Lauterbach (l.) bemängelt Sonderstatus für den Fußball
Lauterbach (l.) bemängelt Sonderstatus für den Fußball © AFP/POOL/SID/HANNIBAL HANSCHKE
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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die Sonderrolle des Fußballs in Zeiten von Pandemie, Lockdown und Einreisebeschränkungen höchst kritisch.

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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die augenscheinliche Sonderrolle des Fußballs in Zeiten von Pandemie, Lockdown und Einreisebeschränkungen höchst kritisch. Bezüglich der Flugreise des mit dem Coronavirus infizierten Bayern-Stars Thomas Müller von der Klub-WM in Katar nach München sagte der 57-Jährige bei Sport1: "Normalerweise wäre eine Reise mit bekannter Infektion natürlich undenkbar."

Müller war am Freitagabend und damit nur einen Tag nach seinem positiven Coronatest mit einer Ambulanz-Maschine von Doha nach Deutschland gebracht worden. Der Weltmeister von 2014 darf damit den Großteil seiner Quarantäne in seinem Zuhause absolvieren.

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Dass Müllers Mitspieler am Donnerstagabend das Endspiel gegen UANL Tigres (1:0) bestritten, ist für Lauterbach als "Signal verheerend". Gleichwohl räumte der Mediziner ein: "Wenn PCR-Tests kurz vor dem Spiel gemacht wurden, ist das Risiko gering."

Keinerlei Verständnis hat der Politiker hingegen für die Verlegung zahlreicher anstehender Europacupspiele in Drittländer, um Einreisebeschränkungen zu umgehen. "Den Bürgern raten wir zu Recht von jeder unnötigen Reise ins Ausland ab, und der internationale Fußball setzt sich über diese Regeln einfach hinweg. Die Bürger wollen nicht, dass mit zweierlei Maß gemessen wird, nur weil es um Millioneneinnahmen durch Fernsehübertragungen geht", betonte Lauterbach.

RB Leipzig etwa empfängt am Dienstag den FC Liverpool in Budapest, eine Woche später tragen in Ungarns Hauptstadt auch Borussia Mönchengladbach und Manchester City ihr Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League aus. 

"Niemand weiß genau, wie die Infektionslage in Ungarn wirklich ist", merkte Lauterbach an, "und dass Spieler aus Großbritannien ausreisen dürfen für ein solches Spiel, ist auch falsch. Es ist ein verzerrter Wettbewerb, der zur Pandemie-Müdigkeit beiträgt, weil er die Glaubwürdigkeit unserer Regeln infrage stellt."

Den Vorstoß von Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, wonach geimpfte Fußballstars "als Vorbild einen gesellschaftlichen Beitrag leisten" könnten, bewertet Lauterbach als "Vorwand", um "die Privilegierung der Spieler zu rechtfertigen". Rummenigges Worte seien "höhnisch, jeder weiß doch, dass die Impfbereitschaft hoch ist und der Impfstoff fehlt".