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Houston - Ein Verkauf von Jérôme Boateng galt als gesichert, seine vorzeitige Abreise von der US-Tour befeuert Spekulationen. Doch die Bayern-Bosse rudern aus guten Gründen zurück.

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Es ist ein Bild, an das man sich bei Jérôme Boateng in den vergangenen Monaten gewöhnt hat.

Nach Abpfiff verlässt er die Stadien dieser Welt zumeist wortlos, meistens mit Kopfhörern auf den Ohren, aber fast immer mit gesenktem Blick. So auch derzeit in den USA. Boateng, über viele Jahre respektierter Führungsspieler beim FC Bayern, möchte sich öffentlich schlichtweg nicht mehr äußern. Nicht über eine, auch aus seiner Sicht, enttäuschende Vorsaison. Auch nicht über seine unklare Zukunft.

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Als ihn SPORT1 in Los Angeles anspricht, bleibt Boateng stehen und bittet höflich um Verzeihung, dass er nichts zu seiner Zukunft sagen könne. Oder nichts sagen wollte?

Rummenigge: "Zukunft nicht final entschieden"

Ob er es will oder nicht, der Innenverteidiger ist auf der USA-Reise ein Top-Thema – auch am Samstagnachmittag (Ortszeit). Da verkündete der Verein, dass Boateng aufgrund "privater Gründe" am Sonntag vorzeitig zurück nach Deutschland fliegen und anschließend individuell trainieren werde. Schnell machten sich Gerüchte breit, ob seine Heimkehr nicht doch mit einem bevorstehenden Wechsel zu tun haben könnte.

Der Verein tagsüber und Trainer Niko Kovac am Abend dementierten dies. Sein Einsatz gegen Real Madrid (3:1) spricht ebenfalls gegen einen schnellen Wechsel.

Jerome Boateng
Jérôme Boateng beim Verlassen des Stadions in Houston © SPORT1

Vielmehr könnte man dieser Tage auf der USA-Reise glauben, dass sich die Verantwortlichen des Rekordmeisters zunehmend ein Hintertürchen offen lassen wollen, falls es mit einem Verkauf des 30-Jährigen nicht klappen sollte. 

Karl-Heinz Rummenigge erklärte am Sonntag: "Seine Zukunft ist noch nicht final entscheiden. Seine Abreise ist eine exklusive private Angelegenheit."

Anlässlich der ersten bemannten Mondlandung vor 50 Jahren überreichte Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Sonntagmittag (Ortszeit) im NASA Johnson Space Center Trikots
Anlässlich der ersten bemannten Mondlandung vor 50 Jahren überreichte Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Sonntagmittag (Ortszeit) im NASA Johnson Space Center Trikots © Florian Plettenberg/SPORT1

Noch vor Wochen klang das ganz anders. Da legte vor allem Präsident Uli Hoeneß dem Weltmeister von 2014 einen Abgang nahe. Auch Rummenigge äußerte sich in diese Richtung.

Boateng überzeugt mit Fitness

Boateng überraschte die Bayern-Führung und auch Kovac damit, dass er fokussiert und fit aus dem Urlaub erschien, obwohl er natürlich wusste, was währenddessen über ihn geäußert wurde. Ebenso entging den Bossen nicht, dass Boateng in den ersten 45 Minuten im International Champions Cup gegen den FC Arsenal (1:2) und in seinen 90 Minuten gegen Madrid durchaus zu gefallen wusste.

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"Jérôme ist ein Profi, der hat sich gut vorbereitet. Wenn man die Storys, die er gepostet hat, verfolgt hat, weiß man, wie er sich vorbereitet hat", lobte Bayern-Kapitän Manuel Neuer nach dem Auftritt gegen Real: "Daher war seine gezeigte Leistung für mich schon zu erwarten.“

Joshua Kimmich dazu: "Er ist sehr positiv aus dem Urlaub gekommen."

Auch Kovac äußerte sich anerkennend: "Das war so, wie wir ihn alle kennen. Sportlich gesehen bin ich mit ihm sehr zufrieden. Großes Lob, großes Kompliment. Das hat er aber auch schon im Training angedeutet."

(ICC: Highlights FC Bayern - AC Mailand am Mi., 15.30 Uhr und 18 Uhr im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

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Rummenigge fand ebenfalls Worte der Wertschätzung: "Er hat sich top vorbereitet auf die Reise. Er kam mit bestem Gewicht und einer gewissen Fitness. Wir haben in der Innenverteidigung ohne Frage eine hohe Qualität – mit Süle, mit Hernández, mit Pavard. Auf der anderen Seite haben wir Mats Hummels (nach Dortmund, d. Red.) abgegeben."

Rummenigge weiter: "Beide Spiele waren auch gut von ihm."

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Kovac degradierte Boateng

Im ohnehin schon dünnen Kader (17 Feldspieler) stehen aktuell nur drei fitte und gelernte Innenverteidiger zur Verfügung: Süle, Pavard und eben Boateng. Da auch unklar ist, wann genau 80-Millionen-Neuzugang Lucas Hernández auf den Rasen zurückkehrt, sind die Bosse wohl ins Grübeln gekommen. 

Auch Kovac nährte Gerüchte, um eine Kehrtwende in der Causa Boateng. "Wir werden sehen, was bis zum Ende der Transferperiode passiert ist – oder eben nicht." Neuer würde sich jedenfalls freuen, wenn Boateng dem Team erhalten bliebe. "Grundsätzlich haben alle Spieler ein gutes Spiel gemacht. Renato (Sanches, Anm. d. Red.) ebenso wie Jérôme, von denen wir ja wissen, was sie können. Wir sind natürlich froh, wenn sie bleiben", sagte der Kapitän.

Boateng selbst, der nach seinem Karriereende gerne in den USA leben möchte, weiß allerdings, dass ihm eine erneut schwere Saison bevorstehen könnte. Bereits in der Vorsaison degradierte ihn Kovac nur noch zur Nummer drei in der Innenverteidigung. Aktuell hat er von allen Innenverteidigern die meiste Spielzeit in den Tests bekommen. 

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Aktuell liegen für den Ex-Nationalspieler (Vertrag bis 2021) aber auch immer noch keine konkreten Angebote vor. Zudem ist sein Jahres-Salär bei den Bayern mehr als üppig. Es soll bei rund 12 Millionen Euro pro Jahr liegen. 

Werbung in eigener Sache, sowohl für die Bayern-Bosse als auch für mögliche Abnehmer, hat Boateng gegen Madrid gemacht.