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Gianni Infantino ist Nachfolger von Sepp Blatter als FIFA-Präsident © Getty Images

Die FIFA steht vor einem neuen 25-Milliarden-Deal. Doch ein Medienbericht enthüllt, dass der Verband dafür wohl zahlreiche Rechte abtreten muss.

von SPORT1 , Sportinformationsdienst

FIFA-Präsident Gianni Infantino ist offenbar drauf und dran, den Fußball-Weltverband faktisch abzuschaffen.

Wie die Süddeutschen Zeitung berichtet, hätte in Zukunft ein Finanzkonsortium das Sagen über die Vermarktung des Weltfußballs, falls die von Infantino ausgearbeiteten Pläne umgesetzt werden. 

25 Milliarden Dollar soll die FIFA für den Deal angeblich bekommen - die Gegenleistung hätte es aber in sich: Aus Dokumenten, die gemeinsam mit dem WDR ausgewertet wurden, geht offenbar hervor, dass das angestrebte Geschäft den Verkauf fast sämtlicher Rechte beinhaltet. Die Fifa bliebe dann "als leere Hülle zurück". 

Grindel will alle Fakten auf den Tisch

Laut der Zeitung täuscht der Schweizer die Öffentlichkeit und die Entscheidungsgremien der Fifa offenbar seit Monaten über den wahren Hintergrund der gigantischen Milliarden-Offerte. 

Betroffen seien demnach laut einer geheimen Absichtserklärung Digital- und Archiv-Rechte, Filme und Videos, Satelliten- und Netzübertragungen, Merchandising und Spielrechte, jede Produktion in High-Definition- und 3-D-Format, Computerspiele sowie alles "Virtuelle und jedes andere Format, das noch weltweit entwickelt wird". Sogar Rechte an zukünftigen Fußball-Weltmeisterschaften seien mit einbezogen.

Angesichts dieser Unklarheit bei der Faktenlage fordert DFB-Präsident Reinhard Grindel den FIFA-Präsidenten auf, nun endlich mit offenen Karten zu spielen. "Es kann nicht sein, dass jeden Tag über neue Gerüchte und Spekulationen gesprochen wird. Ich plädiere dafür, dass Infantino jetzt alle Fakten und Informationen auf den Tisch legt", sagte der 57-Jährige dem SID.

FIFA-Vorstand lehnte Deal bisher ab

Infantino, der seit März versucht, den FIFA-Vorstand von dem Milliarden-Deal zu überzeugen, hat bislang immer den Eindruck erweckt, als seien nur die Rechte an zwei neuen Turnierformaten Bestandteil der Planungen: die einer Weltliga für Nationalteams sowie einer auf 24 Mannschaften erweiterten Klub-WM. Im Gegenzug für die Vermarktung dieser Turniere würden Investoren 25 Milliarden US-Dollar für zwölf Jahre anbieten. 

Zu den Namen der angeblichen Investoren sagt Infantino mit Hinweis auf eine Verschwiegenheitserklärung bisher nichts. Die FIFA-Vorstandsmitglieder lehnen den Deal bislang mehrheitlich ab und bestehen auf weitere Informationen.

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff glaubt auch nicht, dass es zu diesem Deal kommen wird. "Ich glaube, dass sich eine FIFA auch schwer tun wird, das in einem Zug umzusetzen", sagte der 50-Jährige am Samstag im Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Leipzig.

FIFA teilt mit: Dokument veraltet

Bei den geplanten neuen Partnern der FIFA soll es sich dem Bericht zufolge um den britischen Investmentberater SB Investment Advisers Limited (SBIA) sowie die in London ansässige Investmentfirma Centricus Partners LP handeln.

SBIA ist eine 100-prozentige Tochter des japanischen Technikkonzerns SoftBank Gruppe, das Konsortium pflegt SZ und WDR zufolge enge Drähte zu Saudi-Arabien. Centricus habe Anbindung an die großen Privatfonds der Welt, insbesondere an SoftBank und saudische Anleger. 

Die FIFA teilte SZ und WDR auf Anfrage mit, dass das Dokument veraltet sei und nur eines von vielen Hunderten, das beim Weltverband im Umlauf sei.

Der langjährige Hausjurist der FIFA, Marco Villiger, sowie sein Stellvertreter Jörg Vollmüller warnten in einer internen Expertise, die SZ und WDR ebenfalls vorliegt, angeblich ausdrücklich vor dem Plan. Beide Juristen haben die FIFA inzwischen verlassen.

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