Benedikt Pliquett hatte ein gute Zeit als Fußballer - jetzt lebt er ein völlig anderes Leben
Benedikt Pliquett hatte ein gute Zeit als Fußballer - jetzt lebt er ein völlig anderes Leben © Getty Images
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Benedikt Pliquett feierte mit dem FC St. Pauli einst einen historischen Sieg über den Hamburger SV. Heute vertreibt er Sex-Spielzeuge auf der Reeperbahn.

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Für die Fans des FC St. Pauli war Benedikt Pliquett ein Derby-Held, für die Anhänger des Hamburger SV war er eine Hassfigur. 

Denn als St. Pauli den großen Rivalen HSV im Jahr 2011 zum ersten Mal seit 1977 wieder in einem Stadtderby bezwingen konnte, stand Pliquett beim Underdog zwischen den Pfosten. 

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Bei dem sensationellen 1:0-Sieg hielt er nicht nur seinen Kasten sauber - er provozierte die gegnerischen Fans auch bis aufs Äußerste. 

Erst imitierte er hämisch den Torjubel von HSV-Stürmer Mladen Petric (der leer ausgegangen war), dann trat er die Eckfahne mit einem HSV-Logo um. 

Ziemlich genau neun Jahre später hat sich im Leben des ehemaligen Profi-Fußballers einiges geändert. Um nicht zu sagen: alles. 

Eine Kneipe und drei Sex-Shops

"Ich hab ein Buch zugemacht, und dann ging halt ein neues Buch auf", sagte der 35-Jährige im Interview mit 11-Freunde

Mittlerweile arbeitet Pliquett als Unternehmer und leitet unter anderem die Hamburger Kneipe Alkotheke - sowie drei Sex-Shops auf der Reeperbahn. 

Wie es dazu gekommen ist? Während andere Kicker nach dem Karriereende über eine Laufbahn als TV-Experte oder Trainer nachdenken, war der Schritt für den gebürtigen Hamburger in dieses eher untypische Feld geradezu logisch. 

Alles begann mit seinem besten Freund, Kolja Koch. Dieser hatte die Sex-Shops ursprünglich aufgebaut. Als er am Hinterausgang einer der Filialen zudem eine Bar einbaute, stieg Pliquett dort ein. 

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"Ich hab mir dann jemanden gesucht, der Bar-Erfahrung hat, und mit dem habe ich das dann ins Laufen gebracht", sagte er. Zuvor hatte er unter anderem als Hausverwalter auf Mallorca fungiert. Auch aus privaten Gründen wollte wieder zurück in Heimat. 

"Ich bin dann letztlich im Oktober letzten Jahres gänzlich in den Sex-Shop hier eingestiegen, als geschäftsführender Gesellschafter", erklärte Pliquett. Was für viele Menschen, "die mich gut kannten, schon seit vielen Jahren abzusehen war. Ein Metier, in dem ich mich wohlfühle." 

Schon seine Mutter habe immer zu ihm gesagt, "dass mit deiner Sexualität das lag an deinem Kontakt zu Kolya. Ich hab immer gesagt, ne Mama, das lag an dem frühen Internetanschluss, den wir zu Hause hatten." 

Pliquett öffnet Shop während Corona-Krise

Mit dem Fußball hat der Derby-Held komplett abgeschlossen: "Was meine persönliche Freiheit angeht, bin ich viel glücklicher. Ich bin frei und muss auf niemanden Rücksicht nehmen."

Die Herausforderungen im Alltag sind aber nicht kleiner geworden. 23 Mitarbeiter hat er allein in den Sex-Shops, alle sind derzeit in Kurzarbeit beschäftigt. 

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Um trotz der Corona-Krise Einnahmen generieren zu können, entschied er sich, aus seiner Filiale "Darkside Boutique Hustler" heraus neben den üblichen Waren auch Haushaltsbedarf, Nahrungsmittel und Hygieneartikel zu verkaufen. 

Eine Fusion aus Sex-Shop und Supermarkt also. Zwei Wochen lang hatte er geöffnet, ehe er nach einem Gerichtsurteil in Bremen wieder schließen musste. 

Doch Pliquett, der sich als "nachhaltigen Unternehmer" bezeichnet, blieb kreativ. Derzeit funktioniert der Shop immer noch als Abholmarkt. 

"Mastubator X und gerne noch Klopapier"

Seine jüngste Idee: Am Eingangsbereich einen Tresen zu errichten, an dem Kunden dann ihre Wünsche äußern können. "Wenn die dann sagen, ich hätte jetzt gerne Masturbator X und gerne noch Klopapier dazu, dass die Mitarbeiter das halt dann holen." Auch das sei allerdings derzeit nicht erlaubt.

Als er in dem Interview auf eine Sex-Puppe im Laden zu sprechen kommt, sagt er, ganz Geschäftsmann: "Prostitution ist ja auch im Moment verboten, aber vielleicht kann man ja damit was machen."

Eins wird klar: "Ich bin glücklicher, als ich es je als Profi war." 

Die Aktion mit Petric bereut Pliquett übrigens heute - doch die Sache sei längst aus der Welt geräumt. Und in seiner Kneipe schauen Pauli- und HSV-Fans die Spiele mittlerweile gemeinsam. Ganz egal, ob sie ihn für einen Helden halten - oder eben nicht.