam macht, wie soll ich es denn lernen?" Mit diesen Worten bringt Christian Rudolph kurz und knapp auf den Punkt, mit welcher Einstellung er seinen neuen Job angeht.

Seit Jahresbeginn ist Rudolph offizieller Ansprechpartner bei der Anlaufstelle für LSBTI+, einer neu geschaffenen Stelle, die vom Deutschen Fußball Bund (DFB) mit eingerichtet wurde und finanziert wird, aber extern bleibt.

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Angesiedelt ist sie beim Lesben- und Schwulenverband (LSVD), in dem Rudolph schon lange tätig ist. "Für uns war klar, dass es, um eine vernünftige Vertrauensbasis zu schaffen, eine externe Stelle sein muss."

"Flutlicht an. Im Gespräch mit der Wortpiratin", der Podcast von Autorin Mara Pfeiffer auf SPORT1

Initiative von DFB-Präsident Fritz Keller

Die Abkürzung LSBTI+ steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans und Inter, mit dem Plus sollen weitere sexuelle und geschlechtliche Identitäten einbezogen werden. Kritisiert wird an dieser Form das Fehlen der Buchstaben Q und A für Queer und Asexuell, da jene Teile der Community sich dadurch weniger ernstgenommen fühlen in ihrem Kampf und Anerkennung.

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Die Stelle selbst ist ein enormer Fortschritt für den Verband, dessen Präsident damit auch Rudolph selbst überrascht hat. Fritz Keller hatte die Beteiligten einer Expert*innegruppe aktiv angesprochen und gefragt, wie der DFB aktiv(er) werden könne, um der Community besser gerecht zu werden.

"Als Aktivist gehen mir viele Dinge nicht schnell genug", bekennt Rudolph lachend. Wichtig sei aber zunächst ein Wille zur Veränderung, den mache der DFB mit der Anlaufstelle eindrucksvoll deutlich. Rudolphs Freude auf die Arbeit ist riesig.

Zumal er weiß, wie viel sich bewegen lässt, wenn an den richtigen Schrauben gedreht wird. Als Beispiel nennt er gerne das Thema Spielrecht: Von 21 Landesverbänden ist Berlin aktuell der einzige, der das für Menschen mit dem Geschlechtseintrag "divers" gewährt.

Rudolph sieht den Sport in besonderer Verantwortung

Darin sieht der Beauftragte für die Anlaufstelle einen enorm wichtigen Schritt. Um direkt nachzuschieben, dass es sich natürlich nur um einen von vielen handelt - idealerweise zeitnah 21.

"Was wir natürlich demnächst versuchen wollen, ist, dass wir diese Binarität auflösen wollen und zumindest eine geschlechtsneutrale Klasse schaffen, eine All-Gender-Liga."

Die Anzahl der Landesverbände, die sich mit dem Spielrecht für trans, inter und nichtbinäre Personen beschäftigen, steigt derweil weiter. Rudolph weiß wohl, das Thema ist für viele neu, groß und schwierig greifbar, sieht den Sport da aber in einer besonderen Verantwortung.

"Der Fußball ist gemeinnützig und hat einen ganz klaren Auftrag: Das ist die Teilhabe am Sport. Es muss möglich sein, dass alle am Leistungsbetrieb teilnehmen." Zumal, da "divers" neben den Geschlechtern weiblich und männlich beim Eintrag ins Personenstandsregister seit 2018 möglich ist. "Da müssen wir kreativ werden und wir müssen diese Lösungen auch finden."

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Rudolph hat zwei weitere Themen fest im Blick

Das Thema Geschlechterdiversität sieht Rudolph aktuell als eines der Top3 in seinem neuen Job, daneben nennt er die Förderung von Frauen innerhalb der Verbandsstrukturen und die Fokussierung weg vom reinen Profibereich.

Gerade Trainer*innen, Schiedsrichter*innen und Vorstände müssten durch ihre Multiplikator*innenrolle stärker einbezogen werden. Themen der Community könnten beispielsweise in Ausbildungen fest verankert werden oder gar eine Rolle spielen, wenn es um die Lizensierungen geht.

Was dem Fußball aus der Sicht des langjährigen Aktivisten nicht guttut, ist die Tatsache, dass beim Thema LGBTI+ im Fußball der Schwerpunkt in der Wahrnehmung oft auf dem Coming-out eines männlichen Profifußballers liegt, auch, weil so in den Hintergrund gerät, wie viel alle im Sport aktiv verändern können.

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Begrüßen würde er es dennoch. "Ich glaube auch, dass es heute in der Öffentlichkeit eine große Akzeptanz dafür gäbe."

Für die männlichen Spieler könnte es zudem eine Erleichterung bedeuteten, ihr Leben endlich ohne Geheimisse zu leben. Schließlich geht es beim Outing viel weniger um die Frage von Sexualität, als um eine Offenheit mit dem eigenen Leben, also zum Beispiel erzählen zu können, wenn man mit dem Partner im Kino war. "Als Hetero outet man sich da ständig und völlig unbewusst." Am Ende soll für alle gelten: Liebe sich, wer kann.