Nina Reip wünscht sich "den Erinnerungstag im deutschen Sport"
Nina Reip wünscht sich "den Erinnerungstag im deutschen Sport" © SPORT1 Grafik/Torsten Giesen
Lesedauer: 4 Minuten

Die sportbegeisterte Nina Reip entdeckt durch Zufall die Politik für sich. Heute agiert sie als Bindeglied zwischen den beiden Bereichen.

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"Mein Leben ist gar nicht so straight."

Nina Reip sagt das mit einem Lachen. Manchmal ergibt sich ein Schritt eben aus Zufall – und mehrere dieser zufälligen Schritte führen an genau den richtigen Ort.

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Reip, geboren in Frechen bei Köln, kann viel von solchen Zufällen erzählen. Sie ist 13, als ihre Familie zurückzieht ins Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

Die spezielle Geschichte der Gegend prägt sie, ebenso die Tatsache, dass Politik durchaus regelmäßig Thema am Mittagstisch ist.

Dann ist da noch ihre Oma, mit der sie politisch zwar selten einig wird, die aber als Frau mit politischer Überzeugung ein Vorbild für das damals junge Mädchen ist.

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Reip entdeckt Politik für sich

Später möchte Reip eigentlich "Transportation Design" studieren, doch ihr fehlt eine Mappe für die Bewerbung. Weil sie ihre Zeit gut nutzen will, beginnt sie neben der Arbeit daran ein Studium im Bereich Politik und Geschichte – und ist schnell so begeistert, dass sie dabeibleibt.

Um nebenher Geld zu verdienen, und weil sie sich zu jener Zeit vorstellen kann, später im politischen Brüssel zu arbeiten, übernimmt sie in Ostbelgien einen Job als Fraktionssekretärin, vergleichbar mit einer Referentin. Später wird sie Kabinettschefin bei zwei Bildungsministern.

"Es klingt in deutschen Ohren, glaub' ich, immer abstrus." Wieder lacht Reip und sagt, übersetzt in die deutsche Politik sei das eine Mischung aus Büroleitung und Staatssekretärin gewesen.

Reip vereint Interessen Sport und Politik

Politik ist also immer da und auch ein grundsätzliches Interesse an allem, was mit Sport zu tun hat. Noch aber sind beide Themen in ihrem Leben nicht verbunden.

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, die zur Stiftung Buchenwald gehört, bewegt Reip das Zusammentreffen mit Überlebenden des Holocaust intensiv. "Das hat mich politisch sehr, sehr geprägt und meinen Blick auf die Gesellschaft und auf Verantwortung geschärft."

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Nach einem befristeten Job an der Autonomen Hochschule Ostbelgiens, wo Reip Konzepte für politische Bildung entwickelt, macht ein Bekannter sie auf eine Ausschreibung aufmerksam: Das Netzwerk "Sport & Politik", angesiedelt bei der Deutschen Sportjugend (dsj), sucht eine Leitung der Geschäftsstelle.

Reip: Dann hat Politik was im Sport verloren 

Heute arbeitet Reip hier schon seit drei Jahren und sagt überglücklich: "It’s a match."

In ihrem Job kommen viele Themen zusammen, die sie immer bewegt und interessiert haben – und ihr Talent als Vernetzungsspezialistin passt perfekt zu den Aufgaben an der Schnittstelle. "Man hat sowohl Sportorganisationen wie auch Organisationen aus der Politik, und die treffen dort regelmäßig zusammen, um über die gesellschaftspolitischen Herausforderungen in Sport und Gesellschaft zu sprechen. Das ist einzigartig."

Den Willen zum Austausch und die Bereitschaft, voneinander zu lernen, beschreibt Nina Reip als Grundlage dieser Arbeit. In der begegnet ihr natürlich auch immer wieder die These, Sport und Politik sollten nicht verknüpft werden. Sie hat dazu eine entscheidende Differenzierung parat: Politik schon, Parteipolitik nicht.

"Wenn Politik heißt, Engagement zum Beispiel gegen Homofeindlichkeit, ist das nicht einfach Politik, sondern ein gesellschaftliches Thema, dann hat das damit zu tun, wie wir miteinander leben wollen. Das ist ganz klar die Frage von Werten und gesellschaftlichem Miteinander – wofür wollen wir stehen?" 

Diese Werte des Zusammenlebens zu definieren und gemeinsam zu verteidigen, dafür eigne der Sport sich sehr wohl, und: "Ich glaube, dass der Sport absolut wichtig ist, wenn man an Demokratieförderung denkt."

Reip wünscht sich "Erinnerungstag im deutschen Sport"

Zu den Projekten, in die Reip regelmäßig involviert ist, gehört auch der "Erinnerungstag im deutschen Fußball", der bereits 2004 ins Leben gerufen wurde und seit 2005 vom Bündnis "!Nie wieder" organisiert wird.

Inspiriert von der wichtigen Botschaft der Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau und getragen von Menschen aus Fußball, Sport, Faninitiativen, Vereinen und Verbänden wird der Erinnerungstag an den Spieltagen rund um den 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, begangen und steht für würdige Gedenkkultur und ein Stadion ohne Diskriminierung.

In diesem Jahr steht die Geschichte der Menschen im Mittelpunkt, die aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität Opfer des NS-Regimes wurden.

Das Projekt liegt Reip sehr am Herzen – und sie hat für die Zukunft einen Wunsch: Der Erinnerungstag soll zum "Erinnerungstag im deutschen Sport" werden und so noch mehr Menschen mit der wichtigen Botschaft des "!Nie wieder" erreichen.