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München - SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp sieht Gladbach-Sportdirektor Max Eberl vor seiner bisher schwierigsten Trainerwahl. Drei Punkte seien besonders entscheidend.

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Fünf Millionen Euro bekommt Mönchengladbach für Marco Rose vom BVB. Diese Ausstiegs-Möglichkeit hatte der Trainer in seinem Vertrag aufnehmen lassen - sie war 2019 sogar Bedingung dafür, dass er unterschreibt. (Die Details des Rose-Wechsels)

Manager Max Eberl versucht die Trennung so emotionslos wie eben möglich zu sehen und auch zu kommentieren, wohl wissend, dass auch er Rose nur mithilfe einer Ausstiegsklausel zur Borussia holen konnte. Fußball da oben ist Geschäft. Wer träumt oder auf Romantik hofft, verliert. 

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Neuer Trainer: Drei Eigenschaften sind entscheidend 

Im Dezember, irgendwann um Weihnachten, wurde Eberl bewusst, dass er sich mit dem Trainermarkt beschäftigen muss - intensiver, als er sowieso immer ein Auge drauf hat. Er kannte die Entwicklungen und Sehnsüchte in Dortmund, dazu die Klausel in Marco Roses Vertrag. 

Eberl, der das Thema in der Öffentlichkeit für seinen Vereinen hervorragend moderierte, trifft die neue Faktenlage nicht unvorbereitet.

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Seit mehreren Wochen durchleuchtet er zusammen mit Chef-Scout Steffen Korell die Profile vermeintlich geeigneter Kandidaten. Ihren Ideen haben sie keine Grenzen gesetzt, sie wollen der ambitionierten Borussen-Mannschaft die bestmögliche Führungskraft präsentieren. 

Drei Punkte, so heißt es in der Hennes-Weisweiler-Allee, auf der Geschäftsstelle der Borussia, seien dabei entscheidend: Ein hervorragender Ausbilder soll der Neue sein, kommunikativ ähnlich stark wie Vorgänger Rose und zumindest nicht unerfahren im modernen Spitzenfußball mit seinen intensiven Anforderungen, zum Beispiel einer dauerhaften Doppelbelastung. (Gladbach-Fans sauer über Rose-Wechsel

Eberls schwierigste Trainerwahl

Eberl hat mit Marco Rose selbst dafür gesorgt, dass der Druck fast riesig ist. Er braucht einen Nachfolger für die bestehende Idealbesetzung.

Eberls wichtigste und wohl schwierigste Trainerwahl muss funktionieren, eine Delle in der beeindruckenden Entwicklung der letzten Jahre würde Probleme auslösen - die Borussia darf nicht an Attraktivität einbüßen. 

Ein Kandidat, dessen Name zuletzt häufiger fiel, Florian Kohfeldt von Werder, ist in meinen Augen - noch - keiner. Der Trainer, der bisher nur in Bremen gearbeitet und noch nie eine Spitzenmannschaft mit ihren besonderen Anforderungen geführt hat, ist zu unerfahren für einen Champions-League-Verein, der ständig Programm, Druck und einen herausfordernden Kader hat.

Das Risiko, dass Kohfeldt der Schritt in die nächste Etage noch überfordert, ist zu groß. So gut er kommuniziert, so wenig erfahren ist er im Klub der Großen. Er hat noch nie europäisch gespielt. 

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Jesse Marsch oder Erik ten Hag? 

Und die anderen? Gerardo Seoane, der neue Trainer-Star in der Schweiz (zuletzt zwei Mal Meister mit Bern), war schon vor Rose auf Eberls Zettel. Er würde jetzt noch besser passen - die Rose-Millionen müssten aber direkt in die Schweiz überwiesen werden, Seoane (Vertrag bis 2023) kostet.

Jesse Marsch von Red Bull Salzburg ist weiter als Kohfeldt, spielte Champions League, wurde Meister in Österreich und arbeitete davor auf Topniveau in Leipzig - immer mit außergewöhnlichen Talenten. 

Eine noch größere Lösung wäre Erik ten Hag von Ajax Amsterdam, der zur Guardiola-Zeit die U23 beim FC Bayern trainierte. Der Niederländer gilt als Top-Ausbilder, erreichte mit Ajax das Halbfinale in der Champions League.

Ten Hags Fußball folgt allerdings einer anderen Idee als der von Rose, Ballbesitz steht über allem. Die Borussia müsste sich umstellen. 

Doch ein Neu-Start steht sowieso bevor. Wieder eine Herausforderung für Borussia Mönchengladbach - an der sie, allen Schwierigkeiten zum Trotz, aber auch wachsen können.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".