Ewald Lienen bedauert, nie ein Topteam trainiert zu haben
Ewald Lienen bedauert, nie ein Topteam trainiert zu haben © Imago
Lesedauer: 4 Minuten

Frankfurt am Main - Ewald Lienen erzählt im Podcast "Leadertalk", was er in seiner Trainerkarriere vermisste, wie er Spieler motivierte und wie wichtig es ist, sich als Trainer zu kennen.

Anzeige

Dass Ewald Lienen beim FC St. Pauli 2017 seinen Trainerjob aufgab, schmeckte ihm gar nicht, wie er im SPORT1 Podcast von Business-Coach und Autor Mounir Zitouni einräumt.

"Im Klub waren Kräfte, die meinten, ich müsse eher diese repräsentative Aufgabe übernehmen, und ich habe dann gesagt, na ja gut. Erst war ich nicht so einverstanden, danach habe ich gemerkt, es gibt auch noch was anderes als Tore, Punkte, Meisterschaften."

Anzeige

Zu seinen größten Erfolgen zählen der Aufstieg mit dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln in die Bundesliga. Dennoch will er sich nicht an Titel messen lassen: "Die Lebensleistung spielt bei jedem Menschen eine Rolle. Der wichtigste Erfolg ist, dass man sich selbst treu bleibt. In diesem Geschäft zurechtkommen ist viel wichtiger als irgendeinen Titel mit nach Hause zu nehmen."

Lienen: "Ich hätte gerne mal eine Spitzenmannschaft trainiert"

Beim MSV feierte Lienen bei seiner ersten Trainerstation im Profifußball 1993 mit dem Aufstieg gleich einen Riesen-Erfolg, auch das Bundesligajahr 1993/94 konnte sich sehen lassen. Doch danach?

"Da habe ich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte", räumt Lienen selbstkritisch ein. "Wir haben zehnmal hintereinander verloren." Mit dem Resultat der Entlassung im November 1994.

Meistgelesene Artikel
  • Fussball / Bundesliga
    1
    Fussball / Bundesliga
    Eberl geht auf Flick los!
  • Fussball / DFB-Team
    2
    Fussball / DFB-Team
    Rummenigge warnt DFB wegen Flick
  • Fussball / Bundesliga
    3
    Fussball / Bundesliga
    Sancho löst Haaland-Versprechen ein
  • Fußball / Bundesliga
    4
    Fußball / Bundesliga
    Darum bekommt Bayern den 5. Stern
  • Motorsport / Formel 1
    5
    Motorsport / Formel 1
    Mazepin "hat mir die Quali versaut"

Sechs Jahre später stieg Lienen abermals in die Bundesliga auf, mit Köln. "Alle, die damals in Köln dabei waren, die sprechen heute noch davon. Der leider verstorbene Rolf Herings hat zu mir gesagt: Ich war 1978 dabei als Köln Meister, das war nicht so schön wie dieses Jahr 1999/2000."

Was Lienen bedauert: "Ich hätte gerne mal eine Spitzenmannschaft trainiert, die auch die Chance hatte, Deutscher Meister zu werden."

Leadertalk - der SPORT1 Podcast von und mit Business-Coach und Autor Mounir Zitouni

Lienen: "Führungsverhalten muss authentisch sein"

Heute redet Lienen in seiner Rolle als Repräsentant und Wertebotschafter des FC St. Pauli häufig vor Unternehmern über das richtige Führungsverhalten. "Ein Führungsverhalten muss authentisch sein, so wie du auch als Mensch authentisch sein musst. Du brauchst Werte, nach denen du dich verhältst und die sollten auf Lebensprinzipien beruhen", erklärt Lienen.

Dafür gehöre es, sich selbst gut zu kennen. Als Beispiel erzählt er: "Mir musste ein Trainer nicht sagen: Das hast du aber toll gemacht. Ich bin dann unbewusst davon ausgegangen, dass andere das auch nicht brauchen. Bis irgendein Spieler beim 1. FC Köln zu mir kam und sagte: 'Ich habe das Gefühl, Sie mögen mich gar nicht'. Da dachte ich, was ist denn mit dem los? Da fängst du an nachzudenken. Man muss sich darüber klar werden, wer man selber ist und welche Dinge eine Rolle spielen."

DAZN gratis testen und die Freitags- und Montagsspiele der Bundesliga live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Als größten Hebel in der Weiterentwicklung von Spielern sieht Lienen die richtige Kommunikation. Denn nur die schaffe echte Motivation. "Für mich ist die Motivation dann am größten, wenn ich es selber erkenne, nicht wenn es mir ein anderer erzählt. Motivation ist immer intrinsisch. Ich kann dich nicht zu irgendetwas bringen, was du nicht selber möchtest. Wenn ich ein Ambiente schaffe, dass die Spieler sich wirklich wohlfühlen, sich gesehen fühlen, dass Vertrauen da ist, dass ich sie sehe, dann kommt die intrinsische Motivation raus und sie bereit sind, alles zu geben. Und das Zuhören gehört dazu. Wenn ich nur nachbete, was mir der Trainer erzählt, dann komme ich auch nicht weiter."

Mounir Zitouni (50) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seit dem 1. Januar 2019 als Businesscoach, betreut Sportler, Trainer und Führungskräfte in punkto Auftreten, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Der ehemalige Profifußballer (OFC, SV Wehen, FSV Frankfurt, Esperance Tunis) hat zuletzt die Autobiographie von Dieter Müller verfasst und veröffentlicht eine regelmäßige Kolumne auf www.sport1.de.