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München - Der Fußball hat durch die Corona-Krise eine ungewisse Zukunft vor sich. Viele Vereine bangen um ihre Existenz, eine Woche der Wahrheit steht an.

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In Zeiten der Corona-Krise sind vor allem zwei Dinge die größten Feinde des Sports: die Hilflosigkeit und die Ungewissheit.

"Der Sport ist nicht Herr des Verfahrens", sagte SPORT1-Experte Marcel Reif im CHECK24 Doppelpass. Das seien zum Glück diejenigen, die sich medizinisch mit dem Virus beschäftigen.

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Genau aus diesem Grund fürchten nicht nur im Basketball und Eishockey Vereine, genau wie viele andere Unternehmen in der Bundesrepublik, um ihre Existenz, und stellen sich auf einen Kampf ums nackte Überleben ein. Auch im finanzstärkeren Fußball steht viel auf dem Spiel.

"Ich halte es für wichtig, dass wir jetzt innehalten und jeder sich Gedanken macht, was gerade in der Welt los ist", mahnte Uli Hoeneß, der sich im CHECK24 Doppelpass zuschalten ließ. "Im Moment müssen wir alle lernen, Geduld zu haben."

Die Botschaft des langjährigen Präsidenten des FC Bayern ist klar: Es gibt jetzt Wichtigeres als Fußball. Das mag zweifelsohne stimmen, allerdings drohen der Sportart mehrere Horrorszenarien, wenn nichts unternommen wird.

Der Fußball hat einen schwierigen Spagat zu meistern - und schon die nächsten Tage werden dabei entscheidend sein.

770 Millionen Euro stehen zur Disposition

Am Montag treffen sich die 36 Klubs der ersten und zweiten Bundesliga zur Krisensitzung am Frankfurter Flughafen. Es geht um nicht weniger als 770 Millionen Euro, die sich aus TV-Vermarktung, Sponsoring und Stadion-Einnahmen zusammensetzen.

Kann die Saison nicht zu Ende gespielt werden, steht diese astronomische Summe zur Disposition und jeder vierte DFL-Klub vor der Insolvenz.

Alle aktuellen Meldungen, Entwicklungen und Auswirkungen auf den Sport durch die Covid-19-Krise im Corona-Ticker!

"Das Wichtigste für den Fußball ist ganz klar die nationale Liga", machte Rudi Völler bei einer Schalte im CHECK24 Doppelpass klar. "Wie kann die nationale Liga weiterspielen, weiter existieren?"

Ein Zeitplan wird so früh wie möglich benötigt, doch wie soll es den geben?

Nach Informationen von 11Freunde soll den Vereinen am Montag vorgeschlagen werden, zunächst einmal alle bis Ostern geplanten Spiele zu verschieben. Neben den beiden kommenden Partien wären damit auch der 28. und 29. Spieltag betroffen, die Bundesliga würde frühestens am 17. April wieder loslegen.

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"Für mich ist unrealistisch, dass wir im April spielen können. Ich denke, Anfang oder Mitte Mai ist realistisch", orakelte Reiner Calmund im CHECK24 Doppelpass. Hoeneß ging sogar noch deutlich weiter: "Ich finde Scharlatanerie, heute zu sagen, was man in vier Wochen machen soll. Wir müssen jetzt alle mal runterschalten. Vielleicht wird auch erst im Oktober wieder gespielt, das weiß doch keiner."

Dr. Werner Bartens, Leiter Redaktion Wissen der Süddeutschen Zeitung hat sich eingehend mit der Verbreitung des Coronavirus beschäftigt - und der Arzt ist "total skeptisch, dass irgendwas wieder stattfinden kann. Ich denke, dass erst im Mai wieder etwas stattfinden kann."

Der Tenor: An ein termingerechtes Beenden der Bundesliga-Saison ist kaum zu denken.

Die Europameisterschaft "macht keinen Sinn"

Auch deswegen sind sich ein Großteil der Fans und Experten wenigstens bei einem einig: Die Europameisterschaft, die eigentlich am 12. Juni beginnen soll, muss verschoben werden.

Vorrang müssten die nationalen Ligen haben, anschließend Champions League und Europa League - "und ganz hinten kommt erst die Europameisterschaft", meinte Völler, und Reif ergänzte: "Wenn die EM dann hinten runterfällt, dann fällt sie eben hinten runter."

"Es macht überhaupt keinen Sinn, die Europameisterschaft zu spielen", wurde Hoeneß auch hier noch deutlicher.

Diese Einsicht ist inzwischen offenbar auch bei der UEFA gereift, denn: Nach SPORT1-Informationen will der europäische Fußballverband den teilnehmenden Nationen bei einer Videokonferenz am Dienstag eine Verschiebung der EM vorschlagen.

Zugunsten der nationalen Ligen, die dann länger Zeit hätten, ihre ausstehenden Spiele nachzuholen. Gleiches gilt für die europäischen Wettbewerbe.

DFL, UEFA und FIFA müssen sich etwas überlegen

"Die DFL muss sich da etwas überlegen", meinte der ehemalige Moderator des CHECK24 Doppelpass, Rudi Brückner, hinsichtlich des Zeitplans und brachte im Hilton Hotel am Münchner Flughafen eine erste Idee ins Spiel: "Können vielleicht Playoffs gespielt werden?"

Eine solche Lösung erscheint als denkbares Szenario, da Zeit gespart werden muss. Das gilt auch für die Champions League und die Europa League. Laut einem Bericht der L'Équipe denkt die UEFA längst über ein Final Eight ab dem Viertelfinale oder ein Final Four ab dem Halbfinale nach.

Die Europameisterschaft würde dann wohl im Sommer 2021 stattfinden. Wie SPORT1 aus Verbandskreisen erfuhr, wäre das die bevorzugte Lösung der UEFA, eine Austragung im kommenden Winter wirkt im straffen Terminplan der nationalen Ligen kaum denkbar.

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Das Problem: Im Sommer 2021 soll eigentlich die von FIFA-Boss Gianni Infantino aufgepumpte Klub-WM stattfinden. Ausgerechnet in China, wo auch Wuhan ein Spielort sein soll, das Epizentrum des Coronavirus. 

Bei der DFL, der UEFA und der FIFA stehen in der kommenden Woche hitzige Debatten an - und womöglich auch noch weit darüber hinaus. Eine Lösung scheint nur möglich, wenn Infantino seine Klub-WM opfern sollte.

Doch auch dann bleibt vorerst das größte Problem, das offensichtlich alle Fußballbegeisterten umtreibt: Keiner weiß, wann wieder an einen geregelten Spielbetrieb zu denken ist.