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Bei Barbier Felix Hohleich gehen die Stars ein und aus. Im Gegensatz zu anderen Friseuren stehen aber auch sie während des Corona-Lockdowns in Köln vor verschlossener Tür.

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Es ist die Adresse unter den Friseuren und Barbieren in der Domstadt: der Gentlemen Barber Clubs. Seit über fünf Jahren auch die Anlaufstelle für den Weltmeister von 2014, Lukas Podolski. Keiner kennt seine Vorlieben für die Frisur und den Bart so gut wie Geschäftsführer Felix Hohleich.

"Ich schneide Lukas immer die Haare und sonst keiner. Das will er auch nicht", erzählt der 31-Jährige SPORT1. Im Salon von Hohleich und seinem Geschäftspartner Elmar Heilf gibt es keinen klassischen Smalltalk, sondern ehrliche Gespräche - und immer ein Kölsch.

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Der Status seiner Kunden hat keine Bedeutung im Umgang miteinander. "Es ist egal, ob du mit dem Ferrari vorgefahren kommst oder mit dem klapprigen Fahrrad", betont der Barbier.

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2015, als Podolski das erste Mal zur Tür hereinkam, war Hohleich noch nervös, aber "die Zeiten sind vorbei", denn Podolski "hat einem da auch sehr schnell den Wind aus den Segeln genommen und einem gezeigt, dass man so überhaupt nicht sein muss". Inzwischen verbindet die beiden eine echte Freundschaft, weit über das Berufliche hinaus. Dazu gehören auch Besuche bei Podolskis Fußballstationen im Ausland.

Hausverbot für Bundesliga-Konkurrenten

Allerdings ist nicht jeder Kunde so willkommen wie Lukas Podolski: "Zum Beispiel schneide ich keinen Spielern von Leverkusen und Gladbach die Haare."

Der Star-Friseur begründet diese "Regel" mit der starken Rivalität zwischen den Bundesligaklubs. "Keine Gladbacher, keine Leverkusener, und das ist auch in unserer, nicht ganz ernst gemeinten, Hausordnung manifestiert", erzählt Hohleich lachend.

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Aktuell stehen Hohleich und sein Team besonders im Fokus, denn während der Normalbürger aufgrund des Corona-Lockdowns nicht zum Friseur gehen kann, stehen viele Bundesligaspieler weiterhin top gestylt auf dem Rasen.

Als Antwort auf diesen Umstand hat auch der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks mit einem offenen Brief an den DFB-Präsidenten Fritz Keller reagiert. Hier wird der Profifußball zur Solidarität im Lockdown aufgerufen. Hohleich sieht das kritisch, denn der Zentralverband habe "überhaupt keinen Bezug mehr zum aktuellen Friseur-Dasein und diese ganze Social-Media- und Fernsehvermarktung auch überhaupt nicht verstanden".

Hohleich nimmt Fußballer in Schutz

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Seiner Meinung nach solle man nicht die Frisuren der Stars in den Fokus stellen, sondern eher kritisieren, dass überhaupt der Ball rollt. Die Bundesligaspieler seien zur Zeit einer der wenigen Gruppen, die ein weitgehend normales Leben führen.

Auf der anderen Seite nimmt Hohleich die Profis auch in Schutz: "Aber der Profi-Fußballer ist eben auch eine eigene Marke und muss sich, gerade in den jetzigen Zeiten, positionieren. Ich weiß zum Beispiel, dass es Fußballvereine gibt, die sich eigene Barbiere und Friseure einkaufen."

Die Mannschaftsfriseure gehören in den jetzigen Zeiten zum offiziellen "Staff", sollen täglich auf COVID-19 getestet werden und den Spielern vor dem Spiel in der Kabine und in den Hotelzimmern die Haare frisieren, erzählt er. Ob Hohleich auch von einem Bundesligisten angefragt wurde, will er nicht verraten.

Lockdown-Regeln umgehen: Haare schneiden in Dubai

Einige Star-Friseure umgehen während des Lockdowns Regeln, indem sie sogar ins Ausland fliegen und dort ihre Tätigkeit ausüben. Das kritisiert Hohleich stark: "Ein Vorbild für die Gesellschaft zu sein ist mir wichtiger, auch wenn manche gerade das Geld ihres Lebens machen."

Zudem möchte der 31-Jährige sein hart aufgebautes Image nicht aufs Spiel setzen: "Ich lasse mich nicht kaufen und verarschen. Da kannst du mir bieten, was du möchtest."

Mit dieser ehrlichen Art fährt er schon seit Jahren gut - zu seinen Kunden zählen neben Podolski und Rapper Eko Fresh unter anderem auch Deutschlands Box-Hoffnung Deniz Ilbay oder Comedian Faisal Kawusi.

Für die Zeit nach dem Lockdown häufen sich jetzt schon zahlreiche Anfragen für einen Haarschnitt im Gentlemen Barber Clubs: "Ich kann die Anfragen gar nicht mehr zählen. Da kamen mehrere hundert Nachrichten. Aber der Nachbar von Nebenan hat da dieselbe Priorität wie Lukas Podolski", betont Hohleich.