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Ein Coming Out während einer Fußballprofi-Karriere hält Philipp Lahm auch heute noch für schwierig. Auch Mitspielern soll man laut ihm besser nichts erzählen.

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Weltmeister Philipp Lahm rät homosexuellen Fußballprofis auch in der heutigen Zeit vom Coming Out ab.

Das schreibt der 37-Jährige in seinem Buch "Das Spiel: Die Welt des Fußballs". Die Bild veröffentlichte schon vorab Passagen aus dem Werk, das am 22. Februar erscheinen soll.

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"Es mag sein, dass ein Sportler die nötige Reife dafür hat und - wenn er viel Glück hat - auch auf die nötige Toleranz in seinem unmittelbaren sportlichen Umfeld stößt. Aber er wird nicht mit der gleichen Reife bei allen Gegnern im Sport und ganz sicher nicht in allen Stadien rechnen dürfen, in denen er antritt", heißt es in dem Buch.

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Der Ex-Bayern-Spieler würde daher jedem Spieler, der ihm davon erzählt, "empfehlen, sich sehr intensiv mit seinen engsten Vertrauten zu beraten und sich selbst ehrlich Rechenschaft zu geben über seine Beweggründe für diesen Schritt".

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Lahm rät von Gespräch mit Mitspielern ab

Zu einem Gespräch mit Mitspielern im Klub würde Lahm allerdings nicht raten, da "man sich nicht so ganz sicher sein, wie solch ein Coming-out aufgenommen würde".

Weiter schreibt Lahm: "Es mag Städte und Vereine geben, wo solch ein Coming-out eher möglich wäre als anderswo - vielleicht in Berlin, vielleicht bei St. Pauli, vielleicht in Freiburg." Dennoch hält er die Chancen für gering, "so einen Versuch in der Bundesliga mit Erfolg zu wagen und nur halbwegs unbeschadet davonzukommen."

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Dass Vorstandschef Thomas Hitzlsperger seine Homosexualität erst nach Beendigung seiner Karriere als aktiver Fußballer öffentlich gemacht hat, hält Lahm daher für "lebensklug".

Hitzlsperger selbst hatte zuletzt erklärt: "Es scheint eine grosse Angst zu geben, dass das Leben sich danach verschlechtert. Ich betone, dass mein Leben sich noch mal verbessert hat."

Max Kruse würde Kollegen "vor den Idioten schützen"

Bis heute hat sich kein aktiver deutscher Fußball-Profi als homosexuell offenbart, die Debatte um das Thema wird aktuell auch vorangetrieben durch eine Erklärung von 800 Spielern und Spielerinnen, die im Magazin 11 Freunde versprechen, ein positives Umfeld für potenzielle Outings schaffen zu wollen.

"Wir werden euch unterstützen und ermutigen und falls notwenig, auch gegen Anfeindungen verteidigen", heißt es in dem Statement, das unter anderem Max Kruse, Oliver Sorg, Alexandra Popp und Almuth Schult unterzeichnet haben.

"Wenn sich einer meiner Kollegen outen würde, würde ich ihn vor den Idioten da draußen schützen", sagte Kruse, der zugleich betonte, dass er Verständnis für jeden habe, der sich nicht offenbare.