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Martin Harnik spricht offen und ausführlich über die schwierigen Phasen seiner Karriere. Die mentale Belastung war ein Grund für seinen Abschied aus dem Profibereich.

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Martin Harniks Abschied aus dem Profifußball kam einer Befreiung gleich. Das geht aus seinen Aussagen in einem Interview hervor.

Bei Goal und Spox gestand der Österreicher mit erstaunlich offenen Worten, dass ihm das Business psychisch stark zugesetzt hat.

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"Ich freue mich darauf, die mentale Belastung des Profifußballs ablegen zu können. Darauf, dass es nur um den Fußball an sich geht - und nicht die ganze Maschinerie des Profifußballs. Diese Maschinerie hat sich negativ auf meine Psyche ausgewirkt", erklärte Harnik, der im Sommer 2020 zum Oberligisten TuS Dassendorf und damit in den Amateurbereich gewechselt war.

Harnik berichtet von Schweißausbrüchen

Bei der Schilderung seiner mentalen Probleme ging der 33-Jährige weiter ins Detail: "Ich habe mich mit jedem meiner Vereine stark identifiziert und immer den direkten Kontakt mit den Mitarbeitern gesucht. Es baut einen enormen Druck auf, wenn man von ihnen hört: 'Wenn ihr nicht aufsteigt, weiß ich nicht, ob ich nächstes Jahr noch einen Job habe.'"

Hinzu kämen die Einschränkungen im privaten Bereich, die ihm zugesetzt haben. So vermied er es, sich nach Niederlagen in der Öffentlichkeit sehen zu lassen. "Wenn ich für Dassendorf ein katastrophales Spiel mache und wir verlieren, wird sich das nicht auf mein Privatleben auswirken. Das ist eine große Erleichterung für mich", unterstrich Harnik.

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Der mentale Druck habe auch Auswirkungen auf seine physische Verfassung gehabt. "Vor Spielen habe ich manchmal Schweißausbrüche mit kaltem Schweiß bekommen. Erfolglose Phasen raubten mir viel Energie. Wenn ich morgens aufgewacht bin, habe ich mich oft ausgelaugt gefühlt. Ich hatte wenig Antrieb, war träge und bin schwer aus dem Bett gekommen. In erfolgreichen Phasen war es das exakte Gegenteil: Da war ich auch nach zwei Stunden Schlaf super drauf und voller Energie. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle war brutal für mich", führte Harnik weiter aus.

Jahre bei VfB und HSV am schlimmsten

Mentaltrainer, die er bei manchen seiner früheren Vereine - Harnik spielte für Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf, Hannover 96, den VfB Stuttgart und den Hamburger SV - haben ihm auch nicht weiterhelfen können. "Ich habe mich nach diesen Gesprächen nicht besser gefühlt", lautet seine nüchterne Bilanz.

Am schwierigsten sei für den Stürmer die Saison 2015/16 gewesen, in der er mit dem VfB Stuttgart aus der Bundesliga abgestiegen ist. "Am Anfang brachte ich unglaublich schlechte Leistungen. Als ich etwas in die Spur fand, verletzte ich mich am Knie und war drei Monate raus. Dann kam ich zurück und wir sind abgestiegen. Das hat mich sehr mitgenommen. Aber auch die vergangene Saison mit dem HSV war schwierig", sagte Harnik und ergänzte: "Als ich meinen Vertrag unterschrieben habe, wirkte es so, als ginge alles in die richtige Richtung. Die Vereinsführung hat Hand in Hand mit den sportlichen Verantwortungsträgern gearbeitet. Wir haben auch eine gute Hinserie gespielt, aber dann kamen die Unruhen um die Person Bernd Hofmann und alles hat seinen Lauf genommen. Es entstanden Machtkämpfe hinter den Kulissen und das hat sich auf die sportlichen Leistungen der Mannschaft ausgewirkt."

Deshalb zog Harnik, nachdem sein Vertrag bei Werder Bremen ausgelaufen war, einen Schlussstrich unter seine Profi-Laufbahn und kickt seither in der Oberliga, wo er in bislang zwei Partien ein Tor und eine Vorlage aufzuweisen hat.