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Franz Beckenbauer feiert am Freitag 75. Geburtstag - und kann zurückblicken auf ereignisreiche Jahre. Eine Hommage von seinem alten Freund Franz "Bulle" Roth.

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Von Franz "Bulle" Roth

"Franz Beckenbauer ist ein wunderbarer Mensch. Über das Sportliche brauchen wir sowieso nicht diskutieren. Ich kam ja 1966 von meinem kleinen Amateurverein - und dann derart große Spieler auf einmal vor sich zu haben, war sensationell. Der Franz hat mich damals aufgenommen, als ob ich schon ewig dabei gewesen wäre. Und das schätze ich sehr. 

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Er hat mal gesagt: 'Mein Freund ist der Ball und ich musste nie drauf achten, was da unten passiert. Das war alles Gefühl.' In der Kabine hat sich der Franz zurückgehalten. Solche Ausraster wie in seiner späteren Laufbahn gab es nicht. Dafür waren wir auch zu gut befreundet. Wir waren ja Kameraden und da kannst du nicht so ausflippen. Wir hätten uns das auch nicht gefallen lassen. 

Wir haben ihn akzeptiert, so wie er war, das war das Wichtigste. Menschlich ist er ein ganz Großer. Und er ist immer Mensch geblieben. Er sagt häufig: 'Ich weiß, wo ich herkomme, und das werde ich nie vergessen.' Wortführer, das war er. Der Franz, der Sepp, der Gerd, Katsche (Beckenbauer, Maier, Müller, Schwarzenbeck, Anm. d. Red.) und ich, wir waren der alte Stamm. Die Worte vom Franz hatten Gewicht.

Was der Franz anpackt, das hat Erfolg. Er ist ein Mensch auf der Sonnenseite. Aber er war auch sehr akribisch. Er hat das alles bis ins kleinste Detail geplant. Wenn er etwas macht, dann macht er es nicht zu 100, sondern zu 110 Prozent. Und deshalb war er mit allem, was er gemacht hat, erfolgreich.

Spitzname "Bulle" Roth" ensteht bei Treffen mit Beckenbauer

Er war ein Riesentalent. Aber als Trainer können dir solche Erfolge nicht zufliegen. Da muss man dahinter stehen und sagen: 'Ich will das erreichen!' Und das war sein Antrieb. Das liegt in seinem Sternzeichen. So sind die Jungfrauen. Mein Sohn ist auch Jungfrau und die sind pingelig bis zum geht nicht mehr. Es muss alles perfekt sein. Erst dann ist er zufrieden.

Den Grundstein für die Erfolge haben wir 1967 in Nürnberg gelegt. Dass wir dann so gewachsen sind, war natürlich auch sein Verdienst, aber wir waren eine Truppe - eine Mannschaft. Wir waren eine echte Mannschaft. Einer ist für den anderen durchs Feuer gegangen. Und der Franz gehörte zu dieser Mannschaft. Er ist dann Kapitän geworden, und das hat natürlich dazu geführt, dass man mehr zu ihm aufschaute und sein Wort noch mehr Gewicht hatte.

Jetzt mit Hansi Flick ist es ähnlich. Das ist auch so ein Typ, der die Kameradschaft formt. Auch Franz Beckenbauer hätte alleine nichts gewonnen. Ihm wurde mal gesagt: 'Franz, du alleine, elf Beckenbauer gewinnen kein Spiel.' Und so war das auch. Und so ist es immer noch.

Es muss eine Einheit sein. Einer muss für den anderen da sein und ihm helfen. Du kannst nicht jede Woche deine beste Leistung abrufen. Es gibt auch mal ein schwächeres Spiel. Dann müssen deine Mitspieler einspringen und sagen: 'Jetzt laufe ich 110 Prozent, weil ich fit bin.' Das ist das Entscheidende innerhalb einer Mannschaft. Und das hat der Franz schon als Spieler und später als Trainer immer gefordert.

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Meine erste Begegnung mit Beckenbauer werde ich nie vergessen! Da ist ja der Name entstanden. Die Nationalspieler, der Gerd, der Franz, der Sepp, die kamen aus England von der Weltmeisterschaft. Wir anderen haben schon zehn Tage trainiert und dann kamen die Nationalspieler dazu.

Dann gab's zum ersten Mal Abendessen mit allen. Unser Trainer, der Tschik (Cajkovski, Anm. d. Red.), hat dann die neuen Spieler begrüßt und vorgestellt. Über mich sagte er: 'Wir haben einen aus dem Allgäu, der hat Kraft wie Mu.' Daraufhin sagte der Sepp: 'Trainer, das heißt bei uns nicht Mu. Das heißt Bulle.' Und so wurde der Name geboren. An dem Tag, an dem ich Franz Beckenbauer kennenlernte. 

Beckenbauer sogar beim Golf "sehr explosiv"

Ob ich da Bulle oder Franz gerufen wurde, war mir egal. Aber wir hatten ja schon einen Franz. Da hätten wir den Namen aufteilen müssen. In Franz eins und Franz zwei. Ich glaube nicht, dass der Name mir geholfen hat, weil er meinen Spielstil nicht beeinflusst hat. Ich kam immer über die Zweikampfstärke und den Einsatz und hatte vor nichts Angst. Nervosität gab's nicht. 

Wir telefonieren öfter. Wir sind sehr eng befreundet. Mit dem Franz ist die Verbindung nie abgerissen. Durchs Golfspielen und weil er einfach ein wunderbarer Mensch ist. Es ist einfach ein Traum. Wir freuen uns, wenn wir uns beim Golfen sehen, umarmen uns. Das ist eigentlich das Wichtigste.

Der Franz ist sehr ruhig geworden beim Golf. Früher wollte er, wie eine Jungfrau ist, alles perfekt machen. Aber das geht halt beim Golf nicht. Das sind so kleine Nuancen und dann fliegt der Ball nicht dahin, wohin man möchte. Da hat er sich teilweise sehr geärgert. Da musste man schon aufpassen. Sehr explosiv, sag' ich mal vorsichtig.

Ein blöder Spruch ging dann nicht! Aber das ging beim Fußball auch nicht. Bis zu einem gewissen Grad ist das wohl möglich. Aber wenn es dann zu viel wird, kann der Franz richtig böse werden. Er ist nicht nur ein Engel. Wenn er im Spiel gereizt wurde, konnte er dem Gegner auch richtig wehtun.

Die Fehler haben immer die anderen gemacht

Selbstkritisch war er nicht so sehr. Die Fehler haben immer die anderen gemacht. Wenn wir uns heute treffen sag ich: 'Du immer mit deinen angeschnittenen Bällen.' Und er antwortet: 'Du bist einfach zu blöd gewesen, die zu verarbeiten, weil die so gut angeschnitten waren.' Bei Fehlpässen von ihm hat er den Pass richtig gespielt, aber wir sind falsch gelaufen, scherze ich gerne.  

Ich wünsche dem Franz alles Gute. Nur das Beste. Viel Gesundheit vor allem, weil er ja die letzten zwei Jahre so viele Probleme hatte. Deshalb wünschen meine Familie und ich ihm viel Gesundheit. Das ist das Wichtigste. Alles andere hat er ja schon."